WikiLeaks-Gründer Schwedische Staatsanwaltschaft befragt Julian Assange

Vor über vier Jahren ist WikiLeaks-Gründer Julian Assange in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet. Seit Montagmittag wird er dort nun zu einem Vorwurf der Vergewaltigung befragt.

AFP

Die Befragung des Wikileaks-Gründers Julian Assange durch die schwedische Staatsanwaltschaft zum Vorwurf der Vergewaltigung hat begonnen. Die schwedische Oberstaatsanwältin Ingrid Isgren und ihr Team kamen dafür am Montag in die Botschaft Ecuadors in London.

Isgren kann ihre Fragen an Assange über einen ecuadorianischen Kollegen stellen, heißt es. Ecuador übermittle die Antworten dann später nach Schweden. Neben Isgren und Ortiz sollte ein schwedischer Polizeiermittler an der Befragung teilnehmen, heißt es. Man wolle Assange auch um eine DNA-Probe bitten.

Julian Assange und seine Verteidigung hoffen, dass der 45-jährige Australier nun seine Sicht der Dinge darlegen kann, und dass die Ermittlungen gegen ihn anschließend eingestellt werden. Die Befragung war seit Längerem gefordert worden.

Vorwürfe aus den USA und Schweden

Assange war 2012 in die Botschaft geflohen. In dem Gebäude lebt er auf beengtem Raum mit Bett, Computer und Balkonzugang. Er wehrt sich gegen eine Auslieferung nach Schweden, weil er befürchtet, von dort in die USA gebracht zu werden, wo im Zusammenhang mit WikiLeaks-Veröffentlichungen gegen ihn ermittelt wird.

Ein europäischer Haftbefehl gegen Assange wurde bereits 2010 erlassen. Eine Schwedin warf dem WikiLeaks-Gründer Vergewaltigung vor. Anschuldigungen, die eine zweite Frau gegen ihn erhob, gelten mittlerweile als verjährt. Assange weist die Vorwürfe aus Schweden gegen ihn als politisch motiviert zurück. Er sagt, es habe sich um einvernehmlichen Sex gehandelt.

Befragung könnte bis Mittwoch dauern

Die diplomatischen Bemühungen um eine Lösung des Falles Assange waren in den vergangenen Monaten und Jahren kaum vorangekommen. UN-Experten kamen im Februar zu dem Schluss, dass Assanges Aufenthalt in der Botschaft einer willkürlichen Verhaftung gleichkomme und er auf freien Fuß gesetzt werden sollte.

Am Montag hieß es, Informationen über das Ergebnis der jetzigen Befragung würden die Ermittler im Anschluss nicht bekannt geben. Assanges Anwalt Per Samuelsson sagte, die Befragung werde wohl mehrere Tage dauern. Es sei zudem zu früh für eine Einschätzung, was bei der Anhörung herauskommen könnte.

Selbst wenn Schweden die Ermittlungen einstellen sollte, wäre damit nicht gesichert, dass der WikiLeaks-Gründer die Botschaft folgenlos verlassen könnte. Die britischen Behörden könnten ihn auch dann noch festnehmen lassen. Hintergrund sind Verstöße gegen die Auflagen, die ihm 2012 für seine vorläufige Freilassung gemacht worden sind.

Assange ohne Internet

Assanges Plattform WikiLeaks hatte zuletzt mit Enthüllungen rund um die US-Wahl Aufsehen erregt, vor allem mit den "Podesta-E-Mails", die Hillary Clintons Demokratische Partei zumindest teilweise in Erklärungsnot brachten.

Mitte Oktober entschied Ecuadors Außenministerium, Assange den Internetzugang in der Botschaft zu sperren, was jedoch eher ein symbolischer Akt war. Ecuador kündigte damals auch an, am Asyl für Assange festhalten zu wollen.

SPIEGEL-Interview mit Assange

mbö/dpa/AFP/AP



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