Kommunikationskultur: Beherrsche dich, Nutzer!

2. Teil: Nettiquette extrem - die Knigge-Empfehlungen

Wut: Keine gute Gemütslage, um im Web Dinge zu veröffentlichen, die dort ewig stehen Zur Großansicht
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Wut: Keine gute Gemütslage, um im Web Dinge zu veröffentlichen, die dort ewig stehen

Knigge-Rat: "Stilvolle Kontaktpflege durch soziale Medien"
1. Wählen Sie Ihre favorisierten Netzwerke sorgsam aus
"Überlegen Sie kritisch, welche Netzwerke für Sie geeignet sind. Kriterien sind Kosten, Datenschutzbestimmungen, Popularität und Image des Netzwerks, Funktionen und Angebote sowie Ihr persönlicher Nutzen durch den Beitritt. Entscheidend ist, ob Sie die Plattform beruflich oder privat nutzen möchten. Vermeiden Sie eine Mischung aus beiden Bereichen und die Freigabe allzu vertraulicher Informationen."

Quelle: Knigge-Rat 2010

2. Bleiben Sie authentisch
"Bauen Sie keine fiktive Identität auf. Nicht nur Freunde, auch potentielle Geschäftspartner und Arbeitgeber recherchieren im Internet. Ihre Glaubwürdigkeit und Reputation leiden, wenn das Gesamtbild nicht stimmig ist. Hilfreich ist es zum Beispiel, wenn Sie in allen Netzwerken das gleiche Foto verwenden.

Quelle: Knigge-Rat 2010

3. Meiden Sie plumpe Vertraulichkeiten
"Überlegen Sie sich vorab, welche Kontakte Sie über welches Netzwerk pflegen möchten. Ihre Kunden sind nicht unbedingt Ihre 'Freunde' und empfinden diese Bezeichnung vielleicht als unpassend oder zu intim. Prüfen Sie außerdem Ihre individuellen Sicherheitseinstellungen sorgfältig. Manch ein Nutzer ist verwundert, dass seine Party- und Bikinifotos vom letzten Urlaub ungeschützt und für jeden zugänglich sind."

Quelle: Knigge-Rat 2010

4. Lehnen Sie unerwünschte Anfragen ab
"Haben Sie keine Scheu davor, unerwünschte Kontaktanfragen abzulehnen. Eine taktvolle Rückmeldung, dass Sie nur persönlich bekannte Personen als Freunde bestätigen, vermeidet Missverständnisse und gehört zum guten Ton. Vorsicht ist insbesondere vor jenen geboten, die virtuelle Kontakte wie Trophäen sammeln. Dies ist kein Zeichen von Qualität sondern eher für Oberflächlichkeit und Geltungssucht."

Quelle: Knigge-Rat 2010

5. Belästigen Sie Ihre Kontakte nicht
"Belästigen Sie Ihre 'Freunde' nicht mit nervenden Spielen und Anwendungen. Wenn Sie Ihre Kommunikation nur auf spielerische Anfragen beschränken, werden Sie schnell ignoriert."

Quelle: Knigge-Rat 2010

6. Bleiben Sie freundlich
"Wahren Sie die Formen der Höflichkeit. Auch wenn alle Netzwerk-Partner als 'Freunde' angezeigt werden, kommt ein unvermitteltes Duzen zwischen Geschäftspartnern nicht stilvoll an. Eine korrekte Anrede und ein höflicher Abschiedsgruß gehören bei Kontaktanfragen dazu und steigern Ihre Chancen, akzeptiert zu werden."

Quelle: Knigge-Rat 2010

7. Reagieren Sie humorvoll
"Löschen Sie keine unbequemen Einträge von Ihrer Pinnwand, denn Zensuren sind den meisten Menschen suspekt. Reagieren Sie humorvoll statt verbissen. Entscheidend ist nicht der Eintrag, sondern Ihre Reaktion."

Quelle: Knigge-Rat 2010

8. Halten Sie den Dialog lebendig
"Überprüfen Sie regelmäßig Ihre Nachrichten und kommunizieren Sie mindestens einmal pro Woche mit Ihren Netzwerk-Partnern. Nur wenn Sie direkt auf Einträge reagieren, bleibt der Dialog lebendig."

Quelle: Knigge-Rat 2010

9. Behalten Sie den Weitblick
"Überlegen Sie vor jedem Eintrag, ob er auch später noch gut für Ihre Reputation ist. Das Internet vergisst nie. Stellen Sie sich die Frage: Möchte ich, dass meine Meldung auch in zwei Jahren gefunden und gelesen werden kann? Achten Sie auf Ihre 'innere Stimme' und löschen Sie lieber direkt impulsive Einträge, die Ihnen selbst oder anderen schaden könnten. Bedenken Sie, dass etliche Firmen die Netzwerk-Einträge potentieller Bewerber prüfen."

Quelle: Knigge-Rat 2010

10. Schließen Sie Trolle aus
"Lassen Sie sich nicht von unangenehmen Zeitgenossen zu unüberlegten Reaktionen verleiten. Die sogenannten 'Trolle' sind nicht am eigentlichen Thema interessiert, sondern wollen nur Menschen in Misskredit bringen oder Diskussionen sabotieren. Blockieren Sie diese Personen in ihrer Kontaktliste."

Quelle: Knigge-Rat 2010

11. Zusatzregel für das Geschäftsleben: Geben Sie Empfehlungen
"Nutzen Sie Ihr Netzwerk, um kurz über interessante Filme, Bücher oder Produkte zu schreiben. Wie im realen Leben dürfen Sie zwischendurch auch mal auf eigene Projekte hinweisen. Die Abwechslung ist entscheidend."

Quelle: Knigge-Rat 2010

12. Zusatzregel für das Geschäftsleben: Aufdringliche Werbung ist tabu
"Belasten Sie 'Freundschaften' nicht mit aggressiver Werbung. Wenn Sie nur verkaufen wollen, werden Sie schnell ignoriert. Denken Sie langfristig und vermeiden Sie es, als 'nervender Nachbar' ausgegrenzt zu werden."

Quelle: Knigge-Rat 2010

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insgesamt 145 Beiträge
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1. ...
kästchen 17.08.2011
Wahrscheinlich wird der ganze Thread hier ein gutes Beispiel dafür werden, wie sehr der Autor des Artikels recht hat ...
2. Guter Artikel, gute, einfache Regeln
Ty Coon, 17.08.2011
Ein sehr guter Artikel, den ich vollends unterschreiben kann. Ich gebe es zu, ich habe mich selbst viel zu oft zu verbalen Entgleisungen verleiten lassen. Ich gelobe immer wieder Besserung und entschuldige mich dann in der Regel auch, wenn mir eine Beleidigung hinterher leid tut. So bin ich zum Beispiel nicht immer mit der Moderation besonders fair umgegangen, das weiß ich. Auch hier gab es schon verschiedentlich Entschuldigungen, die, wie ich hoffe, dann auch angekommen sind. Um beim Beispiel "SPON" zu bleiben: ich habe mich immer für eine Moderation ausgesprochen. Sie ist wahrscheinlich rechtlich notwendig, aber auch ohne Gesetz dringend geboten. Ich möchte nicht wissen, was man hier sonst noch so alles zu lesen bekäme. Ein letzter Kritikpunkt: Die Mod. von "SPON" schießt meines Erachtens immer dann über das Ziel hinaus, wenn sie freundliche und sachliche Beiträge aus unerfindlichen Gründen in den virtuellen Orkus marschieren läßt -- wie in meinem Fall auch heute wieder mehrfach geschehen. Aber ich habe es mir inzwischen abgewöhnt, mich darüber aufzuregen. Ich bin hier eben nur Gast und muß das essen, was auf den Tisch kommt. Ich bin übrigens sehr gegen eine Klarnamenpflicht. Denn wer private Probleme zur Sprache bringt, der ist auf Pseudonyme angewiesen. Eine Klarnamenpflicht würde Benachteiligte und Minderheiten wahrscheinlich ganz zum Schweigen bringen.
3. Wo ist das Problem
HBRSS 17.08.2011
Zitat von sysopDie Politik ruft wieder einmal nach einem Klarnamenzwang im Internet. In der Community weckt das Empörung, doch die Argumente liefern die Netz-Nutzer oft selbst - mit einer erbarmungswürdigen Kommunikationskultur. Das Web braucht unsere Selbstbeherrschung, findet Frank Patalong. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,779707,00.html
Erbarmungswürdige Kommunikation wird einfach ignoriert. Wer wird denn gezwungen, den Mist zu lesen?
4. Klarnamen
ratxi 17.08.2011
Zitat von kästchenWahrscheinlich wird der ganze Thread hier ein gutes Beispiel dafür werden, wie sehr der Autor des Artikels recht hat ...
Vielleicht aber auch das Gegenteil, wer weiss. Mal gut, dass wenigstens wir mit unserem Klarnamen schreiben... ;)
5. ...
M. Michaelis 17.08.2011
Zitat von sysopDie Politik ruft wieder einmal nach einem Klarnamenzwang im Internet. In der Community weckt das Empörung, doch die Argumente liefern die Netz-Nutzer oft selbst - mit einer erbarmungswürdigen Kommunikationskultur. Das Web braucht unsere Selbstbeherrschung, findet Frank Patalong. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,779707,00.html
Generell gelten auch im Netz die Regeln der Höflichkeit. Dennoch ist das Netz die letze Bastion der Meinungsfreiheit. Die sollte ein so hohes Gut sein, dass man ihretwillen auch Entgleisungen ertragen muss. Es geht wohlgemerkt nicht um persönliche Beleidigungen die sich in sich selbst erschöpfen und nur dazu dienen einen anderen persönlich zu treffen und eine individuelle persönliche Abneigung zum Ausdruck bringen. Der Klarnamenzwang jedoch führt zwangsläufig zu einer Beschränkung der Meinungsfreiheit, denn er eröffnet die Möglichkeit die hinter einer Meinung stehende Person zu "bestrafen".
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