Whistleblower auf der Flucht Snowden hat Sicherheitskopien hinterlegt

Für seinen eigenen Todesfall hat Edward Snowden vorgesorgt - zumindest was seine Enthüllungen angeht: Er hat laut "The Daily Beast" verschlüsselte Sicherheitskopien hinterlegt. Auch "Guardian"-Journalist Glenn Greenwald hat Vorsichtsmaßnahmen getroffen.

Journalist Glenn Greenwald: "Er wollte der US-Regierung nicht schaden"
AP

Journalist Glenn Greenwald: "Er wollte der US-Regierung nicht schaden"


Edward Snowden ist momentan der wohl meistgesuchte Feind der USA. Der Whistleblower ist um die halbe Welt geflohen, um dem Zugriff der USA zu entgehen. Und er hat vorgesorgt, selbst für seinen Todesfall. "The Daily Beast" berichtet ausführlich von einem Gespräch mit dem Journalisten Glenn Greenwald, der Snowdens Wissen und seine Geschichte über den "Guardian" verbreitet hat.

Greenwald sagt, Snowden habe digitale Kopien an mehrere Menschen verteilt, verschlüsselt, aber ohne die Passwörter. So können die Kopien derzeit nicht gelesen werden. Aber, so Greenwald, Snowden habe "für den Fall, dass ihm etwas zustößt", dafür gesorgt, dass seine Vertrauten Zugang zum gesamten Archiv bekämen.

Wenn das stimmt, könnten die Enthüllungen also auch dann weitergehen, wenn Snowden gefasst wird oder die vier Laptops, die er mit auf die Reise genommen haben soll, abhanden kommen. Schon im Video-Interview mit dem "Guardian" hatte Edward Snowden erklärt: "Die US-Regierung kann das nicht vertuschen, indem sie mich einsperrt oder umbringt. Die Wahrheit kommt heraus, und sie kann nicht aufgehalten werden."

Laut "Daily Beast" ist mit weiteren Enthüllungen zu rechnen: Greenwald ist damit beschäftigt, Tausende Dokumente durchzuarbeiten - und nach journalistischen Kriterien zu entscheiden, was zu veröffentlichen sei und was nicht. Einfach alles publik zu machen, komme weder für den Journalisten noch für Snowden in Frage.

Per YouTube gelernt, E-Mails zu verschlüsseln

Laut Greenwald sollen keine Menschen gefährdet werden, es sollen aber auch keine Überwachungstipps für andere Länder herauszulesen sein; und auch bestimmte technische Details über das Vorgehen der USA sollten nicht fahrlässig offengelegt werden. Diese Vorsicht habe Snowden vehement gefordert, so der "Guardian"-Journalist, "er wollte der US-Regierung nicht schaden", sondern nur Licht ins Dunkle bringen.

Auch der Journalist Greenwald hat laut "The Daily Beast" Vorsichtsmaßnahmen getroffen: Seit er mit Snowden in Kontakt steht, verschlüsselt der Journalist seine Mails. Snowden habe ihm extra ein YouTube-Video aufgenommen, mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie das geht. (Eine Anleitung zur sicheren Kommunikation bietet zum Beispiel das Cryptoparty-Handbuch.)

Dass sich die Fahnder auch dafür interessieren, was Greenwald weiß, dürfte außer Frage stehen. Daher trage er den Computer und die Daten bei sich, "wo auch immer ich hingehe".

Dem "Daily Beast" sagte der Journalist, er habe von Hongkong aus über Skype mit seinem Partner in Rio gesprochen und ihm gesagt, er würde ihm eine verschlüsselte Kopie der Dokumente schicken. Darauf habe er dann aber doch verzichtet. "Zwei Tage später", so Greenwald, "wurde sein Laptop aus unserem Haus gestohlen", sonst hätten die Diebe nichts mitgenommen. Er wolle nicht behaupten, dass der Einbruch mit dem Skype-Gespräch in irgendeinem Zusammenhang stehe, "aber offensichtlich besteht die Möglichkeit".

juh



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OmaBär 26.06.2013
1. Die WIRKLICH aktuelle Meldung lautet:
"Die britische Regierung ist nicht gewillt, Fragen der Bundesregierung über das massive Abhörprogramm «Tempora» des britischen Geheimdienstes GCHQ zu beantworten. Das geht aus einem Schreiben der britischen Botschaft an das Bundesinnenministerium hervor."
ae1 26.06.2013
2. Ein alter Trick von Dissidenten
ist es Kopien von "giftigen" Dokumenten auf der Welt zu verteilen. Sollte ihnen etwas zustoßen, würden sie automatisch veröffentlicht. Auf diese Weise haben sich z.b. einige Abtrünnige vor Hitlers Rache geschützt. Es gelangen sogar Erpressungen. Die Regierungen zahlten und schwiegen. Durchaus möglich, dass dies im vorliegenden Fall versucht wird.
ruthteibold-wagner 26.06.2013
3. Sie werden gegen Snowden schon etwas finden, was einen Interpol-Haftbefehl bewirkt.
Zitat von sysopAPFür seinen eigenen Todesfall hat Edward Snowden vorgesorgt - zumindest, was seine Enthüllungen angeht: Laut einem Bericht hat er verschlüsselte Sicherheitskopien verteilt. Auch "Guardian"-Journalist Glenn Greenwald hat Vorsichtsmaßnahmen getroffen. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/journalist-glenn-greenwald-edward-snowden-hat-sicherheitskopien-a-907899.html
Wenn man sich mit NSA, CIA und Konsorten anlegt, auch mit den britischen Leuten, die eine Lizenz für alles mögliche haben, ist es sehr sinnvoll, für den eigenen Todesfall vorzusorgen. Es gibt jedoch für diese Konsorten auch andere Möglichkeiten, um einen missliebigen Menschen auszuschalten. Siehe Assange. Es wäre nicht verwunderlich, wenn "herauskäme", dass Snowden z.B. irgend etwas "sexuell verwerfliches" getan hätte. Oder irgendwas mit "Rauschgift". Oder, das machen sie auch gerne, es könnte öffentlich werden, dass er gegen Steuergesetze verstoßen hätte. Oder dass er irgendetwas mit Massenvernichtungswaffen am Hut hat. Das ist ja die Spezialität der CIA. Wenn sie dann erst so etwas konstruiert haben, bekommen sie einen Interpol-Haftbefehl und dann ist Snowden dran. Wetten, dass so etwas passieren wird? Ich wette 10 Milliarden Euro. Wenn ich die Wette verliere, kann die Schuld beim ESM eingetrieben werden.
der_nachdenkende 26.06.2013
4. Trick?
Zitat von ae1ist es Kopien von "giftigen" Dokumenten auf der Welt zu verteilen. Sollte ihnen etwas zustoßen, würden sie automatisch veröffentlicht. Auf diese Weise haben sich z.b. einige Abtrünnige vor Hitlers Rache geschützt. Es gelangen sogar Erpressungen. Die Regierungen zahlten und schwiegen. Durchaus möglich, dass dies im vorliegenden Fall versucht wird.
Ich halte es nicht für einen Trick, sondern eher für den Versuch einer Lebensversicherung. Snowden weiss eben, für wen er gearbeitet hat - und er weiss damit, was ihm nun alles passieren kann.
helmutderschmidt 26.06.2013
5. Politik ist halt ein dreckiges Geschäft!!!
Zitat von sysopAPFür seinen eigenen Todesfall hat Edward Snowden vorgesorgt - zumindest, was seine Enthüllungen angeht: Laut einem Bericht hat er verschlüsselte Sicherheitskopien verteilt. Auch "Guardian"-Journalist Glenn Greenwald hat Vorsichtsmaßnahmen getroffen. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/journalist-glenn-greenwald-edward-snowden-hat-sicherheitskopien-a-907899.html
Politik ist halt ein dreckiges Geschäft... überall auf der Erde!!! Traurig aber wahr ;-).
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