Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Musikerkennungs-App: Shazam wird Videotext

Nach der Plattenindustrie soll Shazam nun auch den TV-Markt erobern. Die neueste Version der Musikerkennungs-App weiß, was gerade im Fernsehen läuft und zeigt passende Hintergrundinfos an, bald auch in Europa. Für Programmplaner und Anzeigenverkäufer ist das ein Traum - und für Zuschauer?

Musikerkennungs-App Shazam: Künftig auch TV-Funktionen Zur Großansicht

Musikerkennungs-App Shazam: Künftig auch TV-Funktionen

Ab jetzt weiß Shazam, was im Fernsehen läuft. In einer Pressemitteilung hat die Betreiberfirma mitgeteilt, mit der aktuellen Programmversion sämtliche US-Fernsehprogramme an ihren Geräuschen erkennen und passende Informationen zum laufenden Programm anzeigen zu können: welche Musik gerade im Hintergrund der Serie läuft, welche Schauspieler mitspielen, was am Set passierte, was bei Twitter- und in den Blogs gelästert wird; bei Sportveranstaltungen soll das neue Shazam Informationen zu Punktestand und Spielplänen anzeigen. Darüber hinaus soll die App noch tiefer in die sozialen Netzwerkdienste der Nutzer eindringen und zum Beispiel Facebook-Likes der Freunde (nicht nur zu Musik und Filmen) anzeigen und kommentierbar machen.

Shazam wird damit zum modernen Videotext - der nicht auf dem Hauptbildschirm, sondern dem in den vergangenen Monaten vielbeschworenen "Second Screen" läuft, dem parallel zum Fernseher eingeschalteten Smartphone oder Tablet-Rechner, der mobilen Spielkonsole oder dem Computer-Bildschirm.

Shazam könnte damit aber auch zur ersten Software werden, die wirklich erfolgreich die Brücke zwischen den Medien Internet und Fernsehen schlägt - und damit in Sachen Mediennutzung den Kunden doch nur hinterher rennt. Denn die tun natürlich längst all das, was Shazam erleichtern soll: Surfen, während des Fernsehens.

Der "Second Screen" als neue Werbefläche

Die wahren Adressaten der Pressemitteilung der neuen Shazam-Version dürften also nicht unbedingt nur die 250 Millionen Kunden sein, sondern die potentiellen Anzeigenverkäufer, Marktforscher und Programmplaner aus der Fernsehbranche. Denn die können künftig Echtzeit-Zuschauerdaten günstig erfassen, sie mit dem Surf- und Like-Verhalten einzelner Nutzer kombinieren, neue Nutzer-Profile und -Idealtypen erfassen, punktgenau Werbung platzieren - zum Beispiel nicht in der Werbepause, sondern im gerade passenden Läster-Blog - und mit Lockangeboten wie "Tagge den Werbespot!" noch mehr Bezug zwischen Fernsehangebot und Zuschauer herstellen. Programmankündigungen, Gewinnspiele, Hintergrund- und Zusatzinformationen können auf den "Second Screen" verschoben werden - der auch noch eingeschaltet bleibt, wenn das Fernsehgerät längst dunkel ist.

Gemessen am anhaltenden Erfolg des Fernsehens, dürfte das tatsächlich ein Zukunftsmarkt sein - in dem Shazam nicht alleine unterwegs ist. Zum Beispiel IntoNow ist eine App von Yahoo, die Fernsehzuschauer zum "sozialen Fernsehen" vernetzen soll - und dazu auch auf die Audioerkennung des laufenden Programms setzt. Aber Shazam hat einen unschätzbaren Vorteil gegenüber der Konkurrenz: 250 Millionen Menschen weltweit haben die App schon einmal auf ihrem Smartphone installiert, um mit ihr Musik erkennen zu können. Sie alle werden intuitiv verstehen, wie Shazam auch für das Fernsehen funktionieren soll.

Update: Die PR-Agentur von Shazam hat nach Erscheinen dieses Artikels mitgeteilt, die TV-Dienste würden "in Europa und Deutschland in den nächsten Monaten eingeführt werden".

kno

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Nicht wirklich, oder?
Vier 17.09.2012
Noch freundlicher kann man den Werbetreibenden die eigenen Vorlieben und Interessen nicht überreichen, oder? So ein sozialer Megaquatsch! *BARF*
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Zum Autor
  • Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

Netzwelt auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel.


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: