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Twitter-Mem: Muslimisches Spottgetwitter

Das Titelbild des US-Magazins "Newsweek" hat im Netz für "muslimische Wut" gesorgt: Auf das Foto von erbosten Demonstranten gegen das Mohammed-Schmähvideo reagieren muslimische Internetnutzer mit Humor. Sie wollen zeigen, dass die wirklich Wütenden eine Minderheit sind.

Schlagzeile "Muslim Rage": Muslimische Twitterer reagieren mit Humor Zur Großansicht
DPA

Schlagzeile "Muslim Rage": Muslimische Twitterer reagieren mit Humor

Es war ein Bild von wütenden Muslimen, das andere Muslime erst wütend machte - und über Twitter machen sie sich jetzt Luft. Das Foto prangte auf der Titelseite des US-Nachrichtenmagazins "Newsweek", der dazugehörige Artikel kritisierte die gewalttätigen Proteste gegen das Mohammed-Schmähvideo in der vergangenen Woche. Auf dem Bild zu sehen waren wütende Demonstranten, darunter in großen Lettern die Worte, die jetzt übers Netz um die Welt gehen: "Muslim Rage" (muslimische Wut). Für den aggressiven Aufmacher erntete das Blatt unter jungen muslimischen Internetnutzern vor allem eines: Spott.

Das Internetphänomen um die Titelgeschichte kam ins Rollen, nachdem "Newsweek" selbst eine Umfrage gestartet hatte. Unter dem Hashtag #Muslimrage sollte auf Twitter über den Text diskutiert werden. Das geschah zunächst auch: Viele Muslime beschwerten sich über die ihrer Meinung nach zu negative und klischeehafte Darstellung ihrer Religion; in der Nacht zum Dienstag wechselten die Twitterer schließlich die Tonart und wurden sarkastisch.

Wütend, weil der Badeschaum leer ist

"Ich bekomme muslimische Wut, wenn meine Haare super aussehen und es keiner sieht", twitterte eine Libyerin mit Kopftuch. "Der Kellner hat mir nicht gesagt, dass ich Schweinefleisch esse. Ich war so sauer, dass mir das Weinglas aus der Hand fiel", schrieb ein junger Araber. Ein anderer Twitter-Nutzer klagte: "Ich bekomme muslimische Wut, wenn ich meinen Neffen in der Flughafenhalle verloren habe und ich nicht nach ihm rufen kann, weil sein Name 'Dschihad' ist". Dschihad ist ein weit verbreiteter Vorname.

Für Lacher sorgte eine Fotostrecke der US-Website Gawker mit der Überschrift "13 starke Bilder zum Thema muslimische Wut", die als Gegenstück zum "Newsweek"-Cover gedacht ist, das aufgebrachte Muslime mit wutverzerrten Gesichtern zeigt. Auf den Fotos sind unter anderem irakische Breakdancer und ein kleines ägyptisches Mädchen im rosafarbenen Anorak zu sehen.

Inzwischen zieht die "muslimische Wut" immer weitere Kreise: Bei Tumblr gibt es ein Blog, auf dem Muslime Fotos von sich in vermeintlicher Rage mit wütendem Gesicht zeigen, darunter nennen sie den vermeintlichen Grund. Was da so drunter steht, erinnert schon ein wenig an die bekannte Mem der "First World Problems": Eine junge Frau schreibt als Grund für ihre "Wut", ihre Katze habe sich durch ihre Kopfhörer geknabbert, eine andere beschwert sich, ihr sei der Badeschaum ausgegangen.

In der Blog-Beschreibung schreibt der Betreiber oder die Betreiberin: "Es gibt Menschen, die wahrscheinlich genau in diesem Moment sehr bedächtige, intelligente und überzeugende Stücke über dieses Phänomen schreiben. Ich wähle den Humor."

juh/dpa

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