Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Plattform für Drogenhandel: FBI verhaftet mutmaßlichen Silk-Road-Betreiber

Von und

Die Internetplattform Silk Road ist eine Anlaufstelle für Drogenhändler und -konsumenten. Ihr Betreiber prahlte erst kürzlich in einem Interview mit seinen Erfolgen. Das FBI hält den Mann für "The Dread Pirate Roberts" und hat ihn jetzt verhaftet.

Virtuelle Währung Bitcoin: Silk-Road-Betreiber verhaftet? Zur Großansicht

Virtuelle Währung Bitcoin: Silk-Road-Betreiber verhaftet?

San Francisco - Der Betreiber der Internet-Handelsplattform Silk Road ist laut Nachrichtenagentur Reuters verhaftet worden. Silk Road wurde bekannt als Handelsplatz für illegale Drogen, als Zahlungsmittel wurde die Hacker-Währung Bitcoin verwendet. Das FBI teilte Reuters zufolge mit, man habe den Betreiber der Plattform verhaftet.

Der Mann, dessen Name mit Ross W. U. angegeben wird, soll der gleiche sein, der unter dem Pseudonym "Dread Pirate Roberts" jahrelang die Plattform Silk Road betrieben hatte. Zu erreichen war die Seite nur über das Anonymisierungsnetzwerk Tor. U. wird der Klageschrift zufolge Verschwörung zum Drogenhandel, Verschwörung zum Hacken von Computern und Verschwörung zur Geldwäsche vorgeworfen.

Die Ermittler erwähnen in der Klageschrift mehrere Profile in sozialen Netzwerken, die U. gehören sollen. Den Informationen auf diesen Seiten zufolge hat der 29-jährige Verdächtige Physik studiert, später arbeitete er als Assistent bei der Materialforschung an einer Universität. Laut diesem Profil engagierte U. sich bei wohltätigen Organisationen, er sammelte von Privatleuten gebrauchte Bücher ein, die dann Häftlingen geschenkt wurden. In einem seiner Profile hat der Verdächtige einen Text hinterlassen, der wie ein Abschied aus dem alten Leben klingt:

"Nun habe ich neue Ziele. Ich will Wirtschaftstheorien dafür nutzen, Zwang und Aggression abzuschaffen. (…) Am häufigsten und systematischsten wenden Regierungen und Institutionen Gewalt an. Deshalb konzentriere ich meine Bemühungen auf diesen Bereich. Der beste Weg, die Regierung zu verändern, ist es, das Bewusstsein der Regierten zu verändern. Deshalb werde ich eine wirtschaftliche Simulation starten, um Menschen eine Erfahrung aus erster Hand zu bieten, wie es wäre, in einer Welt ohne systematische Gewaltanwendung zu leben."

In der Anklageschrift wird Ross U. auch vorgeworfen, eine Person mit einem Mord beauftragt zu haben. Getötet werden sollte ein Silk-Road-Nutzer, der drohte, die Identität von Händlern der Plattform zu veröffentlichen. Angeblich hat Ross U. umgerechnet 150.000 Dollar für den Mord in Kanada bezahlt. Ihm wurde laut Klageschrift vom mutmaßlichen Killer als Bestätigung ein Foto der Leiche mit vorab abgesprochenen Codes gemailt. Laut FBI konnte in Kanada bislang keine Leiche und keine Person mit dem Namen im Mordauftrag gefunden werden.

Paket mit gefälschten Dokumenten abgefangen

In der Klageschrift finden sich Hinweise darauf, wie die Ermittler U. auf die Spur gekommen sein könnten: Bei Routinedurchsuchungen wurde ein Paket mit gefälschten Dokumenten abgefangen, das aus Kanada nach San Francisco geschickt wurde. Ermittler trafen an der Empfängeradresse den Verdächtigen U. Sein Porträtfoto war auf allen gefälschten Dokumenten.

Die Ermittler haben offensichtlich nach diesem Zufallstreffer mit U.s echtem Namen Informationen über ihn gesammelt: Postings über versteckte Tor-Dienste in Programmiererforen. Von Google erhielten die Ermittler IP-Adressen, von denen aus der Verdächtige sein Google-Mail-Konto abrief. Das FBI hatte zudem offenbar Zugriff auf Server, die die Silk-Road-Betreiber nutzten. In der Klageschrift wird genau beziffert, wie hoch das Bitcoin-Guthaben zu bestimmten Uhrzeiten an bestimmten Tagen auf jenen Konten war, die für den Silk-Road-Treuhanddienst genutzt wurden.

"Wir haben den Drogenkrieg gewonnen"

Die Ermittler zitieren auch aus privaten Nachrichten, die der Silk-Road-Betreiber mit angestellten Administratoren austauschte. In der Klageschrift steht, man habe diese Kommunikation von einem Silk-Road-Server kopiert.

Einem Journalisten, der für das Magazin "Forbes" arbeitet, sagte der Silk-Road-Betreiber in einem Interview, das vor einigen Monaten erschien, er habe eine politische Botschaft: "Es geht hier nicht ums Drogenkaufen oder darum, dem Staat eins auszuwischen. Es geht darum, für unsere Rechte als Menschen einzustehen und um die Weigerung nachzugeben, wenn wir nichts Falsches getan haben."

Silk Road war dank Medienberichten die wohl bekannteste von mehreren im Tor-Netzwerk versteckten Plattformen für den Handel mit Illegalem, der Dienst war von Anfang 2011 an unter verschiedenen Adressen online. Verkäufer boten dort beispielsweise gepanzerte Fahrzeuge, MDMA in kristalliner Form und Kokain an. "Wir haben den Drogenkrieg des Staates dank Bitcoin gewonnen", sagte "Pirate Roberts" dem Magazin "Forbes".

Der Informatiker Nicolas Christin von der Carnegie Mellon University hatte 2012 sechs Monate lang alle für eingeloggte Nutzer zugänglichen Angebote auf der Plattform ausgewertet. Seinen Erkenntnissen zufolge wurden vor allem Drogen, rezeptpflichtige Medikamente und Amphetamine angeboten. Christin schätzte den Umsatz der Händler auf Silk Road auf 1,9 Millionen Dollar, die Einnahmen der Betreiber aus Gebühren für den Treuhand-Service auf 143.000 Dollar monatlich.

Der Autor auf Facebook

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 39 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Eben noch bei SPON
raumbefeuchter 02.10.2013
"Forscher erklären Kampf gegen Drogen für gescheitert" http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/weltweiter-kampf-gegen-drogen-vor-dem-scheitern-a-925477.html
2. Wenigstens arbeiten da noch Beamte
hubie 02.10.2013
kwt.
3. Schade
derpif 02.10.2013
Das ist zwar schade, und Roberts hat mein Mitgefühl. Das wird jetzt natürlich als dicker Erfolg gewertet. Dabei sind 1,9 Millionen Dollar unbedeutende Peanuts im internationalen Handel. Und auch keiner der Konsumenten wird jetzt einen Engpass haben. Aber wen interessiert das, der War on Drugs dient ohnehin nur dem Zweck die Staatkassen und Gefängnisse zu füllen und nicht dem Schutz der total dummen Bevölkerung, die natürlich sofort geschlossen Heroin und Crack konsumieren würde bis zum Umfallen, wäre es doch nur legal.... Na denn Prost, hoch die Tassen!
4. wer's glaubt
humbahumba 02.10.2013
Maerchengeschichten um zu zeigen wie wichtig die Schnueffler sind und dass jeder beschnueffelt werden muss zur eigenen Sicherheit. Habt ihr Beweise fuer diese Stories oder verbreitet ihr hier nur Geheimdienst-Propaganda?
5. Bild unpassend
nebukadsnezar 02.10.2013
Das Bild ist ja mal sehr unpassend. Geht es hier doch in erster Linie um eine Handelsplattform für Drogen und nicht um Bitcoins. Das wäre als wenn man bei dem Massaker in Kenia ein Bild von einigen Kenia-Schilling nehmen würde.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: