Anonymisierung im Netz Mastercard und Visa schließen VPN-Anbieter aus

Anonymisierungsdienste sind bei den zwei großen Kreditkartenfirmen offensichtlich nicht gern gesehen. Ein schwedischer Kooperationspartner darf auf deren Anweisung hin keine Zahlungen an sie mehr leisten.

Mastercard und Visa-Karte: Anonymisierung im Netz ist ungern gesehen
DPA

Mastercard und Visa-Karte: Anonymisierung im Netz ist ungern gesehen


Stockholm - Die Kreditkartenunternehmen Mastercard und Visa haben Maßnahmen gegen Anbieter von VPN-Diensten in die Wege geleitet. Wie das Filesharing-Blog TorrentFreak berichtet, wurde der schwedische Kooperationspartner Payson angewiesen, keine Zahlungen an entsprechende Anonymisierungsangebote zu verarbeiten. Die vermutete Ursache liegt wohl in der Bekämpfung von Urheberrechtsverstößen und Online-Piraterie.

Ein VPN, ein Virtual Private Network, ermöglicht es dem Nutzer, über eine verschlüsselte Verbindung mit dem Browser eine Webseite anzusteuern. Diese Seitenanfrage wird dann vom VPN-Server an die eigentliche Zieladresse weitergeleitet und erhält dabei eine neue IP-Adresse. Versandte Daten sollen bei diesem System von außen nicht einsehbar sein.

Seit dem Wochenende ist es nun nicht mehr möglich, über die Kredikartenkonten Zahlungen an bestimmte VPN-Provider zu leisten. Payson-Kunden erhielten eine E-Mail, in dieser heißt es, der Finanzdienstleister habe Auflagen in Bezug auf Anonymisierung, einschließlich VPN. Kunden derartiger Angebote könnten diese daher nicht mehr via Kreditkarte bezahlen. Auf telefonische Anfrage habe Payson bestätigt, dies sei auf die "dringende Aufforderung" von Visa und Mastercard hin geschehen.

Einer der betroffenen VPN-Provider ist das iPredator VPN, das unter anderem von Peter Sunde betrieben wird, dem Mitgründer des BitTorrent-Verzeichnisses Pirate Bay. Im Zahlungsstopp sieht der Schwede den Versuch, die Öffentlichkeit daran zu hindern, ihr Surf-Verhalten zu verbergen und sich gegen die Überwachung durch Regierungen abzusichern.

Allerdings habe iPredator noch eine Reihe weiterer Möglichkeiten wie etwa Bitcoin, um Zahlungen abzuwickeln. Es sei verrückt, ein völlig rechtmäßiges System zu zensieren, dessen Zweck in der Vermeidung von Zensur und Überwachung bestehe, wird Sunde zitiert.

Eine Einschätzung, die auch andernorts geteilt wird. "Techdirt" nennt die gegen VPN-Dienste gerichteten Maßnahmen "bizarr", denn es gebe eine große Zahl von legalen und sinnvollen Anwendungsmöglichkeiten eines solchen Service. Bei iPredator behalten sich die Verantwortlichen rechtliche Schritte vor. Möglicherweise mit einigen Erfolgsaussichten. Erst im April 2013 wies der Oberste Gerichtshof Islands einen Finanzdienstleister an, Spenden an WikiLeaks weiterzuleiten. Der isländische Visa-Partner Valitor hatte die Abwicklungen solcher Zahlungen 2010 eingestellt. Am gestrigen Mittwoch wurde bekannt, das WikiLeaks nun wieder Zahlungen per Kreditkarte annehmen kann.

meu

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 27 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
u.loose 04.07.2013
1. Ich habe meine Karten
schon seit der Verweigerung Wikileaks zu verarbeiten, zurück gegeben... Als Reisezahlungsmittel braucht man die Dinger in Europa ohnehin nicht und selbst beim Onlinehandel sind Abbuchungen vom Konto kein Problem mehr...
Obi-Wan-Kenobi 04.07.2013
2.
Zitat von sysopDPAAnonymisierungsdienste sind bei den zwei großen Kreditkartenfirmen offensichtlich nicht gern gesehen. Ein schwedischer Kooperationspartner darf auf deren Anweisung hin keine Zahlungen an sie mehr leisten. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/mastercard-und-visa-schliessen-vpn-anbieter-aus-a-909361.html
schon klar. Man muss schon ein kranker Verschwörungstheoretiker sein um auf die Idee zu kommen, dass VPNs nicht so einfach überwacht werden können und das vielleicht der Grund sein könnte. Nun gut. Selbst Mutti hat gesagt: "Kein Rechtsanspruch auf Demokratie auf alle Ewigkeit". Mir war nur nicht klar, dass das Ende bereits so nah ist.
Repast 04.07.2013
3. Kein Titel.
"Am gestrigen Mittwoch wurde bekannt, das WikiLeaks nun wieder Zahlungen per Kreditkarte annehmen kann." Liebe Journalisten, die ihr mit dem Schreiben euer Geld verdient: www.dasdass.de
caneslunarum 04.07.2013
4. Tja eigentlich erstaunlich;
Zitat von sysopDPAAnonymisierungsdienste sind bei den zwei großen Kreditkartenfirmen offensichtlich nicht gern gesehen. Ein schwedischer Kooperationspartner darf auf deren Anweisung hin keine Zahlungen an sie mehr leisten. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/mastercard-und-visa-schliessen-vpn-anbieter-aus-a-909361.html
Komisch eigentlich, daß es überhaupt Menschen gibt, die um Anonymität ringen, dann aber mit Kreditkarte bezahlen wollen.... aber es soll ja auch prepaid Kreditkarten geben.... Im übrigen gilt es wohl immer mehr diesen Unternehmen den Rücken zu kehren, denn zum Glück gibt es ausser Bargeld ja auch Bitcoin, paysafe etc. Ich für meinen Teil werde Wohl oder Übel bis auf die wenigen nützlichen Kreditkarten (2-3), sämtliche anderen (4-5) bei besagten Unternehmen kündigen müssen. Diesen Schritt hatte schon deren Verhalten bei Wikileaks eingeläutet. Leider wird dieses einzige mir verbliebene Machtmittel denen nur einen müden Arschrunzler abringen, da ich für deren "Leistungen" eh nie bereit war auch nur einen cent zu bezahlen. Leider wird dies Deutschlandweit auch keinen Furor auslösen, wer weiß schon was hinter VPN steckt ausser ein paar Computer Nerds und die stehen ja prinzipiell unter 'Raubkopie'-verdacht. Schon bei dem Wort krieg ich Plaque. Bleibt nur eines zu sagen: Leute kämpft (bezahlt für) Eure Freiheit. Sonst war es das
mr.ious 04.07.2013
5. Wow
Zitat von caneslunarumKomisch eigentlich, daß es überhaupt Menschen gibt, die um Anonymität ringen, dann aber mit Kreditkarte bezahlen wollen.... aber es soll ja auch prepaid Kreditkarten geben.... Im übrigen gilt es wohl immer mehr diesen Unternehmen den Rücken zu kehren, denn zum Glück gibt es ausser Bargeld ja auch Bitcoin, paysafe etc. Ich für meinen Teil werde Wohl oder Übel bis auf die wenigen nützlichen Kreditkarten (2-3), sämtliche anderen (4-5) bei besagten Unternehmen kündigen müssen. Diesen Schritt hatte schon deren Verhalten bei Wikileaks eingeläutet. Leider wird dieses einzige mir verbliebene Machtmittel denen nur einen müden Arschrunzler abringen, da ich für deren "Leistungen" eh nie bereit war auch nur einen cent zu bezahlen. Leider wird dies Deutschlandweit auch keinen Furor auslösen, wer weiß schon was hinter VPN steckt ausser ein paar Computer Nerds und die stehen ja prinzipiell unter 'Raubkopie'-verdacht. Schon bei dem Wort krieg ich Plaque. Bleibt nur eines zu sagen: Leute kämpft (bezahlt für) Eure Freiheit. Sonst war es das
"Prepaid-Kredit" ja sicher, war neulich schon zu lesen, bevor sich Neuland enttarnte und dabei auch gleich erwischte. Es liest sich aber doch sehr wie Werbung, oder wie so "neues denken" das es durchaus als was pathologisches erscheinen kann. Gibt es eigentlich irgendwen, außer denen die hier Artikel schreiben, der den ganzen Käse glaubt ? Ich will der Phantasie ja nicht auf den Fuß steigen, es ist doch oft auch lustig zu lesen, aber Journalisten die auch nach Neuland rudern, die könnten doch, anstatt irgendwo bei einer Bnak oder direkt bei einem der genannten Kreditinstitute ein Konto einzurichten über das man mit Kreditkarte zahlen kann, sich doch mal voll investigativ dran tun und selbst ein Partnerunternehmen zu besagten Instituten gründen, um nämlich herauszufinden was man da alles an Auflagen erfüllen muß um Geldbeträge buchen zu dürfen. "Ich kann ein kleines PC-Heimnetzwerk einrichten (mit VPN) und mir Monopoligeld auch virtuell ausdenken" dürfte ganz sicher nicht reichen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.