EU-Kartellverfahren Google-Gegner sträuben sich gegen Kompromissvorschlag

Auf Druck der EU-Wettbewerbshüter will Google seinen Konkurrenten mehr Platz in den Suchergebnissen einräumen. Doch den Wettbewerbern des Konzerns ist das zu wenig. Nimmt die EU-Kommission Googles Vorschläge an, würde das Unternehmen einer Strafe entgehen.

Google-Logo: Der Konzern will in seinen Suchergebnissen mehr Konkurrenzangebote zeigen
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Google-Logo: Der Konzern will in seinen Suchergebnissen mehr Konkurrenzangebote zeigen


Brüssel/Berlin - Den von Microsoft angeführten Google-Rivalen gehen die Zugeständnisse des Internetkonzerns bei der Anzeige von Suchergebnissen nicht weit genug. Das erklärten Vertreter der Organisationen Icomp (Initiative for a Competitive Online Marketplace) und Fairsearch der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Gefördert wird Icomp von Microsoft, dem mit Abstand größten Unternehmen unter den Förderern. Google hatte laut Medienberichten vom Wochenende im Streit um die Behandlung von Konkurrenzangeboten eingelenkt und will künftig mehr Links zu Diensten der Wettbewerber anzeigen sowie Suchergebnisse für eigene Angebote klarer auszeichnen.

Dies wäre zu wenig, betonte Icomp-Vertreter David Wood. Zugleich räumte er ein, dass Icomp die Vorschläge noch nicht im Detail gesehen habe. Jede Lösung müsse einen absolut gleichberechtigten Wettbewerb beinhalten. Auch Fairsearch-Vertreter Thomas Vinje erklärte: "Google muss seine Produkte und Dienste den gleichen Regeln unterwerfen, die für andere gelten." Die Konkurrenten gehen auch gegen die Bündelung von Google-Diensten mit dem Google-Betriebssystem Android für Smartphones und Tablets vor.

Außerdem wenden sie sich gegen den Einsatz von Google-Karten in der Suchmaschine des Konzerns. Die EU-Kommission will in den kommenden Tagen mit sogenannten Markttests zu dem Google-Angebot beginnen, bei denen auch die Rivalen befragt werden. Bei freiwilligen Änderungen würde kein Fehlverhalten von Google festgestellt und die Kommission würde dem US-Konzern keine Strafen aufbürden.

Die Untersuchungen waren vor mehr als zwei Jahren von Google-Konkurrenten wie Microsoft und spezialisierten Suchmaschinen wie dem Reisedienst Expedia angestoßen worden. Sie beklagten sich, Google benachteilige ihre Angebote zugunsten eigener Dienste. Der Internetkonzern konterte stets, man betreibe eine Suchmaschine für die Nutzer und nicht für Konkurrenten. Wenn man derzeit zum Beispiel nach Flügen sucht, zeigt Google gleich unter den bezahlten Werbelinks zunächst Informationen aus dem eigenen Bestand an.

Die US-Kartellwächter sahen kein Fehlverhalten von Google und stellten ihre Ermittlungen Ende vergangenen Jahres ein. Die EU-Kommission dagegen forderte von Google Veränderungen mit Blick auf die dominierende Position bei der Internetsuche mit bis zu 90 Prozent Marktanteil.

mak/dpa



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mwinter 15.04.2013
1. Das Totschlagargument
"Google macht seine Suche für die Nutzer, nicht für die Konkurrenten" Ja klar! Denn Onkel Larry weiß am besten, was für die User gut ist. Ein totalitäreres Argument kann man wirklich nicht mehr bringen. Nach der "Logik" hätte ja auch Microsoft seinen Internet Explorer weiter bündeln können. Wenn Monopolisten ihre Marktmacht nutzen, um andere Märkte zu übernehmen und kaputtzumachen, dann ist das weder im Interesse des Nutzers noch der Gesellschaft. Es ist kriminell.
KeeperNr1 15.04.2013
2. Warum?
Warum sollte Google bei seiner EIGENEN Suchmaschine die Konkurrenz berücksichtigen? Und für das Verbot von der Verknüpfung von Google Diensten bei dem eigenen Betriebssystem habe ich kein Verständnis.
wll 15.04.2013
3. Kein Titel
Microsoft fordert freien, fairen Wettbewerb und geht gegen die Bündelung von Google-Diensten mit anderen Angeboten des Konzerns vor. Ist das nicht zum Brüllen komisch? Ausgerechnet Microsoft, dessen Geschäftsgebaren aus genau den gleichen Gründen, die sie jetzt Google vorwerfen, jahrzehntelang Gerichte und die EU-Kommision beschäftigt hat - das ist Realsatire vom Allerfeinsten...
der_durden 15.04.2013
4.
Zitat von sysopDPAAuf Druck der EU-Wettbewerbshüter will Google seinen Konkurrenten mehr Platz in den Suchergebnissen einräumen. Doch den Wettbewerbern des Konzerns ist das zu wenig. Nimmt die EU-Kommission Googles Vorschläge an, würde das Unternehmen einer Strafe entgehen. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/kartellverfahren-google-rivalen-fordern-hartes-durchgreifen-von-eu-a-894345.html
Damit ich das richtig verstehe: Google entwickelt ein Betriebssystem, welches Google frei zur Verfügung stellt, auch im gewerblichen Kontext. Dennoch verlangt man von Google, dass es in diesem OS nicht seine eigenen Dienste bündeln darf? Ebenso die Suche: Ja, ich bin dafür, dass der Wettbewerb, so er Relevanz hat, fair gelistet wird. Aber Google sollte es doch wohl erlaubt sein, seine eigenen Dienste oben anzuzeigen? Das ist doch eine Farce? Dann soll die EU Google doch verstaatlichen. Sorry, aber warum sollte Google seine eigenen, freien Dienste in seiner eigenen freien Suchmaschine nicht bevorteilen dürfen?
NeueGedanken 15.04.2013
5. Tja wenn man es nicht schafft
bessere Produkte als Google zu entwickeln um die Benutzer so zu ködern muss man halt vor Gericht ziehen. Es zahlt sich halt aus der beliebteste Arbeitgeber zu sein, dann kommen auch die Leute mit guten Ideen wollen für einen arbeiten. Darüber sollten die Kläger mla nachdenken.
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