Kinderpornografie BKA lässt mehr deutsche Seiten löschen

Mehr als 2700 Websites mit kinderpornografischem Inhalt wurden dem Bundeskriminalamt 2014 gemeldet - über 1100 davon lagen auf deutschen Servern.


Das Bundeskriminalamt hat die Löschung von mehr deutschen Websites und weniger ausländischen Seiten veranlasst als im Vorjahr. 2014 wurden 1146 Seiten, die hierzulande registriert waren, aus dem Netz entfernt, 2013 waren es 781.

Insgesamt leitete das BKA 2747 Hinweise zu kinderpornografischem Material weiter - die anderen Fälle betreffen Seiten im Ausland. Das zeigt der Bericht der Bundesregierung zur Löschung von Kinderpornografie im Netz, der am Mittwoch veröffentlicht wurde (hier als PDF).

Strafbare Inhalte, die im deutschen Netz auftauchen, werden demnach schnell gelöscht. 77 Prozent der gemeldeten Seiten waren laut dem Bericht nach zwei Tagen gelöscht, nach zwei Wochen waren alle Inhalte entfernt.

Die Bundesregierung meldet die Zahlen seit 2013 jährlich dem Bundestag. Sie betont, dass der Ansatz "Löschen statt Sperren", der seit vier Jahren verfolgt wird, funktioniere. Das Konzept habe sich als wirkungsvoll erwiesen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Der Anstieg bei den Meldungen deutscher Seiten ist unter anderem auf einen Sammelhinweis zurückzuführen, den die Internet-Beschwerdestelle der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter entgegengenommen hatte. Womöglich spielte auch die öffentliche Debatte des vergangenen Jahres um den ehemaligen SPD-Abgeordneten Sebastian Edathy eine Rolle.

43 Prozent der ausländischen Seiten aus den USA

Werden der Polizei Websites gemeldet, leitet sie die Informationen ans BKA weiter - unabhängig davon, ob die Server der Seiten im Inland oder Ausland stehen. Im Ausland dauert die Löschung länger, weil dort die jeweiligen Behörden informiert werden müssen, die die Fälle dann prüfen. Die Zahl der ins Ausland gemeldeten Webseiten nahm 2014 ab - es wurden 1601 Internetadressen gemeldet, im Vorjahr waren es noch 3504 URLs.

Die mit Abstand meisten betroffenen Server stehen in den USA - 690 Seiten wurden gemeldet, das sind 43 Prozent der gemeldeten Auslandsseiten. Es folgen die Seiten aus den Niederlanden (272), Frankreich (155), Russland (139) und Kanada (83). Woran der Rückgang der Zahlen liegt, beantwortet der Bericht nicht abschließend.

Ein Problem für die Strafverfolger ist, dass ein Großteil der kinderpornografischen Inhalte in das sogenannte Darknet abgewandert ist, was die Lokalisierung von Inhalten sehr schwierig macht.

Andererseits verbessern sich die technischen Möglichkeiten. So nutzen deutsche Meldestellen mittlerweile eine Datenbank, die bereits bekannte Darstellungen von Missbrauch auf Bildern und Videos automatisch erkennt.

Auch die große Tech-Konzerne Google, Microsoft, Yahoo, Facebook und Twitter haben ihr System zum Erkennen von Kinderpornografie verbessert - seit Kurzem nutzen sie eine neue gemeinsame Datenbank.

fab/dpa

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