Sicherheitskonferenz NSA-Chef lobt Verschlüsselung

Internetnutzer sollen verschlüsselt kommunizieren dürfen, sagt der Chef des Geheimdienstes NSA, Mike Rogers. Allerdings mit einer Ausnahme: Dann nämlich nicht, wenn seine Behörde sich für die Informationen interessiert .

NSA-Chef Mike Rogers: Im Zweifel für den Geheimdienst
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NSA-Chef Mike Rogers: Im Zweifel für den Geheimdienst


"Verschlüsselung ist nicht schlecht", sagte der NSA-Chef Mike Rogers auf einer Sicherheitskonferenz ist Estland, und zwar, "ZDNet" zufolge, gleich dreimal hintereinander. Allerdings müssten Behörden dann doch Zugang zu verschlüsselter Kommunikation haben, um die Bürger zu schützen.

"Verschlüsselung wird in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen", sagte Rogers, es wäre "lächerlich, das zu leugnen". Die Schwierigkeit bestehe darin, einerseits die Bürger zu schützen und andererseits ihre Privatsphäre zu respektieren. "Es ist nicht 'entweder oder'. Wir müssen beides machen", sagte Rogers.

Immer mehr Unternehmen verschlüsseln seit den Veröffentlichungen des Whistleblowers Edward Snowden die Kommunikation ihrer Kunden. Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden sind deshalb in Sorge darüber, dass auch Kriminelle die nicht entschlüsselbaren Kommunikationsmittel wählen. Strafverfolger fordern deshalb, bei Bedarf die unverschlüsselten Informationen anfordern zu dürfen. Auf Telefongespräche könnten Strafverfolger ja auch bei Bedarf zugreifen, sagte Rogers nun. Die US-Tech-Branche sieht das ganz anders: Erst kürzlich forderten diverse große Unternehmen in einem offenen Brief an US-Präsident Obama "echte, starke Verschlüsselung". Sie betrachten die Aktivitäten der NSA als geschäftliches Risiko.

"Nutzen für alle maximieren"?

Rogers sagte nun: "Wir sollten der Regierung allerdings nicht zu viele Mittel bereitstellen, an die Informationen zu gelangen. Wir müssen Strukturen schaffen, die uns ein legales Arbeiten ermöglichen." Datenschützer hingegen argumentieren, dass es ein Grundrecht sei, verschlüsselt zu kommunizieren.

Auf der Konferenz in Estland plädiert Rogers zudem für ein internationales Internetrecht. Ein zersplittertes, von einzelnen Ländern unterschiedlich geregeltes Internetrecht verhindere den freien Informationsfluss. Er sprach von einem "Seerecht für das Internet". Damit könnte "verlässliche, sichere und widerstandsfähige Kommunikation" sichergestellt werden, "unter Rahmenbedingungen, die den Nutzen für uns alle maximieren", so Rogers.

Dieser Vorschlag passt allerdings nicht so recht zum realen Handeln der Behörde, der Rogers vorsteht: Sie hat das Internet mit einem eigenen Schattennetz aus gekaperten Rechnern und an strategisch wichtigen Punkten platzierten Routern und Servern unterwandert, mit deren Hilfe die NSA und das US Cyber Command nicht nur spionieren, sondern bei Bedarf auch Angriffe auf fremde Rechner und Netze durchführen können. International akzeptierte Verschlüsselungsstandards hat die NSA aktiv sabotiert, um sie leichter knacken zu können, oder versucht sie auf anderem Weg zu umgehen, und zwar nicht gezielt, sondern massenhaft.

kbl/cis



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insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
DocMoriarty 28.05.2015
1. Die beste Verschlüsselung, auch heute noch ...
... ist ein nicht-elektronisches Codebuch. So richtig oldschool mit schreiben und so, falls sich noch wer daran erinnert.
glen13 28.05.2015
2.
Ein "Seerecht" für das Internet ist lange überfällig unds sollte schnellstmöglich in Angriff genommen werden. Das Internet ist nicht national.
bonngoldbaer 28.05.2015
3.
Wenn es Verschlüsselungen gibt, die die NSA nicht knacken kann, muss sie besser qualifiziertes Personal einstellen. Dass ein von Menschen gemachter Code nicht von anderen Menschen entschlüsselt werden kann, ist unvorstellbar.
monolithos 28.05.2015
4.
"Internetnutzer sollen verschlüsselt kommunizieren dürfen, sagt der Chef des Geheimdienstes NSA, Mike Rogers. Allerdings mit einer Ausnahme: Dann nämlich nicht, wenn seine Behörde sich für die Informationen interessiert." Also soll nie verschlüsselt werden. Für was interessiert sich die NSA denn nicht?
FerrisBueller 28.05.2015
5. Was für ein Blödsinn
Es geht doch bei der Entschlüsselung gerade nicht um Kriminelle oder Terroristen sondern ausschließlich um alle anderen. Diejenigen, die etwas zu verbergen haben, nutzen doch schon lange die bestmögliche Verschlüsselung und die dunkelsten Schleichwege durchs Netz. Und wenn die NSA Hintertüren in alle Consumer-Produkte einbaut und an jedem Kabel hängt, werden die richtig gefährlichen Leute auch weiterhin nicht nachverfolgbare Produkte ohne Hintertüren nutzen (ja, die gibt es und wird es immer geben - sie sind oft nur umständlicher zu benutzen). Das Ausspionieren hat einen ganz anderen Grund.
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