Mitglieder-Mitbestimmung: Facebook will Demokratie-Farce beenden

Doch lieber Autokratie: Facebook will die ohnehin geringen Möglichkeiten zur Mitbestimmung bei Regeländerungen abschaffen. Die Firma begründet das mit mangelnder Beteiligung - allerdings hat Facebook wenig dafür getan, dass Menschen überhaupt von dem Mitspracherecht erfuhren.

"Facebook Governance"-Seite: Wahlbeteiligung unter der WahrnehmungsschwelleZur Großansicht

"Facebook Governance"-Seite: Wahlbeteiligung unter der Wahrnehmungsschwelle

Facebook will das seit vier Jahren praktizierte Mitbestimmungsrecht der Mitglieder über Änderungen der Nutzungsregeln abschaffen. Der Konzern begründet diesen Schritt so: Das System habe "nicht so funktioniert wie geplant".

Bisher muss Facebook seine Mitglieder über Änderungen der Nutzungsregeln abstimmen lassen, wenn vorher mehr als 7000 Äußerungen zu einem bestimmten Vorhaben eingegangen waren. Damit das Votum bindend ist, müssen mindestens 30 Prozent der inzwischen rund eine Milliarde Facebook-Nutzer ihre Stimme abgeben. Doch dies scheiterte bei den letzten zwei Abstimmungen.

Das könnte allerdings durchaus in Facebooks Interesse sein. Das Unternehmen hat bei den bisherigen Abstimmungen wenig dafür und einiges gegen eine hohe Beteiligung und Bekanntheit getan. Das Verfahren ist so angelegt, dass nur wenige Mitglieder von ihren Mitbestimmungsrechten erfahren:

  • Über geplante, zur Diskussion gestellte Änderungen informierte Facebook bislang nur Mitglieder, welche die Seite "Facebook Site Governance" abonniert haben. Es gab keine Information an alle. Das soll dieses Mal anders sein, Facebook verschickt nun erstmals E-Mails an alle Mitglieder).
  • In den Kommentaren auf der Seite sind Facebook-Mitarbeiter nicht präsent - Elemente des Dialogs mit den Mitglieder sind nicht zu erkennen, hier schreibt man auf eine Klagemauer.
  • Facebook präsentiert die geplanten Änderungen in unübersichtlichen Texten, die man nur mit mehreren Klicks abrufen kann. Einen Vergleich der wichtigsten geänderten Passagen mit den bislang geltenden gibt es nicht.

Es ist erstaunlich, dass ein Online-Riese wie Facebook es nicht schafft, so etwas interaktiver zu gestalten. Bei dem Konzern arbeiten ausgezeichnete Entwickler und Gestalter, es fallen täglich immens viele Daten darüber an, worauf Nutzer klicken und worauf nicht. Wenn bei einem solchen Unternehmen als Mitbestimmungsformat eine Textwurst mit darunter geklebten Forum herauskommt, stimmt etwas nicht.

Kommentieren können die Nutzer derzeit noch zwei Änderungsvorschläge, die Facebook am Mittwoch vorstellte. So will das Netzwerk Beschränkungen im E-Mail-Verkehr zwischen seinen Mitgliedern lockern. Abgeschafft werden soll demnach die Möglichkeit, E-Mails bestimmter Absender grundsätzlich abzulehnen. Diese solle ersetzt werden durch neue Filter. Zudem kündigte Facebook an, Nutzerdaten künftig auch mit Tochtergesellschaften wie dem Smartphone-Foto-Dienst Instagram teilen zu wollen.

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Anmerkung der Redaktion: Facebook wies nach Veröffentlichung dieses Artikels darauf hin, dass dieses Mal auch eine Benachrichtung der Mitglieder per E-Mail vorgesehen ist. Binnen zwei Tagen sollen alle Mitglieder eine Nachricht mit einem Hinweis auf die geplanten Änderungen erhalten.

lis/Reuters

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insgesamt 23 Beiträge
1man1cup 22.11.2012
Als ob das etwas Neues wäre. In der Realität nennt man die Abschaffung der Demokratie vollmundig "there is no alternative".
Als ob das etwas Neues wäre. In der Realität nennt man die Abschaffung der Demokratie vollmundig "there is no alternative".
treppenlaeufer 22.11.2012
...allmaehlich reicht's mir mit Facebook. Vielen Dank fuer Eure Platform, aber ich bin dann mal weg.
...allmaehlich reicht's mir mit Facebook. Vielen Dank fuer Eure Platform, aber ich bin dann mal weg.
Bauer 22.11.2012
Wie sollen dreissig Prozent abstimmen, wenn noch nicht einmal dreissig Prozent der Accounts auf Facebook zu real existierenden Personen gehören? Da gibt es nicht nur eine Menge Doppel-Accounts, sondern auch eine riesige Menge [...]
Wie sollen dreissig Prozent abstimmen, wenn noch nicht einmal dreissig Prozent der Accounts auf Facebook zu real existierenden Personen gehören? Da gibt es nicht nur eine Menge Doppel-Accounts, sondern auch eine riesige Menge Fake-Accounts. Und von den echten Accounts sind sicherlich auch eine Menge überhaupt nicht aktiv. Dass Facebook immer wieder mit der Fantasiezahl "Eine Milliarde" wirbt, ist ja gut und schön. Dass die Presse die Zahl immer wieder unreflektiert verbreitet, ist traurig, aber damit muß man wohl leben. Aber dass Abstimmungen auf dieser Zahl basieren, ist einfach nur wirr.
sample-d 22.11.2012
Das ist sicher eine falsche Unterstellung - aber eine Zahl in die Luft werfen kann man ja mal... Mag sein, dass sich manche für Farmville oder ähnliche Spiele mal einen Zweitaccount angelegt haben - gezählt werden in der [...]
Zitat von BauerWie sollen dreissig Prozent abstimmen, wenn noch nicht einmal dreissig Prozent der Accounts auf Facebook zu real existierenden Personen gehören? Da gibt es nicht nur eine Menge Doppel-Accounts, sondern auch eine riesige Menge Fake-Accounts. Und von den echten Accounts sind sicherlich auch eine Menge überhaupt nicht aktiv.(..)
Das ist sicher eine falsche Unterstellung - aber eine Zahl in die Luft werfen kann man ja mal... Mag sein, dass sich manche für Farmville oder ähnliche Spiele mal einen Zweitaccount angelegt haben - gezählt werden in der Statistik von Facebook allerdings nur Accounts die aktuell genutzt werden. In meinem "Bekanntenkreis" kenne ich auch keinen der aktuell Doppelaccounts oder Fake-Accounts hätte (lediglich Ihren Namen wandeln manche etwas ab, um nicht sofort von Fremden gefunden zu werden - nutzen den Account aber voll, was ja dann nichts mit "Fake" zu tun hat)..
kbank 22.11.2012
Die Pflege und auch (vor allem das Löschen) von persönlichen Daten ist schwer oder gar nicht möglich, die Löschung eines Accounts wird erschwert und später durch "SPAMS" soll wohl tricky reaktiviert werden? Alles in [...]
Die Pflege und auch (vor allem das Löschen) von persönlichen Daten ist schwer oder gar nicht möglich, die Löschung eines Accounts wird erschwert und später durch "SPAMS" soll wohl tricky reaktiviert werden? Alles in allem kein Netzwerk für seriöse Kommunikation, bleibt also nur ein versteckter Nick mit "Einschlaffunktionen" (einfach nicht mehr mitmachen) und wenn die hohe Anzahl von Nicks dann dem Börsenkurs dient, naja so machen die dann wohl noch etwas weiter. Benutzer, den Nutzen einfach umkehren!
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  • Donnerstag, 22.11.2012 – 09:16 Uhr
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Soziale Netzwerke
DPA
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook 845 Millionen aktive Mitglieder weltweit (Dezember 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite.





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