Leistungsschutzrecht Verlage knicken vor Google ein

Google wollte die Texte einiger Verlage ab Donnerstag nur noch verkürzt darstellen, weil die Pressehäuser für die Veröffentlichung ihrer Kurztexte und Vorschaubilder Gebühren verlangen. Doch jetzt rudern die Verlage zurück.

Google in mehreren Browserfenstern: "Überwältigende Marktmacht"
DPA

Google in mehreren Browserfenstern: "Überwältigende Marktmacht"


Offenbar würde es für Springer und Co. doch sehr schwer ohne Google: Die Mehrheit der in der Verwertungsgesellschaft VG Media organisierten deutschen Verlage räumen Google jetzt überraschend das Recht ein, Verlagsinhalte auf Google News und den Suchseiten des Konzerns gratis darzustellen.

Die Presseverleger hätten die VG Media ganz überwiegend angewiesen, "gegenüber Google eine widerrufliche 'Gratiseinwilligung' in die unentgeltliche Nutzung ihrer Presseerzeugnisse zu erklären", teilte die Verwertungsgesellschaft am Mittwochabend mit. "Die VG Media Presseverleger sehen sich angesichts der überwältigenden Marktmacht von Google zu diesem außergewöhnlichen Schritt gezwungen", hieß es in der Erklärung. Zu den Gesellschaftern der VG Media gehören unter anderem Axel Springer ("Bild", Welt") und der Münchner Burda-Verlag ("Focus").

Zuvor hatten die Verlage gegen den Suchmaschinenriesen geklagt. Das Leistungsschutzrecht für Presseverleger ermöglicht es Verlagen, für die Veröffentlichung ihrer Artikel im Web eine Lizenzgebühr zu erheben. Google hatte abgelehnt, für kleine Textausschnitte, sogenannte Snippets, zu zahlen.

Schließlich hatte Google angekündigt, die Inhalte der Verlage, die in der VG Media organisiert sind, bei Google News in knapperer Form auszustellen. In der Nachrichtenübersicht sollten vom 23. Oktober an die Vorschau-Inhalte aus den betroffenen Verlagen nur noch mit Überschriften dargestellt werden. Vorschaubilder und kurze Textanrisse sollten dabei entfallen.

Dann doch lieber schnell eine "Gratiseinwilligung"

Die VG Media erklärte nun, diese "deutliche Reduzierung der Textdarstellung und die Auslistung von Bilder-Darstellungen auf allen Google-Suchdiensten" setze die Presseverleger "einem erheblichen wirtschaftlichen Druck aus": "Sie sehen sich dadurch gezwungen, gegen ihren Willen die VG Media anzuweisen, Google eine 'Gratiseinwilligung' zu erklären."

Zuvor hatte der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, den Hoffnungen der Verleger auf Lizenzzahlungen durch Google einen Dämpfer verpasst. "Es lässt sich nur schwer aus dem Leistungsschutzgesetz ableiten, dass Google die Verlagsinhalte mehr zu nutzen hat und dafür Geld zahlen muss", sagte der Behördenchef am Mittwoch auf einer Veranstaltung der Medientage in München.

Google hatte jüngst das Bundeskartellamt ersucht, den Kartellstreit um das Leistungsschutzrecht abschließend zu klären. In einem Brief bat der Konzern die Behörde um die Feststellung, in der Auseinandersetzung mit diesen Verlagen nicht tätig zu werden. Dabei geht es um die Frage, ob Google seine Marktstellung missbraucht, wenn es Suchergebnisse aus bestimmten Verlagen nur verkürzt darstellt.

Die VG Media sowie Verlage wie Axel Springer, Burda, Funke, Madsack und M. DuMont Schauberg hatten Google immer wieder vorgeworfen, in der Abwehr von Lizenzzahlungen seine dominante Stellung auf dem deutschen Markt zu missbrauchen. Google hatte das zurückgewiesen.

Medienportale aus anderen Verlagen wie Spiegel.de, FAZ.net, Zeit.de oder Sueddeutsche.de, aber auch Seiten von Burda-Beteiligungen wie Focus.de und Huffingtonpost.de hatten sich bei einer möglichen Verwertung des Leistungsschutzrechts nicht von der VG Media vertreten lassen.

Update, 23. Oktober 2014: Anders als seine Verbündeten gewährt Axel Springer Google nicht für alle seine Pressetitel eine Gratislizenz für kurze Nachrichtentexte. Das sagte eine Springer-Sprecherin. Während Google beispielsweise kurze Texte aus der "Bild"-Zeitung auch künftig kostenlos auf seiner Internetseite übernehmen darf, beharre Springer bei Nachrichten aus der "Welt", der "Auto Bild", der "Sport Bild" und der "Computer Bild" auf einem Vergütungsanspruch.

juh/dpa



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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
muellerthomas 23.10.2014
1.
Eine schöne Darstellung zu dem Thema findet sich bei Stefan Niggemeier. Einerseits möchten die Verlage also Geld für die kurzen Textfragemente, wenn Google aber nicht zahlen möchte und daher auch keine Textfragmente veröffentlich, ist es andererseits auch nicht richtig. Die Verlage möchten also, dass Google diese Textfragmente auf jeden Fall veröffentlicht und dafür aber auch zahlt, also eine Art Zwangsabgabe.
geotie 23.10.2014
2. yoooh
Zitat von muellerthomasEine schöne Darstellung zu dem Thema findet sich bei Stefan Niggemeier. Einerseits möchten die Verlage also Geld für die kurzen Textfragemente, wenn Google aber nicht zahlen möchte und daher auch keine Textfragmente veröffentlich, ist es andererseits auch nicht richtig. Die Verlage möchten also, dass Google diese Textfragmente auf jeden Fall veröffentlicht und dafür aber auch zahlt, also eine Art Zwangsabgabe.
Sie meinen wie bei der GEZ?
12many 23.10.2014
3.
Die VG Media sind wie Erpresser, die sich schon auf die dicke Kohle gefreut haben, es aber nie in Betracht gezogen haben, dass der Erpresste gar kein Interesse daran hat Lösegeld zu zahlen. Und darum ging es den Verlagen von Anfang an: Endlich mal was von diesem "Internetgeld" abzukriegen, von dem alle reden. Lassen sich ein Gesetz zimmern, um von Google für nichts Geld zu erhalten, und sind beleidigt, als Google sich völlig gesetzeskonform diesen Zahlungen entzieht.
WwdW 23.10.2014
4. also hat das was Google tut einen Mehrwert
für die Verlage die in VG Medien organisiert sind. Sonst würden die Verlage in VG Medien das jetzt doch nicht gratis Google zur Nutzung anbieten. Also sollte eigentlich Google sich darum Bemühen Gebühren von VG Medien Verlagen einzutreiben oder doch lieber die gekürzten News abstellen und gar nichts mehr von VG Medien anzeigen.
20InchMovement 23.10.2014
5. Die Verlage
wollen nur noch mehr Möglichkeiten, um an Geld zu kommen. Das war halt nix. Letzten Endes profitieren sie dennoch von Google, weil Google umsonst die Headlines bündelt und der interessierte Leser dann auf die entsprechenden Seiten gelangt und somit Traffic und Hits dem Anbieter bringt. Aber nein, man will noch mehr.
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