Lan-Party im Bundestag Politiker bekommen Computerspiel-Nachhilfe

Die einen werden es lieben, die anderen hassen: Für kommende Woche hat eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten ihre Kollegen zu PC-Netzwerkspielen eingeladen, berichtet der SPIEGEL. Nicht alle nehmen die Idee mit Freude auf - eine "Spielverderberin" aber freut sich schon darauf.

Plenarsaal des Bundestags: Nächsten Mittwoch sollen die Abgeordneten Spielen lernen
DPA

Plenarsaal des Bundestags: Nächsten Mittwoch sollen die Abgeordneten Spielen lernen


Sie können ballern bis der Fraktionsvorsitzende kommt. In der kommenden Woche können Bundestagsabgeordnete direkt am Arbeitsplatz Nachhilfe in Computerspielen nehmen. Eine ursprünglich für Oktober oder Anfang November geplante Informationsveranstaltung ist nun für Mittwoch geplant.

Organisiert wird die Bundestag-Lan-Party von den drei Abgeordneten Dorothee Bär (CSU), Jimmy Schulz und Manuel Höferlin (beide FDP). Bär findet die Idee "hervorragend", Abgeordneten die virtuelle Welt der Videospiele näherzubringen. Dies werde zudem pädagogisch begleitet. Die Aktion soll Berührungsängste abbauen. "Wenn man sich selbst persönlich damit beschäftigt hat, dann spricht man auch anders darüber", sagte Bär bei einem Treff mit Berliner Computerfreaks.

Fachkundige Hilfe und Informationen sollen die Abgeordneten von erfolgreichen Spielern des Ego-Shooters "Counter Strike" bekommen, sagte Ibrahim Mazari von der eSports-Firma Turtle Entertainment bereits im August vergangenen Jahres. Turtle Entertainment hat 2010 bereits bei mehreren großen Lan-Partys im Bundesgebiet gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) und weiteren Partnern Informationsveranstaltungen für Eltern, die sogenannten Eltern-Lans, angeboten. Deren Ziel sei es, "Eltern und pädagogisch Tätige bei der Auseinandersetzung mit dem Hobby 'Computerspielen' ihrer Kinder und Schüler zu unterstützen", heißt es auf der Website der BPB.

Dennoch sind nicht alle Parlamentarier von der Aktion begeistert: "Wozu soll ich lernen, wie man ein Killerspiel wie Counter Strike spielt?", fragt Hans-Peter Uhl, innenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Entsetzt ist Hardy Schober, Sprecher des "Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden" und Vater eines Opfers. "Ich fühle mich von Politikern verhöhnt, die bei einer Party gegeneinander antreten, um zu lernen, wie man virtuell tötet", sagt er.

Die Suchtbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, ist ebenfalls eingeladen, als "Spielverderberin", wie sie selbst sagt. Dyckmans will die Gelegenheit nutzen, um "über die wachsenden Gefahren der Online-Spielsucht aufzuklären".

mak

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insgesamt 49 Beiträge
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weltbetrachter 19.02.2011
1. haben die nichts besseres zu tun
Wenn wir "Steuerzahler" während der Arbeitszeit PC-Spielchen spielen, drohen Abmahnungen und Entlassung. . Tja, aber wenn unsere Politiker sowohl ihr Gehalt als auch ihre Tätigkeit frei wählen können, kann nichts vernünftiges dabei herauskommen. . ICH EMPFEHLE EINEN VHS-KURS NACH DIENSTSCHLUSS !!!
Kaworu 19.02.2011
2. Polemik hier, Unwissenheit dort...
---Zitat--- Dennoch sind nicht alle Parlamentarier von der Aktion begeistert: *"Wozu soll ich lernen, wie man ein Killerspiel wie Counter Strike spielt?"*, fragt Hans-Peter Uhl, innenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Entsetzt ist Hardy Schober, Sprecher des "Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden" und Vater eines Opfers. "Ich fühle mich von Politikern verhöhnt, die bei einer Party gegen einander antreten, um zu lernen, wie man virtuell tötet", sagt er. ---Zitatende--- Genau, warum etwas neues lernen und vielleicht Spaß dran haben wenn man es genausogut ungesehen verurteilen kann? Vorurteilbehaftete Politiker waren mir persönlich schon immer ein Graus. Wie wärs mit: ---Zitat--- Wozu soll ich lernen, wie man eine Gelehrtenschrift wie den Koran liest? ---Zitatende--- - nurmal beispielhaft. Und zum Sprecher des Aktionsbündnisses: Wann werden Autos, Alkohol und Zigaretten verboten? Daran sterben jährlich ebenso Menschen die Verwandte, Freunde und Eltern zurück lassen. Wo bleiben die Aktionsbündnisse? Ein Aktionsbündnis gegen Passagierflugzeuge?
AllesMeins 19.02.2011
3. Wozu? Dazu!
"Wozu soll ich lernen, wie man ein Killerspiel wie Counter Strike spielt?", fragt Hans-Peter Uhl, innenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Ganz einfach, Herr Uhl - damit man weiß wovon man redet. Ich weiß, unter Politikern ist das wenig verbreitet, aber eigentlich lernt man das schon in der Grundschule, dass man sich mit irgendwas erst mal befassen sollte, bevor man sich eine Meinung darüber bildet. Traurig, dass Herr Uhl nicht selber auf diese Idee kommt...
Panasonic, 19.02.2011
4. Hardy Schober
Hardy Schober fühlt sich also "verhöhnt"... als Opfer oder Minderheit kann man sehr einfach an der Empörungsindustrie partizipieren. Jedenfalls hier, in Deutschland. Als erwachsener Zocker befürworte ich natürlich jeden Abbau von Vorurteilen. Von Menschen wie Hardy Schober fühle ich mich dennoch nicht verhöhnt - er ist sicher traumatisiert und hat daher gewisse "Unschärfen".
annemv 19.02.2011
5. Die haben sie doch nicht mehr alle.
Zitat von sysopDie einen werden es lieben, die anderen hassen: Für kommende Woche hat eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten ihre Kollegen zu PC-Netzwerkspielen eingeladen, berichtet der SPIEGEL. Nicht alle nehmen die Idee mit Freude auf - eine "Spielverderberin" aber, freut sich schon darauf. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,746596,00.html
Und wenn die lieben Abgeordneten schon beim Spielen sind; Ich empfehle mal drei/vier Monate das H4-Reality-Spiel, incl. Sanktionen und Hausbesuch. Nur damit unsere Politiker mal wissen was sie beschlossen und verabschiedet haben. Die 8€ "Erhöhung" dürfen sie dabei gerne schon mit einplanen.
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