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Medien auf dem iPhone: "Wir werden unsere Seele nicht verkaufen"

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Wie weit dürfen Hightech-Konzerne gehen? Deutsche Zeitschriftenverleger sehen sich durch Zensur im App Store in ihrer Freiheit bedroht. Noch sind sie zu Gesprächen bereit, wollen mit dem US-Konzern Rahmenbedingungen festlegen. Doch wenn das scheitert, könnte man andere Maßnahmen ergreifen.

Apps auf einem iPhone: Wie weit darf Apple in die angebotenen Inhalte eingreifen? Zur Großansicht
dpa

Apps auf einem iPhone: Wie weit darf Apple in die angebotenen Inhalte eingreifen?

Mit seiner Zensurpolitik im App Store bringt der US-Konzern Apple die deutschen Verlage gegen sich auf. "Wir können und werden als Verlage unsere Seele nicht verkaufen, nur um ein paar Kröten von Apple zu bekommen", sagte Wolfgang Fürstner, Geschäftsführer des Zeitschriftenverbandes VDZ. Heute passten dem Konzern nur nackte Brüste und andere angeblich sexistische Inhalte nicht, "und morgen sind es wichtige gesellschaftliche und politische Themen, die den Verantwortlichen von Apple missfallen. Das ist Zensur und davor müssen wir uns schützen".

Bei der Vorstandssitzung des Weltverbandes der Verleger FIPP, nächste Woche in Berlin, will der VDZ-Vorsitzende erwirken, dass der Weltverband bei Apple vorstellig wird, um das Anliegen der Verlage geschlossen vorzubringen. "Wir werden erst einmal für Verständnis werben und Apple ist ein willkommener Partner. Aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen", so Fürstner. "In keinem deutschen Verlag wird ein Geschäftsmodell eine Chance haben, bei dem sich die Verleger dem Diktat von Apple unterwerfen müssen und ihre Pressefreiheit der Marktmacht von Apple opfern."

Apple hatte in den vergangenen Wochen Tausende Anwendungen aus dem App Store entfernt, vor allem solche mit vermeintlich erotischen Inhalten. Nachdem schon im November die "Stern"-App ohne Vorankündigung wegen einer Bildergalerie kurzzeitig aus dem App Store flog, traf es zuletzt die Miezen in Springers "Bild"-App, die sich beim Schütteln des Telefons nackig machen. Apple verlangte gar, dass die Brüste per Bildbearbeitung überdeckt werden. Erotikmarken wie "Playboy" oder das Magazin "FHM" dürfen ihre Apps dagegen weiter unzensiert vertreiben.

"Gegen Marktmacht helfen irgendwann nur Gerichte"

"Wenn Apple vorher klare Regeln vorgegeben und gesagt hätte, 'nacktes Fleisch verstößt gegen unsere ethischen Grundregeln', wären das nachvollziehbare Bedingungen, dafür könnte man noch Verständnis haben", sagte Fürstner. Aber dass der Konzern nachträglich bestimmte Inhalte entferne oder die Regeln verschärfe und nach eigenem Gutdünken einzelne Marken verschone, sei nicht hinnehmbar. Natürlich suche man zunächst den Dialog mit Apple, "aber gegen Willkür und die Ausnutzung von Marktmacht helfen irgendwann nur Gerichte", erklärte Fürstner. Allerdings zeige Apples Verhalten auch, dass die Verlage dringend eigene Plattformen für ihre Inhalte im Internet entwickeln müssten, um sich unabhängiger zu machen.

In der Verbannung nackter Brüste sieht auch der VDZ-Chef noch keine absolute Gefährdung der Pressefreiheit, aber es geht ums Prinzip. Der Konzern verstand sich bisher als eine technische Plattform, nicht als Anbieter eigener Medieninhalte. Apples rigides Gebaren in den vergangenen Wochen hat auch die Euphorie der Verlage über das iPad mächtig gedämpft, das ihnen doch eigentlich die lange ersehnten Einnahmen aus dem Internet bescheren soll. "Die Verlage müssen nun mit allergrößter Sorgfalt solche Fragen klären, bevor sie sich mit Apple einlassen, sonst kann man ihnen nur raten, die Finger davon zu lassen", sagte Fürstner.

Bisher hatten sich die deutschen Verlage vor allem auf Google eingeschossen, nun droht auch Apple sein sympathisches Antlitz zu verlieren. "Apple wäre gut beraten, auf der Seite der Sympathieträger zu bleiben", so Fürstner. Das Verhalten offenbare aber ein Problem weltweit agierender Technologiekonzerne, "die in ihrer Herrschaftsmacht glauben, sie seien unbegrenzt und können sich über alle Regeln hinwegsetzen".

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 41 Beiträge
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1. Marktmacht?
Jessy84 24.02.2010
Wieviele iPhones hat Apple hier eigentlich verkauft? ich kenne gerademal einen, der so ein Telefon hat... Und deswegen muß jetzt die gesamte Industrie dem hinterherlaufen? Es wird doch niemand gezwungen, extra eine "App" fürs iPhone zu proggen, passt doch einfach die Website für mobile Geräte an und schon kann man sie auch mit anderen Telefonen anzeigen, dafür hat man doch die Standards. Dieses rumjammern über apple ist genauso ein Hype-Problem wie Second Life-Vertretungen...
2. Sinnloses Gequatsche
8ruc3 24.02.2010
Apple brint ein neues Gerät auf den Markt, dass als 100%ig "familientauglich" platziert wird.Also erwartet man demnächst auch sehr viele Kinder / Eltern im Store. Zum Verkaufsstart räumen sie nun ihren Store auf, damit sie nicht ab März in den USA, aber auch im nahen und fernen Osten, mit Klagen überzogen werden. Das mag uns übel aufstossen, ist aber echt nichts besonderes. Eine subjektive Auswahl der Inhalte ist doch legitim, es geht um ein Apple-Gerät und einen Apple-Webshop. Es ist ja nicht so, dass Apple der Preese vorschreibt keine Titten mehr zu zeigen. Sie wollen die Titten nur nicht in ihrem Store haben. All die, die jetzt schreien, schreien mir in letzter Zeit schon viel zu oft, vor allem die "arme" Presse. Wenn Apple mit dem iPad wirklich die Branche retten soll, dann prügelt mal lieber nicht so doll auf euren Heilsbringer ein. Wer jetzt von Monopolmissbrauch oder Ausnutzung der marktbeherrschenden Stellung spricht, ist geistig minderbemittelt. Leider. Tablets sind nicht neu, Online-Stores auch nicht, und Apple ist immer noch ein amerikanisches Unternehmen. Und wer meint, dass Apple auf deutschen Presse-Content angewiesen ist, sollte mal die nationalen Scheuklappen entfernen. cu.g
3. wie bitte?
faustjucken_de 24.02.2010
Zitat: "nun droht auch Apple sein sympathisches Antlitz zu verlieren." HA! Ich habe diesen diesen gehypten Apfel-Laden schon immer gehasst. Mit schleierhaft, wie jemand Steve Jobs noch weiter Geld hinten reinstecken kann.
4. Ausgwogenheit der Kräfte...
verbal_akrobat 24.02.2010
...spiegeln sich mittel und langfristig darin wieder, dass kein Einzelunternehmen heute mehr einen Markt beherschen kann. Was der Mainstram will bekommt er, sollten es in diesem Fall nackte Frauenbusen sein, wette ich das bei intensiver Suche noch welche zu finden sind;) (und das auch bei Apple) Wenn nicht, wird es ruckzuck, Palttformen geben die welche darbieten. Sollte Apple wirklich die Pressefreiheit irgendwann einmal beschneiden, wird dies als kläglicher Versuch innerhalb kürzester Zeit scheitern. Ausgewogenheit entsteht durch die Vielzahl der technischen Möglichkeiten und Anbieter die die Kraft haben an diesem Markt teil zu nehmen, dass ist ja gerade einer der Erfolgsgaranten des NET.
5. I love Apple
HAL9000, 24.02.2010
Zitat von faustjucken_deZitat: "nun droht auch Apple sein sympathisches Antlitz zu verlieren." HA! Ich habe diesen diesen gehypten Apfel-Laden schon immer gehasst. Mit schleierhaft, wie jemand Steve Jobs noch weiter Geld hinten reinstecken kann.
Wer Bild verbietet verbessert die Welt. Bild kann man garnicht genung verbieten. Diese Dreckschleuder.
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