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Streaming-Portale: Polizei schreibt mutmaßliche Kinox.to-Gründer zur Fahndung aus

Kreshnik (l.) und Kastriot Selimi: Internationaler Haftbefehl wegen Kinox.to Zur Großansicht
Polizei Sachsen

Kreshnik (l.) und Kastriot Selimi: Internationaler Haftbefehl wegen Kinox.to

Bislang war nur von zwei Flüchtigen die Rede, jetzt fahndet die Polizei offiziell nach den mutmaßlichen Gründern der illegalen Streaming-Plattform Kinox.to. Die beiden werden als gewaltbereit eingestuft.

Kinox.to ist eine Plattform, die sich eng an das vor Jahren geschlossene Kino.to anlehnt: Die Nutzer können sich dort illegale Kopien aktueller Filme im Stream ansehen, die Filme selbst liegen auf den Servern sogenannter Filehoster. Geld verdient wird mit Werbung. Der Polizei Sachsen zufolge stehen nun die Brüder Kastriot S., 25 und Kreshnik S., 21, im dringenden Tatverdacht, "Gründer und Rädelsführer einer kriminellen Vereinigung im Zusammenhang mit dem Betreiben des Raubkopienportals Kinox.to" und weiterer mit illegalen Aktivitäten verknüpften Internetplattformen zu sein. Dazu gehören auch die Filehoster freakshare.com und bitshare.com.

Den Brüdern werden diverse Straftaten vorgeworfen, darunter räuberische Erpressung, Nötigung, Brandstiftung, Urheberrechtsverletzung und Steuerhinterziehung. Nach Informationen des SPIEGEL waren die Opfer der Brandstiftung und der Erpressung ehemalige oder sogar gegenwärtige Geschäftspartner der beiden Brüder.

Dem Fahndungsaufruf zufolge stehen die Brüder S. außerdem im dringenden Tatverdacht, mit Unterstützung weiterer Beschuldigter auch das Streaming-Portal movie4k.to betrieben zu haben, außerdem Portale wie mygully.com und boerse.sx sowie die Filehoster stream4k.to und shared.sx zu betreiben. All diese Plattformen bringt die Staatsanwaltschaft mit massenhaften Urheberrechtsverletzungen in Zusammenhang.

Plattform Kinox.to: Links zu illegalen Filmkopien Zur Großansicht

Plattform Kinox.to: Links zu illegalen Filmkopien

Der Fahndungsausschreibung zufolge werden die beiden mit internationalem Haftbefehl gesucht und "als gewaltbereit eingestuft". Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die beiden im Besitz von Schusswaffen seien.

Kastriot S. ist im Kosovo geboren, Kreshnik S. in Schweden. Beide lebten zuletzt aber in einem Ort nahe Lübeck. Nach ihrer Flucht erschien auf der Kinox.to-Seite eine kurze Nachricht, in der die an der Aktion gegen die Plattformen beteiligte Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) verhöhnt wurde: "Ihr macht euch laecherlicher als ihr seid." Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Flüchtigen noch immer im Besitz der Zugangsdaten zu den jeweiligen Plattformen sind.

Sächsische Ermittler hatten vorige Woche im Auftrag der Generalstaatsanwaltschaft Dresden in einer groß angelegten Razzia die Betreiber von Kinox.to aufzuspüren versucht (der SPIEGEL berichtete).

Eine Spezialeinheit stürmte ein Wohnhaus in einem Ort nahe Lübeck, in dem die beiden Brüder bei ihren Eltern leben. Zwei weitere Haftbefehle gegen führende Köpfe wurden im Raum Neuss und in Düsseldorf vollstreckt.

Insgesamt durchsuchten Fahnder sechs Wohn- und Geschäftsräume in vier Bundesländern. Bei einem Zahlungsdienstleister in Berlin seien "Vermögenswerte sichergestellt" worden, so der Dresdner Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein. Nach den Brüdern werde nun "europaweit gefahndet".

Die mutmaßlichen Kinox.to-Betreiber unterhielten offenbar bereits Kontakte zu den Machern des Vorläufers Kino.to, die teils zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden.

cis/mbe

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 130 Beiträge
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1.
THINK 30.10.2014
Statt das hoffnungslos überholte Urheberrecht an die neuen, durch das Internet geschaffenen Gegebenheiten anzupassen, werden hier zwei talentierte aktive junge Männer zu Schwerkriminellen gemacht. Verhältnismäßigkeit sieht m.E. anders aus.
2.
ffkgmr 30.10.2014
Na Hauptsache wir haben keine anderen Probleme. Es ist immer wieder interessant zu beobachten, mit welcher Härte gegen (angeblichen) Urheberrechtsbruch vorgegangen wird, aber Salafisten und andere bescheuerte Religionsgemeinschaften ihre perverse Weltansicht öffentlich verbreiten dürfen.
3. Talentierte junge Männer
freeusa 30.10.2014
Ich sehe die Kerle eher als Verbrecher und nicht als Talente
4.
Justitia 30.10.2014
Über solche Kommentare kann man nur noch den Kopf schütteln. Da werden nicht zwei junge Männer zu Schwerkriminellen gemacht, die haben sich vielmehr durch ihre Taten selbst dazu gemacht.
5.
sarkasmis 30.10.2014
1999 hat die Nato inklusive Deutschland den Genozid an den Kosovaren gestoppt. Daneben hat Deutschland eine Menge kosovarischer Flüchtlinge aufgenommen. Dankbarkeit scheinen manche dieser Flüchtlinge und ihre Nachkommen aber nicht zu empfinden. - Frankfurt steht ein Kosovare als IS-Rückkehrer vor dem OLG - Labinot S. meinte nahe Hannover einen Rentner ausrauben zu müssen. - Nun die beide Raubkopierer, die es auch sonst faustig hinter den Ohren haben. Keine gute Tat bleibt ungestraft, lieber SpON-Zensor.
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