Urteil in Hamburg Google darf Mosleys Sexfotos nicht verbreiten

Google hat vor dem Landgericht Hamburg gegen den Ex-Motorsportboss Max Mosley verloren. Der US-Konzern wollte seiner Bildersuche keinen Filter vorschalten, so waren private Sexfotos weiter zu finden. Das Gericht hat diese Verletzung der Intimsphäre verboten.

Max Mosley: "'Hier sind die Bilder. Wir wissen, um welche es geht"
Getty Images

Max Mosley: "'Hier sind die Bilder. Wir wissen, um welche es geht"


Hamburg - Google darf sechs heimlich aufgenommene Sexfotos von Ex-Motorsportboss Max Mosley nicht weiter verbreiten. Der Suchmaschinenkonzern müsse es künftig unterlassen, die Bilder in den Suchergebnissen auf google.de anzuzeigen, urteilte das Hamburger Landgericht am Freitag. Die Bilder verletzten den 73-Jährigen schwer in seiner Intimsphäre, sagte die Vorsitzende der Pressekammer Simone Käfer. Wenn Google die Fotos auch künftig in seinen Suchergebnissen darstellt, werde ein Ordnungsgeld in Höhe von bis zu 250.000 Euro verhängt. Gegen das Urteil ist Berufung beim Oberlandesgericht Hamburg möglich.

Ausnahmsweise untersagt das Gericht Google allgemein die Verbreitung der Fotos. Das Verbot ist nicht auf einen bestimmten Kontext oder einen bestimmten Link beschränkt. Denn, so begründet es Richterin Käfer, es sei in diesem besonderen Fall nicht vorstellbar, dass die Bilder in irgendeinem Kontext zulässig veröffentlicht werden könnten.

Mosley hat bisher Betreiber von Websites einzeln abgemahnt, damit die Bilder nicht mehr zugänglich sind. Über die Google-Suchergebnisse seien die Bilder aber immer wieder neu verbreitet worden, sagte Käfer. Der Konzern habe sich auch nicht bemüht, etwa eine Filter-Software zu entwickeln, um künftige Rechtsverstöße zu vermeiden.

Die Pressekammer äußerte sich nicht dazu, wie Google das Urteil technisch umsetzen soll. Bei früheren Verhandlungsterminen hatte die Richterin aber etwa eine Filter-Software ins Spiel gebracht. Google wehrt sich dagegen und kritisiert, aus der Suchmaschine werde dann eine "Zensurmaschine".

Die Mosley-Anwältin Tanja Irion widerspricht dem Zensurvorwurf: "Herr Mosley würde sich freuen, wenn dieses Urteil auch anderen dabei hilft, den großen und nachhaltigen Schaden einzuschränken, der dadurch entsteht, dass Suchmaschinen Zugriff auf rechtswidrige Aufnahmen vermitteln."

Google weist in vergleichbaren Prozessen regelmäßig die Verantwortung für die in Suchtreffern verbreiteten Inhalte von sich. Mit dieser Haltung ist der Konzern zuletzt vor dem Bundesgerichtshof in einem Verfahren wegen verleumderischer Vervollständigungen von Suchanfragen gescheitert.

lis/dpa



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