U-Bahn-Sicherheitssystem Moskaus Metro wird mit Handy-Überwachung ausgerüstet

Millionen Fahrgäste, Millionen Handykennungen: Sicherheitsbehörden wollen in Moskaus Metro ein Sensornetz installieren. Es soll automatisch Kennungen von Handys auslesen, mit Datenbanken abgleichen. Per Videoüberwachung sollen die Kennungen Passagieren zugeordnet werden.

Haltestelle Komsomolskaya: Mit Moskaus Metro fahren täglich Millionen Passagiere
AFP

Haltestelle Komsomolskaya: Mit Moskaus Metro fahren täglich Millionen Passagiere


Russische Sicherheitsbehörden wollen Handys von Reisenden in der Moskauer Metro überwachen. Die Tageszeitung "Iswestia" berichtet über entsprechende Pläne, zitiert einen Vertreter der Polizei. Der behauptet, Ziel des Systems sei es, gestohlene Handys aufzuspüren. Das soll so funktionieren: In U-Bahnhöfen und Zügen werden Identifikationsnummern von Handys im Umfeld eines Sensors automatisch abgefragt. Diese Kennungen gleicht eine Software mit einer Datenbank als gestohlen gemeldeter Geräte ab, bei einer Übereinstimmung kann per Videoüberwachung nach dem Träger das Smartphones gesucht werden.

Zu den technischen Details steht im Artikel der "Iswestia" wenig. Aber wenn das System wie beschrieben funktionieren soll, dürften wohl sogenannte IMSI-Catcher zum Einsatz kommen. Das sind spezielle Überwachungshelfer, die sich zwischen Handys und Funkzellen schalten. Sie geben sich gegenüber Handys als besonders leistungsstarker Funkmast aus, die Geräte buchen sich ein. Dann leiten die IMSI-Catcher den Funkkontakt an die tatsächlichen Funkzelle weiter.

IMSI-Catcher fragen Kennungen unbemerkt ab

Auf diesem Weg lässt sich unter anderem automatisch die eindeutige IMSI-Kennung (International Mobile Subscriber Identity) der eingebuchten Geräte lesen und speichern. Wahrscheinlich bezieht sich der von der "Iswestia" zitierte Polizei-Sprecher auf diese Kennung. Sie ändert sich bei einem Wechsel der Sim-Karte nicht.

Wenn die Sensoren wie beschrieben mit Überwachungskameras vernetzt werden, könnte man mit etwas Mühe IMSI-Kennungen einzelnen Passanten zuordnen. Wenn Kameras und IMSI-Catcher durchdacht positioniert sind, lassen sich anhand der Bewegungsprofile in den überwachten Bereichen womöglich Personen und IMSI-Kennungen einander zuordnen. Die deutsche Polizei nutzt regelmäßig IMSI-Catcher, beispielsweise bei Demonstrationen.

Mit IMSI-Catchern lässt sich auch die GSM-Verschlüsselung aushebeln, so dass man Telefonate abhören kann. Davon ist im Bericht "Iswestia" nicht die Rede, allerdings wäre es verwunderlich, wenn eine Ausweitung der Überwachung auf andere Einsatzzwecke nicht vorgesehen ist. Bei Sprengstoff-Anschlägen in der Moskauer Metro starben 2010 38 Menschen, die Metro ist eines der wichtigsten Verkehrsmittel in der Metropole und wird täglich im Schnitt von mehr als sechs Millionen Fahrgästen genutzt.

Laut dem russischsprachigen Dienst der BBC wird die Installation der Überwachungstechnik Ende 2013, Anfang 2014 beginnen.

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mastermatter 30.07.2013
1. IMSI vs IMEI
eine ISMI ist der jeweiligen SIM zugeordnet eine IMEI ist dem jeweiligen Gerät zugeordnet. Folglich kann man mit IMSI eine SIM Karte / Handy Nr. aufspüren aber nur sehr bedingt gestohene Smartphones. IMSI Catcher werden dort allerdings garantiert zum Einsatz kommen, denn was interessiert die Behörten ob ein GERÄT gestohlen wurde ? Richtig: gar nicht. Es geht lediglich um Bewegungsprofile der eigenen Bevölkerung zu erstellen...
Olaf 30.07.2013
2.
Zitat von mastermattereine ISMI ist der jeweiligen SIM zugeordnet eine IMEI ist dem jeweiligen Gerät zugeordnet. Folglich kann man mit IMSI eine SIM Karte / Handy Nr. aufspüren aber nur sehr bedingt gestohene Smartphones. IMSI Catcher werden dort allerdings garantiert zum Einsatz kommen, denn was interessiert die Behörten ob ein GERÄT gestohlen wurde ? Richtig: gar nicht. Es geht lediglich um Bewegungsprofile der eigenen Bevölkerung zu erstellen...
Doch, das interessiert die schon. Das wechseln von SIM-Karten (und damit der Telefonnummer), um Spuren zu verwischen ist üblich bei Kriminellen. Durch die IMEI kann man das Gerät aber trotzdem verfolgen.
schweineigel 30.07.2013
3. In den Tunneln
sollte es theoretisch gar keinen Kontakt geben -- die Signale schaffen es gar nicht bis zu dem nächsten Mast draußen. Dass es tatsächlich funktioniert, liegt an eigenen Sendeanlagen in der U-Bahn, und die kann man sowieso ganz leicht anzapfen. Beziehungsweise kann man ein Handy zur Identifikation aufrufen, wenn eine Sperre durchlaufen wird, und dann kann man ein Foto machen oder einfach nur das exakte Gewicht messen. Wenn sich das zwischen Eintritt und Weggang ändert, kann eine "Handyübergabe" stattgefunden haben -- also wahrscheinlich ein Diebstahl. Dann kann man genauer nachhaken.
mastermatter 31.07.2013
4. @Olaf
gestohlene Geräte werden von Schwerkriminiellen aber nicht genutzt... und der Wert eines gestohlenen Smartphones beläuft sich max. auf einige hundert Euros und ist somit für die Staatsorgane absolut uninteressant.
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