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Kritik an Facebook: Aigner legt nach

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner erntet für ihren Angriff auf Facebook Kritik. Aufgrund von Datenschutzbedenken drohte sie mit dem Austritt aus dem Social Network. Dies stuft der Chaos Computer Club als Armutszeugnis ein. Nun erhöht Aigner den Druck.

Facebook: Eines der sozialen Netzwerke, in dem so mancher User vergisst, wie viele Daten er der Öffentlichkeit eigentlich preisgibt. Zur Großansicht
AFP

Facebook: Eines der sozialen Netzwerke, in dem so mancher User vergisst, wie viele Daten er der Öffentlichkeit eigentlich preisgibt.

Berlin - "Ilse teilt nur einige ihrer Profilinformationen mit allen." So heißt es auf der Facebook-Seite von Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). Jugendliche warnt sie davor, zu viel von sich im Internet preiszugeben - zum Beispiel in sozialen Netzwerken wie Facebook. Die 45-Jährige hat zwar Fotos von sich selbst ins Netz gestellt, allerdings sind es solche von Wahlkampfauftritten oder Besuchen im Wahlkreis. Private Bilder: Fehlanzeige. Auf ihrem Profil findet sich auch der Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg, dem sie mit dem Ende ihrer Mitgliedschaft droht. Privates müsse privat bleiben, schreibt Aigner.

Die Bundesverbraucherministerin hatte Facebook mit einer Kündigung ihrer Mitgliedschaft gedroht, falls Daten der Nutzer künftig an Firmen weitergegeben werden können, ohne dass die Betroffenen eingewilligt haben.

Der Chaos Computer Club (CCC) hält soziale Netzwerke für "Kraken", die Daten von Nutzern sammeln. "Internet ist Internet, es gibt da keine Begrenzung", sagt CCC-Sprecher Frank Rosengart. Die Drohung von Aigner halten die Experten für ein Armutszeugnis, weil die wirtschaftlichen Absichten der Netzwerke doch offensichtlich seien. "Die Politik kann vielleicht mit Wattebällchen werfen oder den Finger heben. Das interessiert Facebook nicht am geringsten."

Die Politik hat nach Ansicht der Internetexperten des Chaos Computer Clubs aber kaum Möglichkeiten, die Praxis zu ändern. "Die Facebook-Nutzer haben mit dem amerikanischen Unternehmen eine Nutzungsvereinbarung", sagte Rosengart. Damit unterliege das Netzwerk nicht deutschem Recht. "Dass Datenschutzbestimmungen zu Ungunsten des Nutzers verändert werden, ist nichts Neues", sagte Rosengart. Aigner müsse dies wissen.

Sie fordert trotz dieser Reaktion nun ein sofortiges Signal für mehr Datenschutz von Facebook. "Ich erwarte, dass Facebook umgehend reagiert, zumal die Kritik von Seiten der Nutzer immer lauter wird", erklärte sie.

Kritik der Facebook-Nutzer

Mal wieder steht das amerikanische Unternehmen mit mehr als 400 Millionen Mitgliedern weltweit im Zentrum einer Datenschutzdebatte. Kritiker der neuen Datenschutzrichtlinie monieren vor allem, Facebook wolle Daten an Dritte, sprich Partnerunternehmen im Internet weitergeben, ohne bei den Mitgliedern ausreichend um Erlaubnis zu fragen. Eine deutsche Sprecherin bestreitet dies - es gehe lediglich um die Weitergabe an Unternehmen, die zu einem engen Netzwerk rund um Facebook gehörten.

Tausende Nutzer haben bis zum Wochenende von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, den Vorschlag für die neuen Datenschutzrichtlinien zu kommentieren. "Lehne jegliche Weitergabe meiner Daten ab. Wir brauchen hier mehr Transparenz! Ich will entscheiden, was ich wem und wie freigebe", schrieb einer auf den deutschsprachigen Facebook-Seiten. Viele andere berufen sich auf Paragraf 28 des Bundesdatenschutzgesetzes, nach dem ihre Daten nur an Werbetreibende weitergegeben werden dürfen, wenn sie zustimmen.

Welche "Partner" sollen die Facebook-Daten künftig nutzen können? Facebook-Sprecher Barry Schnitt schreibt in einem Blog-Eintrag, dazu gehörten etwa die Konzerne Yahoo, AOL und der Fernsehsender CNN. Mit jedem Unternehmen werde Facebook klare vertragliche Bedingungen aushandeln. Noch sei nicht genau entschieden, für welche neuen Anwendungen die Daten demnächst genutzt würden. Doch es müsse den Nutzern auch klar sein, dass sie sich etwa mit ihrem echten Namen im Internet zeigten. Facebook habe immer Wert darauf gelegt, dass seine Nutzer sich authentisch, nicht unter Pseudonym präsentieren.

Erhebliche Mängel festgestellt

Die Community hält sich selbst zugute, über Änderungen beim Datenschutz- wie bereits im Dezember - offen mit seinen Nutzern zu diskutieren. Doch von der Stiftung Warentest musste sich Facebook vor rund zwei Wochen harsche Kritik gefallen lassen. Sie attestierte dem Unternehmen aus Kalifornien "erhebliche Mängel" beim Datenschutz. Wie auch MySpace, LinkedIn und dem Business- Netzwerk Xing.

mir/dpa

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insgesamt 13 Beiträge
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1. über die Hilfe kann man sich zum "Kündigen" - Button hangeln
keinzeitungsleser 06.04.2010
Zitat von sysopVerbraucherschutzministerin Ilse Aigner erntet für ihren Angriff auf Facebook Kritik. Aus datenschutzrechtlichen Gründen drohte sie mit dem Austritt aus dem Social Network. Dies stuft der Chaos Computer Club als "Armutszeugnis" ein. Nun erhöht Aigner den Druck. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,687498,00.html
Das ist ja ein feuchter Traum: CNN bekommt meine Daten! Da hab ich mein Account halt aufgelöst, war sowieso nicht oft auf "Facebook"
2. och ja
ivanogor 06.04.2010
die soll erstmal vor der eigenen haustüre kehren, sprich elena etc. facebook ist im gegensatz dazu ja eine freiwilligenveranstaltung und die sollte sich eher überlegen, medienkompetenz an schulen lehren zu lassen, damit unser nachwuchs, bei denen eltern versagen, im kritischen umgang mit dem gesamten netz geschult werden
3. Na und?
nanokain 06.04.2010
Selbst schuld wer bei dem Kasperverein "mitmacht". Ums in der Internet-Laiensprache zu sagen: lasst eure Klicks sprechen.
4. Falsche Einschätzung des CCC
avollmer 06.04.2010
Schon mit einem einzelnen Wattestäbchen kann man ganz üble Sachen veranstalten. Und sollte man mit größeren Mengen werfen, dann kann das nicht nur ins Auge gehen. Eines dieser Wattestäbchen von Ministerin Aigner könnten verbindliche technische Standards für Social Networking sein, diese könnten Facebook erhebliche Probleme in der gewerblichen Betätigung bereiten. Wenn dann die Gewerbeaufsicht auf der Website vorbeischaut und nicht vorbei schaut ...
5. Wer ist denn auch so blöd da allzuviele richtige Angaben zu machen
alleskleber 06.04.2010
Ich habe z.B. nicht mal ein richtiges Geb. Datum angegeben.Und die Email ist eine Wegwerf-Adresse.
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Fotostrecke
Facebook: Die privaten Fotos des Herrn Zuckerberg

Soziale Netzwerke
Facebook
DPA
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook 845 Millionen aktive Mitglieder weltweit (Dezember 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite.
Google+
Google+ ist der Versuch, den sozialen Funktionen von Facebook und Twitter etwas entgegenzusetzen. Das soziale Netzwerk wurde im Juni 2011 gestartet und hat nach Firmenangaben rund 170 Millionen Nutzer (April 2012). Der Funktionsumfang ist rein aus Nutzersicht vergleichbar mit Facebook, Schnittstellen für externe Entwickler sind allerdings eingeschränkt. Google animiert seine Nutzer, das Netzwerk als zentralen Hub für seine Dienste zu nutzen. Mehr zu Google+ auf der Themenseite.
Twitter
DPA
Der auf kurze Textnachrichten spezilalisierte Dienst Twitter wurde im Juli 2006 gegründet. Populär wurde der Dienst als Verteilnetzwerk für Links, Fotos und Videos. Twitter zählt nach eigenen Angaben mehr als 140 Millionen Nutzer (März 2012). Mehr zu Twitter auf der Themenseite.
Xing
Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Nach eigenen Angaben hat Xing über 11,7 Millionen Mitglieder (Stand: Dezember 2011), etwa acht Prozent haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme. Mehr zu Xing auf der Themenseite...
StudiVZ
Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess in StudiVZ, später finanzierten es vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben rund 17,4 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2011). Mehr zu StudiVZ auf der Themenseite...
Lokalisten
Im Mai 2005 gegründet, hat das Netzwerk Lokalisten nach eigenen Angaben (Stand Juli 2010) inzwischen 3,6 Millionen Nutzer. Mehr zu Lokalisten bei Wikipedia...
Spin.de
Das 1996 in Regensburg gegründete Unternehmen Spin betreibt ein eigenes soziales Netzwerk, aber auch integrierte Unter-Communitys mit regionalem Fokus, die mit Partnern vor Ort (Lokalradios vor allem) betrieben werden. Nach eigenen Angaben (Stand Februar 2011) hat Spin.de eine Million aktive Mitglieder. Mehr zu Spin.de bei Wikipedia...
Wer kennt wen
Wer-kennt-wen wurde von den beiden Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler gegründet. Seit Februar 2009 gehört das Netzwerk vollständig RTL Interactiv, die Gründer schieden Ende August 2010 aus. Das Netzwerk hat laut Betreiber über 9,5 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2012). Mehr zu Wer-kennt-wen bei Wikipedia...
MySpace
MySpace war 2006 das populärste soziale Netzwerk in den USA. Ein Jahr zuvor war es von Rupert Murdochs News Corporation gekauft worden. Bekannt wurde es durch die Möglichkeit, Musik einzubinden. Künstler und Bands nutzten die Plattform als Marketingplattform. Zeitweise hatte MySpace mehr als 220 Millionen Nutzer, nach Berechnungen von Google rund 30 Millionen Nutzer (Dezember 2011). Mehr zu MySpace auf der Themenseite...
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