Umstrittenes Filmportal Landgericht Leipzig verurteilt Kinox.to-Drahtzieher zu Freiheitsstrafe

Ein Mitbetreiber von Kinox.to muss wohl ins Gefängnis: Das Landgericht Leipzig verurteilte Arvit O. zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Das umstrittene Portal ist weiter online.

Videoportal Kinox.to: Links zu illegal hochgeladenen Filmen und Serienepisoden

Videoportal Kinox.to: Links zu illegal hochgeladenen Filmen und Serienepisoden


Im ersten Prozess rund um das Onlineportal Kinox.to ist am Montag ein Urteil gesprochen worden: Das Landgericht Leipzig verurteilte den Angeklagten Arvit O. zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Der 29-Jährige und ein weiterer Verdächtiger waren im Herbst 2014 festgenommen worden.

Kinox.to verlinkt seit Jahren in großem Umfang auf illegale Kopien von aktuellen Kinofilmen und Serien. Es ist ein Nachfolgeportal des 2011 aufgeflogenen und abgeschalteten Kino.to. Letzteres war von Leipzig aus gegründet und betrieben worden.

Nach Auskunft des Leipziger Landgerichts sind verschiedene Taten in das Urteil eingeflossen: Verurteilt wurde O. demnach wegen Beihilfe zur gewerbsmäßigen unerlaubten Verwertung von urheberrechtlich geschützten Werken in 606 Fällen und wegen gewerbsmäßiger unerlaubter Verwertung von urheberrechtlich geschützten Werken in 2284 Fällen. Die 606 Fälle beziehen sich dem Gericht zufolge auf O.s Mithilfe bei Kino.to, die 2284 auf Kinox.to. Hinzu kommen noch Computersabotage, Beihilfe zur Computersabotage sowie Nötigung in zwei Fällen.

Eine Entscheidung in dem Prozess war eigentlich erst für 2016 erwartet worden. Ein Gerichtssprecher sagte am Dienstag, das Urteil sei auf der Grundlage einer Verständigung gefallen. Der 29-Jährige habe im Prozess ein Geständnis abgelegt. Im Gegenzug wurde ihm ein bestimmter Strafrahmen in Aussicht gestellt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, ein Haftbefehl gegen O. wurde außer Kraft gesetzt.

Während in Leipzig über Straftaten rund um Kinox.to geurteilt wird, steht die Seite noch immer online. Per Haftbefehl weiter gesucht werden die Brüder Kastriot und Kreshnik S., die laut der Polizei Sachsen im dringenden Tatverdacht stehen, "Gründer und Rädelsführer einer kriminellen Vereinigung im Zusammenhang mit dem Betreiben des Raubkopienportals Kinox.to" zu sein. Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) schreibt in einer Pressemitteilung, O. habe sich im Verfahren nicht zu den Brüdern geäußert.

mbö/dpa



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Seite 1
schicktsdich? 15.12.2015
1. Wen juckts?
Herzlichen. Wenn das der große Fang gewesen sein soll dann kann man der Staatsanwaltschaft bzw. der GVU nur Gratulieren (nicht). Solange Nutzer dafür nicht bestraft werden scheint eine Verfolgung der Betrieber nutzloser zu sein als ein Bauarbeiter auf dem BER.
Alias Alias 15.12.2015
2. Sie werden es immer wieder tun.
Beide Seiten. Es ist längst an der Zeit, sich völlig neue und zeitgemäße Konzepte zu überlegen, wie man Urheberrechte geltend macht. Der aktuell eingeschlagene Weg ist dem Einfallsreichtum unserer Spezies nicht würdig.
YlfaNiki 15.12.2015
3. Bgh
Anfechten! Das Verlinken wird wohl kaum die Tatbestandsmerkmale wirklich erfüllen, sodass das Urteil aufgehoben werden könnte.
Freifrau von Hase 15.12.2015
4.
"scheint eine Verfolgung der Betrieber nutzloser zu sein" Hmm, denke schon, dass die Aussicht auf 3 Jahre Knast so manchen Möchtegern-Portalbetreiber abschreckt. Die Nutzer selbst kann man nach geltender Rechtslage nicht bestrafen, weil Streaming (anders als der Download aus offensichtlich illegalen Quellen) nicht verboten ist.
kettensprenger 15.12.2015
5. Klassenjustiz
Diese Woche berichtete der Spiegel über Banker, die durch Betrug Schäden in Höhe von rd. 10 Milliarden (!!!) Euro verursachten. Bin gespannt, ob die auch Haftstrafen erhalten. Oder gilt weiterhin die Klassenjustiz?
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