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Panoramafreiheit: EU-Abgeordnete fürchtet Einschränkungen für Urlaubsfotos

Julia Reda: Sorgt sich um die Panoramafreiheit Zur Großansicht
DPA

Julia Reda: Sorgt sich um die Panoramafreiheit

Darf man bald nicht mehr jedes Urlaubsfoto bei Facebook zeigen? Die Piratin Julia Reda ärgert sich über die Entscheidung eines Europaparlaments-Ausschusses - und warnt vor den Folgen für Fotografen und Hobbyknipser.

Die Europaabgeordnete Julia Reda warnt vor drohenden Einschränkungen bei der Panoramafreiheit. Die Panoramafreiheit erlaubt es Menschen in Deutschland und anderen Ländern, Gebäude, Skulpturen oder Straßenzüge zu filmen oder zu fotografieren und diese Aufnahmen frei zu verwenden - ohne den Architekten um Erlaubnis zu fragen. Voraussetzung dafür ist, dass die Außenaufnahme von einem öffentlichen Verkehrsweg, etwa von einer Straße aus, gemacht wurde.

In einem Eintrag auf ihrer Website berichtet Reda, dass sich der Rechtsausschuss des Europaparlaments Mitte Juni mit ihren Ideen zur Urheberrechtsreform auseinandergesetzt und vielen Vorschlägen zugestimmt hat. Zu den meisten Punkten habe sie mit allen Fraktionen Kompromisstexte aushandeln können, schreibt das Mitglied der Piratenpartei - beim Thema Panoramafreiheit sei aber keine Einigung erzielt worden.

Reda hatte mit Blick etwa auf Urlaubsfotos in sozialen Netzwerken gefordert, dass die Panoramafreiheit in der gesamten EU gelten soll. Die Mitglieder des Rechtsausschusses hätten diese Forderung aber ins Gegenteil verkehrt, "indem sie den restriktivsten aller Änderungsanträge zur Panoramafreiheit angenommen haben".

Einschränkung statt Ausweitung

Konkret wurde eine alternative Formulierung angenommen, die die Empfehlung beinhaltet, dass die kommerzielle Nutzung von "Fotografien, Videomaterial oder anderen Abbildungen von Werken, die dauerhaft an physischen öffentlichen Orten platziert sind", nur mit einer Zustimmung des Urheber erlaubt ist. Praktisch würde die EU-Kommission also dazu aufgefordert, die Panoramafreiheit in vielen Staaten einzuschränken, statt sie grundsätzlich auszuweiten beziehungsweise beizubehalten.

Julia Reda kommentiert in einem anderen Artikel, durch eine solche Änderung würde für Social-Media-Nutzer, die Urlaubsfotos veröffentlichen, eine Rechtsunsicherheit geschaffen. Aber auch professionelle Fotografen und Filmer wären betroffen: "Dokumentarfilmproduktionen müssten den Urheberrechtsstatus jedes Gebäudes, jeder Statue oder sogar jedes Graffitos recherchieren, die in ihren Filmen abgebildet sind, und die Erlaubnis der jeweiligen Rechteinhaber einholen", klagt Reda. "Das ist schlicht absurd."

Am 9. Juli wird es ernst

Die nächste Abstimmung über den Bericht zum Urheberrecht findet am 9. Juli statt, dann mit allen Mitgliedern des Europaparlaments. "Die schlimmsten Stellen des Berichts können immer noch repariert werden", schreibt Reda.

Mittlerweile haben sich einige Organisationen dem Einsatz für diese Reparatur verschrieben, darunter Freelens, ein Verein für Fotojournalisten. Er verweist auf eine Onlinepetition mit dem Titel Save the Freedom of Photography!.

Auch Autoren der deutschen Wikipedia wollen gemeinsam gegen die geänderte Passage protestieren, unter anderem per offenem Brief. Auf einer Übersichtsseite der Initiative für Panoramafreiheit heißt es: "Sollte dies als Gesetzesänderung beschlossen werden, müsste die Wikipedia sämtliche Bilder von neuzeitlichen Gebäuden, Statuen, Gedenktafeln, Schildern, Markierungen und sonstigen dauerhaft im öffentlichen Raum befindlichen Objekten, die in den davon betroffenen Ländern aufgenommen worden sind, ersatzlos löschen."

mbö

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insgesamt 54 Beiträge
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1. Das klingt...
effesste 25.06.2015
... doch mal wieder nach einer typischen EU-Regelung. An hanebüchenem Schwachsinn durch abslut gar nichts mehr zu toppen. Aber zur Finanzierung dieser Hohlköpfe zahle ich gerne Steuern...
2. Nur kommerzielle Nutzung
rolie 25.06.2015
Wikipedia wäre wohl nicht betroffen, da es wohl kein kommerzielles Produkt ist. Denn in dem Artikel steht ja "dass die *kommerzielle* Nutzung von "Fotografien...".
3. Absurd
Mi.St. 25.06.2015
Nach dieser Logik müssten wir nicht mehr Eintritt bezahlen wenn wir in ein Gebäude reingehen sondern wenn wir davor stehen
4.
gertrud.kanu 25.06.2015
Das ist doch wieder mal ein Beispiel für unsinnige Regelungen, die zur Ablehnung der EU führen können!
5. Lobbyismus perfektioniert
da-spon-leser 25.06.2015
Zitat von effesste... doch mal wieder nach einer typischen EU-Regelung. An hanebüchenem Schwachsinn durch abslut gar nichts mehr zu toppen. Aber zur Finanzierung dieser Hohlköpfe zahle ich gerne Steuern...
Sie haben prinzipiell recht - eine typische EU-Regelung. Nur Ihr Schluss ist zu hinterfragen. Denn: Im EU-Parlament sitzen die Besten der Besten der Besten …*Lobbyisten. Seien es die Leuchtmittel- oder Content-Mafia-Lobbyisten. "Hohlköpfe" sind das bestimmt nicht - die sind eher in den Länderparlamenten zu finden.
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