Abhörprogramm Mystic NSA schneidet alle Telefonate eines Landes mit

Komplette Überwachung: Für 30 Tage speichert die NSA laut "Washington Post" sämtliche Telefonate, die in einem bestimmten Land geführt werden. Das gewaltige Abhörprogramm Mystic solle zudem auf weitere Staaten ausgedehnt werden.

NSA-Hauptquartier in Fort Meade: "Mehr, als die Bandbreite hergab"
DPA

NSA-Hauptquartier in Fort Meade: "Mehr, als die Bandbreite hergab"


Washington - Die NSA kann offenbar auch in die Vergangenheit horchen: Der US-Geheimdienst verfügt einem Zeitungsbericht zufolge über die Fähigkeit, alle Telefonate in einem Staat aufzuzeichnen und bis zu einen Monat zu speichern. Damit könne die NSA die Telefongespräche rückwirkend abhören, so die "Washington Post". Die Zeitung publizierte flankierend Dokumente des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden und beruft sich zudem auf "Personen mit direkten Kenntnissen" der betreffenden Programme.

Die Überwachungsinstrumente mit den Namen Mystic und Retro würden wie eine "Zeitmaschine" funktionieren, heißt es in dem Bericht. Die NSA könne Gespräche auch dann abhören, wenn eine verdächtige Person zum Zeitpunkt des Telefonats noch gar nicht im Blickfeld des Geheimdienstes gewesen sei. Mystic scheint dabei die Datenbank zu heißen, in der die Telefonmitschnitte gespeichert werden, Retro ist ein Werkzeug, mit dem sich diese Datenbank durchsuchen lässt und Mitschnitte abgezweigt werden können.

Fünf oder sechs weitere Länder auf der Liste

Das System wird den Angaben zufolge seit 2011 gegen das erste Zielland eingesetzt. Die "Washington Post" erklärte, man werde den Namen dieses Landes auf Bitten der US-Regierung nicht nennen. Auch die Information, in welchen Staaten das Programm in Zukunft zum Einsatz kommen könnte, hält die Zeitung zurück.

Sie berichtet jedoch, dass der Geheimdiensthaushalt für das Jahr 2013, den Snowden ebenfalls bei seiner Flucht mitnahm, einen Verweis auf fünf weitere Staaten enthalte, für die das Programm Mystic "umfassende Metadaten und Inhalte" liefere. Ein weiteres, sechstes Land habe im Oktober hinzugefügt werden sollen.

In einem Dokument, das die "Washington Post" veröffentlichte, ist zu lesen, an einer bestimmten Datensammelstelle der NSA sei "mehr gesammelt und nach Hause geschickt worden, als die Bandbreite hergab". Die Übertragungs- und Speicherkapazität für die unglaublichen Datenmengen, die der Geheimdienst erfasst, gehören offenbar zu den zentralen Problemen der NSA, das zeigt sich hier einmal mehr.

Journalismus als Gefahr für die nationale Sicherheit

Eine Sprecherin des nationalen Sicherheitsrats der USA wollte den Bericht gegenüber der "Washington Post" nicht kommentieren, sagte aber "neue und im Entstehen begriffene Bedrohungen" seien "oft im großen und komplexen System der internationalen Telekommunikation verborgen", was zur Folge hätte, dass "die Vereinigten Staaten konsequent massenhafte technische Aufklärung betreiben müssen, um diese Bedrohungen zu identifizieren". Eine NSA-Sprecherin behauptete einmal mehr, Berichte über die Spionageaktivitäten des Geheimdienstes gefährdeten die nationale Sicherheit der USA.

Eine unabhängige Kommission hatte im Dezember mehr als 40 Vorschläge zur Reform der NSA-Programme vorgelegt, die der US-Präsident aber nur teilweise umsetzt. Den Vorschlag, bei der Massenüberwachung zufällig miterfasste Telefonate und E-Mails von US-Bürgern standardmäßig "bei Entdeckung zu löschen" akzeptierte Barack Obama beispielsweise nicht.

In einer Rede Mitte Januar versprach Obama unter anderem, ein Programm zur Sammlung der Telefonverbindungsdaten von US-Bürgern in seiner jetzigen Form zu beenden. Außerdem sagte er einen stärkeren Schutz der Privatsphäre ausländischer Bürger zu und verbot die Überwachung eng verbündeter Staats- und Regierungschefs. Grundsätzlich hielt Obama aber an den Spähprogrammen der NSA fest.

cis/AFP



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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
Untertan 2.0 19.03.2014
1. Bedrohung
---Zitat--- "neue und im Entstehen begriffene Bedrohungen" seien "oft im großen und komplexen System der internationalen Telekommunikation verborgen" ---Zitatende--- Bedrohungen für was oder wen? Demokratie und Rechtsstaatlichkeit werden derzeit vor allem von Geheimdiensten wie diesem bedroht.
Naclador 19.03.2014
2. Und Sie?
"Das System wird den Angaben zufolge seit 2011 gegen das erste Zielland eingesetzt. Die "Washington Post" erklärte, man werde den Namen dieses Landes auf Bitten der US-Regierung nicht nennen. Auch die Information, in welchen Staaten das Programm in Zukunft zum Einsatz kommen könnte, hält die Zeitung zurück." Der Spiegel hat die Snowden-Files doch auch. Dann schauen Sie doch mal nach, gegen welches Land Mystic eingesetzt wird.
nibal 19.03.2014
3. Bitte keine Propaganda Verniedlichungen
(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer unbefugt: 1. das nichtöffentlich gesprochene Wort eines anderen auf einen Tonträger aufnimmt Es ist Abhören und erfüllt den Strafbestand der Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes ab der Sekunde in der aufgezeichnet wird. Es gibt hier keine Verniedlichung, keinen Spielraum und keine Legitimation. Was Amerika tut ist hochgradig illegal, illegitim und durch nichts zu entschuldigen! Zeitmaschine - so etwas lächerliches! Albert Einstein würde sich im Grab umdrehen und nicht nur, weil er noch selbst genau wusste, was die STASI war! Russland fliegt aus den G8? Dann schmeißt Amerika gefälligst gleich hinterher!
Fischkeks 19.03.2014
4. Ist es Deutschland?
Wann wird der Spiegel endlich in den Snowden-Unterlagen nachschauen, welche Staaten davon betroffen sind. Ich vermute mal, dass Deutschland dabei ist, schon allein wegen der Wirtschaftsspionage.
thomas.b 19.03.2014
5. optional
Die "nationale Sicherheit" ist das Totschlagargument der neuen Zeit. Gemeint sind natürlich nationale Interessen. Macht ja Putin nicht anders - ihm geht es um die Sicherheit seiner "Landsleute" auf der Krim. Aber gut. Welche Staaten werden denn nun abgehört? Zeit für Spekulationen. Ich vermute: Russland und der Iran auf jeden Fall, aber auch die USA selbst und natürlich Deutschland. Da leben ja überall Terroristen.
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