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Debatte um Kinderpornografie: Piratenpartei-Gründer entsetzt eigene Leute

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Der Besitz von Kinderpornografie soll Redefreiheit sein - mit dieser Idee hat der Gründer der schwedischen Piratenpartei und der internationalen Piratenbewegung Rick Falkvinge harsche Kritik auf sich gezogen.

Rickard Falkvinge (Archivbild): Naive Gleichschaltung aller Informationen Zur Großansicht
picture alliance / dpa

Rickard Falkvinge (Archivbild): Naive Gleichschaltung aller Informationen

Hamburg - In einem Blogeintrag "Drei Gründe, warum der Besitz von Kinderpornos im nächsten Jahrzehnt wieder legalisiert werden muss" führt der Gründer der schwedischen Piratenpartei Rick Falkvinge am Sonntag technische, entwicklungspsychologische und soziale Gründe an: In einer technologisierten und durchmedialisierten Welt sei die versehentliche, "unschuldige" Aufzeichnung von kinderpornografischen Werken der Normalfall, ein Verbot führte in die Zensur, brächte nur Unsicherheit und würde letztlich die Aufklärung von "echten" Sexualstraftaten erschweren.

Mit der Diskussion um Kinderpornografie stehe nichts anderes als die Redefreiheit auf dem Spiel: "Der Krieg um die Redefreiheit wird mit der Schlacht um die Kinderpornos entschieden."

Falkvinges Thesen zeugen von einer naiven Gleichsetzung jeglicher Information und setzen diese allgemein als unbedingt schützenswertes Gut, losgelöst von jeder sozialen Bedeutung und Einordnung. Die Vorwürfe der Instrumentalisierung der Kinderpornografie-Problematik fallen auf ihn zurück, da er ihr Erregungspotential für sich selbst benutzt. Zudem verkennt Falkvinge die soziale und psychologische Dimension kinderpornografischer Darstellungen, in dem er sie mit anderen problematischen Aufnahmen vergleicht, etwa der von Morden. Die dürften ja auch gezeigt werden, argumentiert er.

Falkvinge sagt nicht, dass er Kinderpornografie legalisieren will - aber auch so einen Wunsch könnte seine Argumentation begründen. Es ist vor allem diese naive, technische, libertäre Argumentation, die Falkvinge in die Kritik brachte. So ruft ihm Klaus Peukert, Mitglied im Bundesvorstand der deutschen Piratenpartei auf Twitter zu: "Gründe doch eine eigene Partei, die so einen Scheiß mag." Die Jungen Piraten (JuPi) formulieren derzeit eine gemeinsame Pressemitteilung, bei Twitter und in deutschen Piraten- und Netzaktivistenblogs entstanden Dutzende Einlassungen zum Thema "Falkvingegate".

Auch in den internationalen Blogs und Kommentarspalten verläuft die Diskussion grundsätzlich: Bei Hacker News, einem beliebten Entwicklerforum, werden Marktformen und technische Argumente verglichen. Bei Slashdot wird über die Zurechnungsfähigkeit und die naiven Grundannahmen eines informationellen Libertinismus diskutiert.

Was nach all dem Wirbel bleiben wird: Vielleicht ja eine neue Debatte über Verantwortung im Informationszeitalter. Nur weil es Maschinen sind, die Daten übertragen, kann man an sie nicht die Verantwortung übertragen. Was Menschen tun, müssen Menschen verantworten. Nicht nur die Partei der selbsternannten Erstbewohner der digitalen Sphäre dürfte diese Lektion nötig haben.

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Zum Autor
  • Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.


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