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Kampf gegen Computerwürmer: Virenjäger sezieren Sabotage-Software

Aus Vancouver berichtet

Stuxnet ist angeblich die erste Software, die zur Sabotage von Industrieanlagen eingesetzt werden kann. Auf einer Konferenz in Vancouver zeigen Forscher nun erstmals, wie der Virus Maschinen manipuliert - und geben neue Hinweise auf das Ziel seiner Attacke.

"Virus Bulletin": Die Stuxnet-Konferenz Fotos
SPIEGEL ONLINE

Die Jahreskonferenz des "Virus Bulletin" ist normalerweise das zentrale Ereignis einer Parallelwelt. Diskussionen von Firmen wie MX Tools, Zynamics oder ArcaBit über Rootkits, Botnets und Zero-Day-Exploits sind nicht gerade die Top-Themen des Technologie-Normalos.

Dieses Jahr ist das anders. Seit einigen Wochen rätselt die Welt über einen neuen Supervirus namens Stuxnet. Die Schad-Software enthält gut ein Dutzend Komponenten, die nur Geheimdienste oder besonders versierte Hacker entwickelt haben können - und hat unter anderem die iranische Atomanlage Buschehr infiziert.

Sicherheitsexperten halten Stuxnet für eine Sabotagewaffe. "Es ist das erste Mal, dass wir einen Virus entdecken, der die Kontrollsysteme von systemrelevanter Infrastruktur attackiert", sagt Liam O'Murchu, Sicherheitsexperte bei der Firma Symantec. O'Murchu ist der vielleicht am besten über Stuxnet informierte Virenkiller weltweit. Er beschäftigt sich seit Monaten mit der Software.

O'Murchu ist es auch zu verdanken, dass die "Virus Bulletin"-Konferenz dieses Mal gewaltige Aufmerksamkeit bekommt. Vor einigen Tagen kündigte er an, auf der Veranstaltung umfassende Forschungsergebnisse über Stuxnet präsentieren zu wollen - die Rückschlüsse darauf zulassen, wer hinter den Attacken steckt und was ihr Ziel war.

Auch das US-Verteidigungsministerium ist interessiert

Die Ankündigung sorgte für einigen Wirbel. Auf der Teilnehmerliste der Konferenz finden sich fünf Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums, ein Vertreter der israelischen Regierung und ein Gesandter des US-Rüstungskonzerns Lockheed Martin. Kurz nach O'Murchus Ankündigung hätten sich kurzfristig noch rund ein halbes Dutzend neue Teilnehmer registriert, sagt eine Mitarbeiterin des Veranstaltungsteams. "Einige davon wollten nicht sagen, für wen sie arbeiten und haben bar bezahlt."

Der Aufwand dürfte sich gelohnt haben: Auch wenn O'Murchu weder Opfer noch Täter konkret benannte - seine Forschung über Stuxnet ist deutlich vorangeschritten. Tatsächlich präsentierte er auf der Konferenz im kanadischen Vancouver mehrere neue Erkenntnisse und Spuren. Und er demonstrierte eindrucksvoll, was passiert, wenn ein Schad-Code bis ins Kontrollzentrum einer Industrieanlage vordringt.

Schad-Software lässt Ballons platzen - vielleicht auch Pipelines?

Auf einem Tisch stehen ein Laptop, eine schwarze Kiste und eine elektrische Luftpumpe, an der ein rosa Luftballon befestigt ist. Die Kiste stellt einen sogenannten Programmable Logic Controller (PLC) dar. Ein solches Gerät überwacht zum Beispiel die Schaltzentrale eines Atomreaktors. Es bekommt an verschiedenen Stellen Inputs, etwa über die Temperatur in einem Teil des Reaktors. Über die Outputs kann der PLC die Anlage steuern. Registriert er etwa einen Temperaturanstieg, kann er einen Output aktivieren, der ein Kühlaggregat in Gang setzt.

Auf dem Bildschirm des Laptops ist eine Aktion, die ein PLC ausführen kann, als Computer-Code zu sehen. In einer Zeile des Codes leuchtet die Zahl Drei. O'Murchu exportiert den Befehl, er schreibt ihn in das Betriebssystem der schwarzen Box und schaltet sie an. Die Pumpe bläst den Ballon genau drei Sekunden lang auf.

Dann infiziert O'Murchu den Computer mit einem selbstgeschriebenen Virus. Dieser verändert etwas in einer unsichtbaren Datenbibliothek, auf die der Computer-Code zugreift. Der Code auf dem Bildschirm ist augenscheinlich der gleiche, noch immer leuchtet in einer Zeile die Zahl Drei. Wieder exportiert O'Murchu das Programm in die schwarze Box und schaltet sie an. Dieses Mal bläst die Pumpe so lange Luft heraus, bis der Ballon platzt.

"Jetzt stellen Sie sich vor, dass die schwarze Box eine viel größere Pumpe steuert, die zum Beispiel Öl in eine Pipeline bläst", sagt der Virenexperte.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 69 Beiträge
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1. Lachhaft
kanadasirup 01.10.2010
Das Sommerloch ist tief dieses Jahr. Diese Anti-Virus-Experten hören sich am liebsten selbst reden. Mächtig viel Wirbel um ein bisschen heiße Luft.
2. Englisch und Deutsch.
Markus Heid, 01.10.2010
Zitat von sysopStuxnet ist angeblich die erste Software, die zur Sabotage von Industrieanlagen eingesetzt werden kann. Auf einer Konferenz in Vancouver zeigen Forscher nun erstmals, wie der Virus Maschinen manipuliert - und geben neue Hinweise auf das Ziel seiner Attacke. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,720681,00.html
An den Schreiberling: PLC heißt auf Deutsch SPS und steht für 'Speicherprogrammierbare Steuerung'. Im diesem Feld sind die Deutschen Klassenprimus und es hätte sicherlich gut getan ein wenig Hintergrundrecherche zu betreiben und die geläufige deutsche Bezeichnung zu verwenden.
3. Nix Neues
Falkoholiker 01.10.2010
Ein Programm schreiben was Abläufe in der Bibliothek von Siemens Step7 ändert kann jeder Elektrotechniker. Die Frage ist doch wie konnte es alle Sicherheitsvorkehrungen umgehen und auf die Rechner von Bushehr kommen?
4. hm
gandal 01.10.2010
War nicht gross angekündigt worden , dass sie verraten würden wer das Ding hergestellt hätte
5. Ja, wer war es nur....
Benjowi 01.10.2010
Zitat von gandalWar nicht gross angekündigt worden , dass sie verraten würden wer das Ding hergestellt hätte
Scheint mir mittlerweile sehr eindeutig erkennbar zu sein.....
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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