Mitglieder Web-Enquete-Kommission Im Namen des Internets

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17. Teil: Herbert Behrens, Die Linke


Herbert Behrens, geboren 1954, ist gelernter Schriftsetzer und studierter Gewerkschaftssekretär. Für die Linke sitzt er erstmals im Bundestag
DIE LINKE

Herbert Behrens, geboren 1954, ist gelernter Schriftsetzer und studierter Gewerkschaftssekretär. Für die Linke sitzt er erstmals im Bundestag

SPIEGEL ONLINE: Seit wann beschäftigen Sie sich mit Netzpolitik?

Behrens: Im weitesten Sinne seit Mitte der neunziger Jahre. In einem selbst organisierten studentischen Projekt an der Universität Bremen erarbeiteten wir uns damals das Feld "Medien und Gesellschaft" unter dem sozialwissenschaftlichen Blickwinkel. Von Brechts "Radiotheorie" über Winograd/Flores bis hin zu Weizenbaum befassten wir uns mit dem damaligen Stand der Technik, der sozialwissenschaftlichen Diskussion und den gesellschaftlichen Implikationen. Daran anknüpfend werde ich in der Enquete, die vorliegenden Erkenntnisse in Bezug auf Produktionsweise, Lebens- und Arbeitsbedingungen fortentwickeln.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie uns ein konkretes Internet-Phänomen nennen, das Sie in den vergangenen Monaten begeistert hat?

Behrens: Die ePetition gegen das Internetzensurgesetz, die nur über das Internet von einzelnen Personen unabhängig von Partei- oder Verbandsinteressen initiiert wurde. Hier wurde Politik von Unten gemacht! Mit rund 134.000 UnterzeichnerInnen war sie die bis jetzt größte Petition die den deutschen Bundestag erreicht hat und sicherlich werden sich noch viele Initiative zur Einflussnahme auf die Politik im Internet entwickeln.

SPIEGEL ONLINE: Und eines, das Sie erschreckt hat?

Behrens: Die Ausbeutung von persönlichen Daten die das Internet immer weiter durchzieht. Von Suchmaschinen über soziale Netzwerke bis hin zu Videoplattformen werden Nutzerprofile erstellt, mit einander Verknüpft und Verkauft. Dabei leben diese Portale allein von der Mitarbeit ihrer Nutzer, wie ins Netz gestellten selbstgemachten Videos, dennoch wird nicht davor zurückgeschreckt zusätzlich zu der Vermietung von Werbefläche auf der Homepage, die persönlichen Daten der Nutzer hinter ihrem Rücken zu verwerten.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie schon Mal eine Musik- oder Videodatei aus einer Tauschbörse heruntergeladen?

Behrens: Nein, ich selbst nutze Tauschbörsen nicht und kaufe lieber ganz klassisch eine CD oder DVD. Oft stehen Tauschbörsen in der Kritik weil Urheberrechte nicht gewahrt werden. Mir ist wichtig das Künstler angemessen bezahlt werden und Kunst und Kultur gefördert wird. Das Prinzip welches hinter Tauschbörsen steht, nämlich nicht kommerzielle Netzwerke in denen freiwillig überschüssige private Ressourcen freigegeben werden begrüße ich. Solche Ansätze finden sich auch in der Forschung: Nutzer können die ungenutzte Rechenleistung ihrer Computer beispielsweise zur Verfügung stellen um mathematische oder medizinische Aufgaben zu berechnen.

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insgesamt 5 Beiträge
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bluearoma 05.05.2010
1. Zeit- und Geldverschwendung
es sollen Abgeordnete das Internet erkunden? Wer das erst jetzt tut, der kommt um Jahre zu spät. Das sollte schon lange in Fleisch und Blut übergegangen sein. Wenn man dazu noch die Stellungnahmen der meisten Abgeordneten sieht, das z.b. diese es nicht gutfinden, das junge Leute zuviele pers. Daten veröffentlichen und selber fast alle bei Facebook sind, weil es wahrscheinlich grad in ist, dann passt das nicht zusammen(siehe z.B. Sicherheitsbewertung von Facebook und Co bei Stiftung Warentest). Ich sehe auch keinen Einzigen im jugendlichen Alter im Gremium. Das mag zwar am Bundestag liegen, wo es keine solch jungen Leute gibt, aber gerade der Teil der Bevölkerung, der mit dem Medium aufwächst(also ab 12 aufwärts) und es im zunehmenden Masse nutzt und gar durchs Nutzerverhalten verändert ist nicht vertreten. Haben unsere Abgeordneten denn nichts Besseres zu tun? Soll so Bürgernähe vermittelt werden? So möchte ich mein Geld auch gern verdienen. Schön surfen und dann irgendwann irgendetwas schreiben, was dann wahrscheinlich eh keinen interessiert oder die relevante Zielgruppe als veraltet abtut..
shi 05.05.2010
2. Piraten
keiner von der Piratenpartei dabei... nur die Parteien, die sich zuletzt mit diesem hirnrissigen Internetsperren-Gesetzt blamiert haben. Zum Glück liegt die digitale Zukunft nicht in deren Händen.
V for Vendetta 05.05.2010
3. Experten? Wo?
Mich dünkt, der Großteil der sogenannten "Experten" sollte richtigerweise mit "Lobbyisten" tituliert werden. Expertentum (=Sachverstand) kann ich da oftmals wenig erkennen. Eine (eigene) Agenda aber wohl.
Zahnpastor 05.05.2010
4. Axel E. Fischer
Wenn Axel E. Fischer als Vorsitzender der Kommission behauptet vielerorts fehle es an Medienkompetenz, so darf man zumindest in dieser Hinsicht sicher sein, dass er weiß wovon er spricht. Das Interview das er im März diesen Jahres dem Deutschlandradio gab spricht Bände: http://www.bruchsal.org/story/axel-e-fischer-kommt-selbst-zu-wort
serdna 06.05.2010
5. Martin Dörmann, SPD
Also mit diesem Herrn hatte ich mal einen e-mail Verkehr, bei dem es eben darum ging, also um Kompetenz. Er teilte mir daraufhin mit, er sei Volljurist, und könne von daher alles abschätzen. Ich würde sagen, unter Berücksichtung von katastrophalen Ausschreibungen (Software bei e-peitionen, die nicht lauffähig ist und bis heute primitivst Stand, die aber nach Verlautbarungen des deutschen Bundestages vorderste Front der Technick ist, nach 400 Millionen Euro in e-lerning Portale, wobei keines läuft, nach mäßiger Teilnahme bei Abgeordneten Watch, nach Nichtkapieren, dass auf den meisten DVDs / CDs freies Material ist, die Abgabe der ZPÜ schwachsinnig ist etc. etc. etc. etc) haben wir es mit einer ABM Maßnahme zu tun, allerdings mit einer teuren. Löblich ist, dass der Herr Dörmann überhaupt geantwortet hat, die anderen, die in dergleichen Sache angemailt wurden, haben gar nicht geantwortet. Ich würde sagen, man schickt die erst mal in einen soliden Volkshochschulkurs, da kann ruhig auch ein bisschen Programmierung und Serveradministration dabei sein, also richtig hartes Wissen, dann Geschäftsmodelle, dann ordentliche Prüfung, so wie sich das gehört und dann dürfen sie irgendwo ein Kommissiönchen bilden. Aber Laien und Narren auf Kosten des Steuerzahlers in eine ABM Maßnahme zu schickern ist ja wohl albern.
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