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Meldepflicht für Hackattacken: Ministerien wollen IT-Sicherheitsgesetz auf den Weg bringen

Womöglich gibt es noch vor der Bundestagswahl ein IT-Sicherheitsgesetz. Nach Spannungen zwischen Wirtschafts- und Innenministerium gibt es jetzt einen Entwurf, den die Branchenverbände kommentieren sollen - sie werden einiges zu kritisieren finden.

Bundesinnenministerium: Einigung über IT-Sicherheitsgesetz Zur Großansicht
DPA

Bundesinnenministerium: Einigung über IT-Sicherheitsgesetz

Berlin/Hamburg - Der Entwurf für ein Gesetz zur IT-Sicherheit hat offenbar die erste Hürde passiert. Es erscheint deshalb möglich, dass das Gesetz noch in dieser Legislaturperiode in Kraft tritt. Ursprünglich hatte der Entwurf für Spannungen insbesondere zwischen Bundeswirtschafts- und -innenministerium geführt. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) befürchtete dem Vernehmen nach eine zu starke Beanspruchung deutscher Unternehmen durch das Gesetz. Nun wird über den Entwurf des Bundesinnenministeriums von Ministerien und Verbänden beraten.

Ein Sprecher des Bundeswirtschaftministeriums betonte, die Zustimmung des Ministeriums zur Einleitung der sogenannten Ressortkoordination bedeute nicht, dass alle offenen Fragen bereits geklärt seien, das habe das Wirtschaftsministerium auch gegenüber dem Bundesinnenministerium klargestellt. "Weitere Abstimmung" sei erforderlich, die Belange der Wirtschaft müssten Gehör finden.

Der Entwurf wurde nun den betroffenen Branchenverbänden zugeleitet. Das Gesetz soll Mindeststandards der IT-Sicherheit für kritische Infrastrukturen sicherstellen und gleichzeitig eine Meldepflicht für schwerwiegende Hackerangriffe oder andere Beeinträchtigungen enthalten.

Eine weitere Änderung betrifft die Befugnisse des Bundeskriminalamtes (BKA): Es wäre dem Entwurf zufolge künftig auch für eine Reihe von IT-Straftaten gegen "Behörden oder Einrichtungen des Bundes" zuständig, neben Computersabotage etwa auch für das Abfangen und Ausspähen von Daten. De facto würden mit dem neuen Gesetz eine ganze Reihe von anderen Gesetzen verändert: das Gesetz über das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das BKA-Gesetz, das Telemediengesetz und das Telekommunikationsgesetz.

Meldepflicht auch für Telekommunikationsunternehmen

Ein Sprecher des Innenministeriums begrüßte die Entwicklung: "Mit der Zuleitung an die Verbände ist ein wichtiger Verfahrensschritt erreicht." Das Gesetz sei notwendig, damit "Deutschland bei der Sicherheit seiner kritischen Infrastrukturen weiterhin - auch im Hinblick auf die Cybersicherheit - an der Weltspitze bleibt".

Der aktuelle Entwurf, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, enthält eine ganze Reihe von Vorgaben, die Unternehmen, die am Betrieb kritischer Infrastrukturen wie dem Strom- oder Wasserversorgungsnetz beteiligt sind, künftig einhalten müssten. So wären diese Unternehmen verpflichtet, sich an "branchenspezifische Sicherheitsstandards" zu halten, die von den Branchenverbänden erarbeitet und vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) abgesegnet werden müssten. Externe Dienstleister müssten alle zwei Jahre die Einhaltung dieser Standards prüfen und Mängel ans BSI melden. Auch die Betreiber von Kommunikationsnetzen unterlägen mit dem neuen Gesetz einer Meldepflicht bei größeren Störungen oder Hackattacken auf Nutzerdaten.

Auch Medienunternehmen sollen mit dem Gesetz zum "Schutz von Telekommunikations- und Datenverarbeitungssystemen gegen unerlaubten Zugriff" verpflichtet werden. Allerdings mit weit weniger konkreten Anforderungen als sie an die Infrastrukturbetreiber gestellt werden.

Auch der bearbeitete Entwurf enthält eine Meldepflicht für "schwerwiegende Beeinträchtigungen informationstechnischer Systeme, Komponenten und Prozesse" bei den Betreibern kritischer Infrastrukturen. Dieser Punkt war bereits in dem ersten bekanntgewordenen Entwurf des Gesetzes zu finden und hatte mancherorts für Verstimmung gesorgt. Verbände und Unternehmen sehen diese Maßgabe bislang kritisch, nicht zuletzt deshalb, weil gerade börsennotierte Unternehmen durch die verpflichtende Veröffentlichung von Hackattacken Imageschäden und andere Nachteile befürchten.

Das Bundesinnenministerium steht mit seinem Wunsch nach einer gesetzlich verordneten Wehrhaftigkeit im Netz allerdings nicht allein. Auch in den USA sind entsprechende Maßnahmen in Vorbereitung, EU-Kommissarin Neelie Kroes möchte eine Meldepflicht für Cyber-Angriffe auch auf europäischer Ebene einführen.

Update: Wir haben den obigen Artikel um eine konkrete Stellungnahme des Bundeswirtschaftsministeriums ergänzt.

cis

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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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