Megaupload-Gründer: USA beantragen Auslieferung von Kim Dotcom

Kim Dotcom soll in den USA vor Gericht gestellt werden: Wie erwartet haben die USA einen Auslieferungsantrag gegen den Gründer des für Musik- und Filmtausch genutzten Angebots Megaupload gestellt. Dort könnten Dotcom, der seine Unschuld beteuert, bis zu 20 Jahre Haft drohen.  

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Kim Dotcom vor Gericht in Neuseeland: USA beantragen Auslieferung

Auckland - Die USA haben einen Auslieferungsantrag gegen den deutschen Gründer der inzwischen gesperrten Internetplattform Megaupload vorgelegt. Die neuseeländische Staatsanwältin Anne Toohey, die in diesem Fall die Interessen der USA vertritt, teilte am Montag mit, der Antrag gegen Kim Dotcom, vormals Schmitz, sei am Freitag beim Gericht in Auckland eingereicht worden.

Ein neuseeländisches Gericht hatte entschieden, dass der Deutsche gegen Kaution auf freiem Fuß bleibt. Der gebürtige Kieler darf in seinem Haus nördlich von Auckland auf die Anhörung im Auslieferungsverfahren im August warten. Die USA wollen Dotcom und einigen seiner Mitarbeiter wegen Urheberrechtsverletzungen und Betrugs den Prozess machen.

Dotcom war im Januar in seinem Anwesen in Coatesville bei Auckland festgenommen worden. Gegen seine Freilassung auf Kaution war die Staatsanwaltschaft in Berufung gegangen. Sie fürchtet, dass Dotcom sich mit seiner schwangeren Frau und drei kleinen Kindern nach Deutschland absetzen könnte. Diese Gefahr sah der Richter nicht. Dotcom muss eine elektronische Fessel am Fußgelenk tragen und sei damit ausreichend zu überwachen.

Die US-Behörden werfen Dotcom und seinen Mitarbeitern vor, Copyright-Besitzer in großem Stil um ihre Einkünfte gebracht zu haben. Megaupload sei einer der größten Umschlagplätze für illegale Kopien von Musik und Filmen gewesen. Den Rechteinhabern sei eine halbe Milliarde Dollar Schaden entstanden.

Dotcom weist die Vorwürfe zurück und wehrt sich gegen die Auslieferung. Er darf bis zur Anhörung das Internet nicht benutzen und sein Haus nur mit Genehmigung der Behörden verlassen.

Dotcom selbst beteuert seine Unschuld. Er habe lediglich Speicherplatz zur Verfügung gestellt. Es könne jedoch "Jahre dauern", seine Unschuld zu beweisen, sagte Dotcom vor einigen Tagen. Sein Kampf, gegen Kaution auf freiem Fuß bleiben zu können, sei nur der Anfang. Die "Schlacht" werde im August beginnen, wenn die erste Anhörung im Prozess um seine mögliche Auslieferung an die USA geplant ist. In den USA drohen dem 38-Jährigen bis zu 20 Jahre Haft.

Er wolle auf Dauer in Neuseeland bleiben, sagte Dotcom der Zeitung: "Dies ist das Land, in dem ich leben möchte und wo meine Kinder aufwachsen sollen. Ich liebe es hier."

cis/dpa

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Schwierige Aufgabe
colakirsch 05.03.2012
Die Auslieferung in die USA könnte sich als logistische Herausforderung erweisen. Ich empfehle wahlweise einen Transport mittels Frachtschiff oder einen Flug im Airbus Beluga.
2. Verpennt
Systemrelevanter 05.03.2012
Da hat die Film- und Musikindustrie zwar das 21. Jh. verpennt, aber was stört das, wenn man sich eine Weltpolizei gekauft hat. Bis zu 20 Jahre ist sicher auch absolut angemessen, v.a. im Vgl. zu Kapitalverbrechen, bei den Menschen zu Schaden gekommen sind. Was muss man in Dtl. tun, um 20 Jahre in den Bau zu wandern? Mit einem Räumfahrzeug in eine Kindergruppe fahren? Ob das reicht? Und wir lassen uns das alles gefallen: Ländercodes, nationale Medienbeschränkungen auf YT, Untertitelzwang, Kastration öffentlich rechtlicher Inhalte durch die Privatverlaglobby.
3.
zooman 05.03.2012
Warum ist eigentlich jeder "souveräne" Nationalstaat ein Lakai der US-Regierung? Die wollen alle bösen "Straftäter" am liebsten mit Geschenkband ausgeliefert haben und gleichzeitig sind die USA nicht Mitglied des IStGH...
4. ....
Graphite 05.03.2012
finde es auch Grob was hier passiert! 20 Jahre is ne harte Ansage! Kinderschänder und Mörder bekommen bei weitem nicht so viel. Dass sich unser Rechsstaat von den Rechtevertretern derart erpressen lässt ist verschließt sich mir (thema Mediathek der öffentlichen) .
5. ....
Obi-Wan-Kenobi 05.03.2012
Zitat von Graphitefinde es auch Grob was hier passiert! 20 Jahre is ne harte Ansage! Kinderschänder und Mörder bekommen bei weitem nicht so viel. Dass sich unser Rechsstaat von den Rechtevertretern derart erpressen lässt ist verschließt sich mir (thema Mediathek der öffentlichen) .
in den USA schon :-) UNSER Rechtsstaat? Schmitz befindet sich in Neuseeland. Was erwarten Sie von unserem Rechtsstaat? Dass sich Westerwelle für ihn einsetzt? Nicht vergessen, Schmitz wurde auch hier, in unserem Rechtsstaat, mehrfach verurteilt.
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