JDownloader2 Landgericht Hamburg verbietet Stream-Ripper

Wenn Videostreams aus dem Internet einen Kopierschutz haben, darf eine Software diesen nicht umgehen. Das hat das Landgericht Hamburg im Rahmen einer einstweiligen Verfügung gegen JDownloader2 entschieden. Der Fall wirft grundsätzliche Fragen über Open-Source-Software auf.

MyVideo-Seite: Stream-Ripper können Videos auf die Festplatte kopieren

MyVideo-Seite: Stream-Ripper können Videos auf die Festplatte kopieren


Auf vielen Websites gibt es Audio- und Videostreams, die man als Nutzer zwar abrufen, aber nicht abspeichern darf. Bestimmte Software umgeht diese Hürde. Doch wenn die Hürde durch zusätzliche technische Maßnahmen hoch genug hängt, ist die Software illegal.

So sieht es zumindest das Landgericht Hamburg. Das Gericht erließ am 25. April eine einstweilige Verfügung gegen JDownloader2, die Betaversion des JDownloader. Darin war zwischenzeitlich eine Funktion zum Herunterladen geschützter Inhalte enthalten. Das Programm erlaubte es, Videoclips von Multimediaplattformen wie etwa MyVideo dauerhaft zu speichern. Konkret ging es in der einstweiligen Verfügung um die Umgehung des sogenannten RTMPE-Schutzes, der die unerlaubte Verwendung von Videodateien verhindern soll.

Damit sei aber ein Verstoß gegen Paragraf 95a Absatz 2 Urheberrechtsgesetz (UrhG) gegeben, so das Gericht. In einem ähnlichen Verfahren hatte bereits im Jahr 2012 das Landgericht München eine Software verboten, "die es ermöglichte, geschützte Videostreams von der Internetseite Myvideo.de herunterzuladen", wie die seinerzeit klageführende Kanzlei erklärte. Die Anwälte waren auch im aktuellen Fall als Kläger aufgetreten.

Der Entwickler des JDownloader2, AppWork aus Fürth, nahm die entsprechende Funktion umgehend aus dem Programm heraus und bietet derzeit nur eine Version ohne das verbotene Aufnahme-Feature an. Laut der Website Heise legt AppWork auf die Feststellung wert, bei der strittigen Funktion habe es sich um einen Programmbestandteil gehandelt, der nur für kurze Zeit in einer Betaversion der Software enthalten gewesen sei. Dieser sei durch einen Entwickler der Open-Source-Community hinzugefügt und kurzfristig zur Verfügung gestellt worden. Nach der Entfernung sei der JDownloader nun wieder völlig legal.

Für AppWork hat der Gerichtsentscheid grundsätzliche Bedeutung, denn es müsse geklärt werden, wer im Rahmen von Open-Source-Programmen rechtlich haftet. Bis jetzt sei unklar, ob etwa der Betreiber einer entsprechenden Plattform auch kleinste Änderungen vorab auf ihre Rechtmäßigkeit überprüfen müsse. Daher haben die Fürther Rechtsmittel eingelegt, die Verhandlung in Hamburg ist für den 12. September 2013 angesetzt.

Aktenzeichen 310 O 144/13

meu



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Seite 1
chiefw 20.06.2013
1. Der Artikel wirft grundsätzliche Fragen über den Artikel auf
"Der Fall wirft grundsätzliche Fragen über Open-Source-Software auf" steht im Teaser - und nu? Welche Fragen wären das?
l3m0nh34d 20.06.2013
2. Jaja, das LG Hamburg und das liebe Internetz...
Verstanden haben sie es immernoch nicht. Absolutes Neuland sozusagen :)
Alkyone 20.06.2013
3. Thema
Zitat von sysopWenn Videostreams aus dem Internet einen Kopierschutz haben, darf eine Software diesen nicht umgehen. Das hat das Landgericht Hamburg im Rahmen einer einstweiligen Verfügung gegen JDownloader2 entschieden. Der Fall wirft grundsätzliche Fragen über Open-Source-Software auf. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/jdownloader2-landgericht-hamburg-verbietet-stream-ripper-a-906847.html
Der Kopierschutz ist unwirksam! Das ist das Problem. Überschneidungen wird es immer geben. Früher war das Problem libdvdcss. libdvdcss (http://de.wikipedia.org/wiki/Libdvdcss)
u.loose 20.06.2013
4. Es geht da eher nicht um
"Geschütztes" es geht um das Ärgernis für den Internet Nutzer, Flash Videos streamen zu müssen und nicht lokal aufheben zu können. Ärgernis auch deshalb, weil es immer wieder Clips gibt, die morgen nicht mehr da sind. Das wäre praktisch so, als wenn man den Spiegel nur online lesen dürfte, aber nicht lokal als "Zeitdokument" speichern dürfte. Fehlt nicht mehr viel zu 1984, wo dann eben ein paar Tage später etwas völlig anderes veröffentlicht wurde. Unabhängig davon - es ist auch ohne jloader völlig problemlos diesen Flash Kram mitzuschreiben un zu speichern. Das sitzt das doch sehr einseitig agierende hamburger Gericht auf verlorenem Posten.
sunhaq 20.06.2013
5.
Zitat von chiefw"Der Fall wirft grundsätzliche Fragen über Open-Source-Software auf" steht im Teaser - und nu? Welche Fragen wären das?
Zitat Artikel: "Für AppWork hat der Gerichtsentscheid grundsätzliche Bedeutung, denn es müsse geklärt werden, wer im Rahmen von Open-Source-Programmen rechtlich haftet. Bis jetzt sei unklar, ob etwa der Betreiber einer entsprechenden Plattform auch kleinste Änderungen vorab auf ihre Rechtmäßigkeit überprüfen müsse. Daher haben die Fürther Rechtsmittel eingelegt, die Verhandlung in Hamburg ist für den 12. September 2013 angesetzt." Lesen hilft.
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