Jahresbericht: Jugendschützer warnen vor Smartphones und Facebook

Die Internet-Jugendschützer in Deutschland klagen an: Facebook und YouTube halten deutsche Schutz-Standards nicht ein. Außerdem warnt jugendschutz.net vor Apps auf mobilen Geräten.

Facebook-Logo: Hier prüft ein Mitarbeiter des Netzwerk Inhalte auf der Plattform Zur Großansicht
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Facebook-Logo: Hier prüft ein Mitarbeiter des Netzwerk Inhalte auf der Plattform

Hamburg - Die länderübergreifende Stelle für Jugendschutz im Internet, jugendschutz.net, hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr rund 50.000 Online-Angebote auf Verstöße überprüft. Darunter waren demnach 20.975 Websites, 2172 Treffer in Suchmaschinen und 21.339 Profile in sozialen Netzwerken. Die Mitarbeiter von jugendschutz.net recherchieren eigenständig im Netz, überprüfen aber auch Hinweise auf möglicherweise unzulässige Angebote.

Im vergangenen Jahr sei man gegen 10.000 unzulässige Angebote vorgegangen, vier von fünf Verstößen seien schnell geändert oder gelöscht worden, heißt es in dem am Donnerstag vorgestellten Jahresbericht (PDF-Link). Jugendschutz.net gibt eine Erfolgsquote von 78 Prozent an. Dabei habe sich der "direkte Kontakt zu den Providern" als effektives Instrument erwiesen.

Die Jugendschützer kritisieren in ihrem Bericht, dass Plattformen wie Facebook und YouTube die in Deutschland im Laufe der vergangenen Jahre entwickelten Standards "zunehmend obsolet" machen würde. Facebook reagiere auf Beschwerden oft "nur unzureichend", "proaktive Maßnahmen" hinsichtlich der "Entfernung jugendgefährdender Inhalte" seien nicht ersichtlich, heißt es in dem Jahresbericht. Zudem seien über die "allgegenwärtige Einbindung von YouTube-Videos, Facebook-Profilen oder GoogleAds" ungeeignete Inhalte über wenige Klicks verfügbar.

In der Verbreitung mobiler Geräte mit Internetzugang sehen sie eine wachsende Gefahr für den Jugendschutz. Sie appellierten an die Hersteller von Smartphones und Tablets beziehungsweise die Betreiber von App-Stores, Schutzmechanismen für Kinder zu entwickeln.

Beklagt wird eine gescheiterte Überarbeitung des Staatsvertrags zum Jugendschutz, ohne den nun "die Schere zwischen gesetzlichen Regelungen und Entwicklungen im Internet" weiter aufgegangen sei. Kritiker hatten in dem geplanten neuen Jugendmedienschutzstaatsvertrag untragbare juristische und finanzielle Risiken für Website-Betreiber ausgemacht und ihn als weltfremd bezeichnet.

ore/dpa

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Ja, ne is klar...
snickerman 31.05.2012
Der komische Verein muss von Zeit zu Zeit Aufmerksamkeit erregen, genau wie die Suchtbeauftragten, die wegen sinkendem Alkohol- und Tabakkonsums schnell die Internetsucht ausgraben, um nicht überflüssig zu werden. Empirische Erkenntnisse sagen, dass die Jugendlichen sehr viel besser und gelassener mit den Angeboten im Netz umgehen können als es die hauptberuflichen Schützer wahrhaben wollen...
2. Bauklötze sind immernoch am sichersten!
IchWeißAlles 01.06.2012
"Sicherer Umgang mit den neuen Medien des 21. Jahrhunderts" sollte unbedingt als neues und für alle Grundschüler bindendes Unterrichtsfach eingeführt werden.
3.
Dosengabel 01.06.2012
Zitat von snickermanEmpirische Erkenntnisse sagen, dass die Jugendlichen sehr viel besser und gelassener mit den Angeboten im Netz umgehen können als es die hauptberuflichen Schützer wahrhaben wollen...
Gibt es auch eine Quelle zu dieser Behauptung?
4. ||||
sample-d 01.06.2012
...ich wüsste nicht dass ich auf facebook jemals etwas jugendgefährdendes in der Timeline hatte - zuallereletzt durch Google-Ads... Aber der content hängt ja davon ab wen man da so kennt - und ich kenne das private Umfeld der Jugendschützer nicht...
5.
Peter Werner 01.06.2012
Dies wäre doch, zusammen mit der KJM und BPJM, eine wunderbare Stelle zum Sparen. Sagen wir mal, so 100%. Niemand würde diese Zensurbehörden vermissen.
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