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E-Mail: Deutsche Anbieter ohne Kinderpornografie-Scanner

Logo der Deutschen Telekom: Keine automatische Suche nach Kinderpornografie Zur Großansicht
DPA

Logo der Deutschen Telekom: Keine automatische Suche nach Kinderpornografie

Neben Google scannt auch Microsoft die E-Mails und Cloud-Speicher seiner Nutzer auf Bilder von Kindesmissbrauch. Bei deutschen Anbietern sieht das anders aus: Die Marktführer Telekom, GMX und Web.de nutzen solche Software nach eigenen Angaben nicht.

Im Kampf gegen Missbrauchsfotos von Kindern durchforsten große amerikanische Internetunternehmen Inhalte ihrer Nutzer - das zeigen zwei Festnahmen, die auf Basis von Hinweisen durch Google und Microsoft zustande kamen. Auch Facebook lässt Fotos automatisch von einer Software scannen, die bekannte Kinderporno-Bilder aufspüren soll. Die deutschen E-Mail-Dienste GMX, Web.de und die Deutsche Telekom tun dies nicht.

"Wir scannen keine E-Mails auf illegale Inhalte", sagt ein Telekom-Sprecher. "Es gibt dafür auch keine gesetzliche Grundlage." Ähnlich sieht man es bei GMX und Web.de, die beide zu United Internet gehören. "Eine inhaltliche Überwachung der E-Mails halten wir nicht für vereinbar mit deutschem Datenschutz", sagt ein Sprecher. E-Mails würden lediglich auf Viren und Spam geprüft.

Die amerikanischen Internetunternehmen setzen teilweise seit Jahren Software ein, die kinderpornografische Bilder erkennen soll. Verdächtige Nutzer melden die Unternehmen an eine zentrale Stelle zum Schutz missbrauchter Kinder in den USA, das National Center for Missing and Exploited Children. Der Polizei liefert das wichtige Hinweise auf mögliche Besitzer der Fotos. Bis die Festnahmen in den USA Schlagzeilen machten, war vor allem bekannt, dass die großen E-Mail-Dienste automatisch Spam und Schadsoftware aussortieren.

Software-Einsatz angeblich vom Gesetz gedeckt

Die US-Unternehmen berufen sich bei Einsatz der Software auf Gesetze und ihre AGBs. "Kinderpornografie verstößt gegen das Gesetz und unsere Nutzungsbedingungen", erklärte Microsoft. In den US-Nutzungsbedingungen heißt es: "Wir setzen automatisierte Technologien ein, um Kinderpornografie oder missbräuchliches Verhalten aufzuspüren, das unseren Systemen, unseren Kunden oder anderen schaden könnte."

Die britische BBC hatte am Mittwoch berichtet, dass ein Tipp von Microsoft im US-Bundesstaat Pennsylvania dazu führte, dass ein Verdächtiger festgenommen wurde. Auf dem OneDrive-Online-Speicherkonto des Mannes sei ein einschlägiges Foto gefunden worden. Der Mann soll auch versucht haben, zwei illegale Fotos per E-Mail über einen Microsoft-Dienst zu verschicken.

Ein Google-Sprecher hatte bereits Dienstag bestätigt, dass das Unternehmen ein technisches System einsetzt, um bei Gmail nach Bildern zu suchen, die Kindesmissbrauch zeigen. Nach Hinweisen auf andere Verbrechen - wie zum Beispiel nach der Verabredung zu einem Einbruch - suche Google dagegen nicht, betonte der Sprecher.

mbö/dpa

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1. Ja toll.
misscecily 07.08.2014
Da sind wir natürlich alle stolz und froh. So ein tolles Land- freie Kinderpornografie für alle.
2.
notty 07.08.2014
Zitat von sysopDPANeben Google scannt auch Microsoft die E-Mails und Cloud-Speicher seiner Nutzer auf Bilder von Kindesmissbrauch. Bei deutschen Anbietern sieht das anders aus: Die Markführer Telekom, GMX und Web.de nutzen solche Software nach eigenen Angaben nicht. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/kinderpornografie-deutsche-e-mail-dienste-suchen-nicht-im-postfach-a-985046.html
Jeder der glaubt, dass die amerikanischen Anbieter NUR in Richtung Kinderpornographie scannen, ist naiv. Diese Anbieter arbeiten ALLE dem amerikanischen Geheimdienst zu....whatever they can grab....
3. Heuchelei
akkulader 07.08.2014
Wie es immer verkauft wird: Als ob die nur nach CP scannen würden...
4. Ja, toll
Humboldt 07.08.2014
denn wer Totalüberwachung im Schutze von "Kampf gegen Kindesmissbrauch" fordert, ist ziemlich perfide!
5. Wunsch nach mehr Überwachung
atech 07.08.2014
Der Wunsch des Staates nach mehr Überwachung wird immer mit der angeblich erforderlichen Gefahrenabwehr begründet: e-Mails sollen durchleuchtet werden, weil es User geben könnte, die Kinderprornographie herstellen, tauschen und versenden oder weil Terroristen ihre Anschlagspläne per e-mail diskutieren könnten oder weil die Mafia... Seltsamerweise kann der Staat oder die Polizei, ja selbst der Geheimdienst gar nichts für den Bürger tun, wenn angeblich oder tatsächlich im großen Stil Passwörter und andere Daten von Hackern gestolen wurden. Und wenn Betrüger und Verbrecher mit diesen Bürgerdaten dann alles mögliche anstellen. Da hätte ich als gesetzestreuer Bürger folgenden Wunsch an den Staat: macht erst einmal die Verbrecher, die im Netz unterwegs sind und deren Untaten auch der brave Bürger gerne meldet ("hallo, ich bekomme SpamMails an meine private e-mail-Adresse, die außer mir und meiner Familie niemand kennen sollte, da ich nicht auf Facebook bin, und zwar von folgenden mysteriösen Absendern: x-y-z") dingfest und bringt sie vor Gericht. Danach können wir uns gerne wieder über anlaßlose Vorratsdatenspeicherung und Kinderpornographie-Scanner unterhalten. Mit richterlichem Beschluß ist Überwachung übrigens heute schon möglich. Nur dazu braucht es einen Anfangsverdacht. Und den woher nehmen wenn nicht stehlen...
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