Urheberrechtsdebatte: Merkel will Shitstorms trotzen
Bundeskanzlerin Angela Merkel schaltet sich in die Urheberrechtsdebatte ein. "Massenbewegungen im Internet" verzerrten die Debatte, sagte die Kanzlerin vor Filmschaffenden in Berlin. Man dürfe sich nicht "wegducken".
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ein entschlossenes Vorgehen gegen die Verbreitung illegaler Kopien im Internet gefordert. "Wir dürfen uns nicht wegducken bei Massenbewegungen im Internet", sagte sie auf dem Filmempfang der CDU/CSU-Bundestagsfraktion am Freitag in Berlin mit Hinweis auf "Shitstorms" gegen unliebsame Meinungen. Es sei eine große gesellschaftliche Aufgabe, einerseits die Rechte der Kulturschaffenden gegen illegale Nutzung zu verteidigen und andererseits zu lernen, wie man mit den neuen Möglichkeiten des Internets umgeht.
Derzeit würden aus einer "Waffenungleichheit" plötzlich Abstimmungen über Themen erzwungen, nur weil die einen die Technik besser beherrschten als andere. "Und das kann in einer Demokratie nicht sein", betonte die Kanzlerin.
Zuvor hatte die Präsidentin der Deutschen Filmakademie, die Schauspielerin Iris Berben, den Verteidigern illegaler Downloads im Netz Demagogie vorgeworfen. "Einen Gegensatz zwischen Urhebern und Verwertern zu konstruieren, ist schlicht weltfremd und demagogisch." Das Urheberrecht sei ein Grundrecht. Das geistige Eigentum werde akut von Diebstahl bedroht.
Die Urheberrechtsdebatte nimmt unterdessen immer bizarrere Züge an. Eine Gruppe von Krimiautoren ließ sich halbnackt in der Kölner Rechtsmedizin fotografieren, dahinter eine geisterhafte Gestalt mit der Guy-Fawkes-Maske, die zu einem Symbol der Internetguerilla Anonymous geworden ist. "So sehen wir aus, wenn uns die Politik das Urheberrecht nimmt - Geöffnete Körper auf dem Seziertisch der Kölner Rechtsmedizin", kommentieren die Autoren ihre Aktion. Man werde von "Kulturfledderern" bedroht.
cis/Reuters
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