US-Politik Nur eine Firma gibt mehr für Lobbying aus als Google

Eine US-Organisation überwacht die Lobby-Anstrengungen der Industrie in Washington. Im ersten Halbjahr 2014 gab demnach allein Google über neun Millionen Dollar für die Politikbeeinflussung aus. Spendabler war nur ein Chemieunternehmen.

Lobbyausgaben in den USA (Grafik von Statista): Google hinter Dow Chemical
Center for Responsive Politics

Lobbyausgaben in den USA (Grafik von Statista): Google hinter Dow Chemical


Vertraut man den regelmäßig veröffentlichten Daten der US-Organisation Center for Responsive Politics, werden in Washington jährlich schwindelerregende Summen für die Beeinflussung von Politikern ausgegeben. Allein im ersten Halbjahr 2014 waren es demnach über 1,6 Milliarden Dollar. Und das, obwohl die Lobbyausgaben, die auf der Website OpenSecrets.org dokumentiert werden, seit Jahren sinken.

Betrachtet man die Ausgaben nach Branchen, gibt es einen klaren Spitzenreiter: Die pharmazeutische Industrie und die Hersteller anderer Medizinprodukte investierten im ersten Halbjahr 2014 zusammen fast 120 Millionen Dollar in gute Beziehungen zur US-Politik, mit weitem Abstand vor der zweitplatzierten Branche: den Versicherungen (78 Millionen Dollar).

Computer- und Internetfirmen landen mit 71 Millionen Dollar nur auf Platz vier der Lobby-Rangliste - doch ein Unternehmen ist ganz allein für einen substanziellen Anteil dieser Ausgaben zuständig: Google. 9,3 Millionen Dollar investierte der Suchmaschinenkonzern OpenSecrets zufolge allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 2014 in Lobbying. Nur ein anderes Einzelunternehmen gab noch mehr aus: der Konzern Dow Chemical mit fast 10 Millionen Dollar, wie die obige Infografik von Statista zeigt.

Zwar liegen in den Top Ten der großzügigsten Lobby-Ausgaben diverse andere noch weiter vorne. Doch dabei handelt es sich um Organisationen wie die US-Handelskammer - mit 54 Millionen Dollar Ausgaben auf Platz eins - oder Branchenverbände, etwa die der US-Immobilien- oder TV-Branche.

cis

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Mark_Ellos_1 02.08.2014
1.
9 Millionen ist relativ gesehen sogar mal nicht soo viel. Ja wer hat, der kann eben..
Atheist_Crusader 02.08.2014
2.
Zitat von sysopCenter for Responsive PoliticsEine US-Organisation überwacht die Lobby-Anstrengungen der Industrie in Washington. Im ersten Halbjahr 2014 gab demnach allein Google über 9 Millionen Dollar für die Politikbeeinflussung aus. Spendabler war nur ein Chemieunternehmen. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/lobbying-in-den-usa-google-investiert-9-millionen-dollar-a-984069.html
Wundert überhaupt nicht. Wurden doch im Zusammenhang mit dem Freihandelsabkommen die ach so hohen amerikanischen Medikamentenstandards gepriesen: dabei geht es einzig darum, die (mindestens ebenso hochwertigen aber bedeutend billigeren) Konkurrenzprodukte aus Kanada und Europa vom Markt zu halten.
bazingabazinga 02.08.2014
3. Wahnsinn der Einfluss von United States Chamber of Commerce
Lieber Spiegel, wäre ja jetzt blöd, wenn ihr euren Lesern jetzt erklären müsstet wie groß auch in der EU der Einfluss des United States Chamber of Commerce ist und was die machen. Könnte hier einige erschrecken. Und das wollt ihr ja unseren Freunden aus den USA nicht antun. Also mal eben auf Google ablenken. Natürlich muss man auch über die Lobbyarbeit von Google berichten, aber vor allem über die viel größere Lobbyarbeit des privaten U s C o C
michi_ 02.08.2014
4. Wer führt eigentlich in Deutschland die Lobby Industrie an?
Gefühlt künnen das nur die Sozial- und Ökoindustrie sein... aber eine Statistik wäre hilfreich.
adrianhb 02.08.2014
5.
ich sag nur: Leistungsschutzrecht Was die Verlage für Lobbying tun, lässt sich in Geld schwer messen.
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