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06. Juni 2012, 11:13 Uhr

Präsidentschaftskandidat

Mitt Romneys E-Mail-Account geknackt

Der Name eines Lieblingstiers gewährte angeblich Zugang zu Mitt Romneys E-Mails: Einem US-Blog zufolge hat ein Unbekannter die Antwort auf Romneys Sicherheitsfrage erraten und so den Account des Präsidentschaftskandidaten geknackt. Dessen Mitarbeiter schalteten die Behörden ein.

Washington - Der private E-Mail-Account des republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney ist offenbar Ziel eines Hackerangriffs geworden. Dem US-Blog Gawker zufolge handelt es sich nicht um einen Hack im engeren Sinne - der anonyme Tippgeber habe lediglich die Antwort auf die Sicherheitsfrage des E-Mail-Accounts erraten. Es ging dabei um ein Lieblingshaustier. Anschließend habe der Angreifer das Passwort geändert und "Gawker" über seine Aktion informiert. Der Hacker habe sich zudem mit demselben Passwort Zugang zu Romneys Dropbox-Konto verschafft, einem Online-Speicher.

Yahoo News zitiert die Sprecherin mit den Worten, "die zuständigen Behörden untersuchen dieses Verbrechen", weitere Kommentare werde man jedoch nicht abgeben. Sie wollte nicht bestätigen, dass es sich um Romneys Hotmail-Account handelte, und gab auch keine Auskunft darüber, ob er diesen aktiv nutze oder welche Daten gefährdet worden sein könnten.

Romney ist nicht der erste US-Politiker, der die Sicherheit seiner E-Mails während eines Präsidentschaftswahlkampfes gefährdet sah. 2008 verschaffte sich jemand Zugang zum E-mail-Konto von Vize-Präsidentschaftskandidatin Sarah Palin und stellte eine Reihe von E-Mails und Familienfotos ins Netz. Die US-Bundespolizei identifizierte den Hacker als einen Studenten aus dem Bundesstaat Tennessee, der daraufhin zu einem Jahr Haft verurteilt wurde. Palin geriet vorübergehend in Schwierigkeiten, weil sie ihren privaten E-Mail-Account auch für Dienstgeschäfte benutzt hatte, was in den USA nicht gestattet ist.

Gawker verhielt sich in Reaktion auf den Hinweis auf Romneys E-Mails korrekt: Obwohl der anonyme Tippgeber das angeblich von ihm geänderte Passwort mitschickte, unterließen es die Journalisten, einen Blick in den Account zu wagen, sondern informierten Romneys Mitarbeiterstab, der daraufhin anscheinend die Polizei einschaltete.

Romney hat offenbar durchaus Grund, über potentielle E-Mail-Lecks besorgt zu sein. Das "Wall Street Journal" veröffentlichte erst am Dienstag E-Mails, die Romney mit Mitarbeitern im Zusammenhang mit einer heute umstrittenen Krankenversicherungsreform in seiner Zeit als Gouverneur von Massachusetts ausgetauscht hatte. In diesen E-Mails taucht auch die Adresse mittromney@hotmail.com auf - gut möglich, dass der Account-Einbrecher erst durch die "WSJ"-Veröffentlichung auf die Idee zu seinem Fischzug kam. Dass Romney auch in seiner Zeit als Gouverneur einen privaten E-Mail-Account für dienstliche Angelegenheiten benutzte, war schon vor Monaten kritisiert worden.

cis/AFP

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