"WhatsApp"-Prüfung Datenschützer kritisieren Adressbuch-Upload

Eine der beliebtesten Apps überhaupt hat ein Datenschutzproblem: "WhatsApp" greift auf die Adressbücher von Smartphones zu, bemängeln Behörden in Kanada und in den Niederlanden. Nur Apple-Kunden können das mittlerweile umgehen.

"WhatsApp"-Logo: Verschlüsselung nachgerüstet, Adressbuch-Zugriff besteht weiter
dapd

"WhatsApp"-Logo: Verschlüsselung nachgerüstet, Adressbuch-Zugriff besteht weiter


Kanadische und niederländische Behörden haben den Machern der Textnachrichten-Anwendung "WhatsApp" vorgeworfen, gegen Datenschutzbestimmungen zu verstoßen. Die App für Geräte wie Smartphones oder Tablets - eine der fünf beliebtesten der Welt - zwinge die Nutzer, ihr ganzes Adressbuch zugänglich zu machen, hieß es am Montag in einer gemeinsamen Erklärung der Datenschützer.

Dies verletze niederländisches und kanadisches Recht. Nur in der aktuellen Version für iOS könnten die Nutzer Kontakte aus dem Adressbuch einzeln auswählen. Die kalifornischen Hersteller der Software waren für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen, hatten den Behörden aber zugesichert, weiter an der Verbesserung des Datenschutzes zu arbeiten. "WhatsApp" bietet nach dem Kauf der Anwendung eine kostenlose und werbefreie Alternative zu SMS. Die Software läuft auf allen gängigen Smartphones.

Die Untersuchung hatten die beiden Behörden im Januar des vergangenen Jahres offiziell gestartet. Im Laufe der Prüfung hat "WhatsApp" bereits auf Kritik der Datenschützer reagiert. So wurde beispielsweise eine Verschlüsselung der Nachrichten im September 2012 nachgerüstet, was sich die Datenschützer zumindest teilweise auf die Fahnen schreiben.

Geringer "Angriffswinkel"

Abschließend haben die beiden Behörden voneinander unabhängige, auf das jeweilige Landesrecht zugeschnittene Bewertungen vorgelegt. Da "WhatsApp" sich auch an Nutzer in Europa wendet, sah sich die niederländische Behörde zuständig. Letztlich sind die Sanktionsmöglichkeiten allerdings begrenzt, wenn Anbieter keine Büros und Mitarbeiter in der EU unterhalten.

In Deutschland haben die Datenschützer bisher keine offizielle Prüfung von "WhatsApp" durchgeführt. Das könnte auch daran liegen, so ist es jedenfalls zu vernehmen, dass der "Angriffswinkel" bei der US-Firma ohne Niederlassung in Deutschland sehr gering ist, anders als etwa bei Facebook und Google.

Gerne verweisen die Firmen darauf, dass sie ihre Daten in ihrem Heimatland verarbeiten und sich dort strikt an Gesetze halten, die Nutzer würden die Daten ja freiwillig übertragen. So hat ein Gericht in Frankreich gerade das US-Unternehmen Twitter zur Herausgabe von Daten verurteilt - auch hier sind die Sanktionsmöglichkeiten letztlich wohl gering. Spielt das Unternehmen nicht mit, müssten die französischen Richter den Weg über die Amtshilfe von US-Gerichten gehen.

ore/Reuters

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