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Deutsche im Netz: Ahnungslos, aber selbstsicher

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Corbis

Nutzer digitaler Angebote: Was war noch mal eine Cloud?

Viele Deutsche sind täglich online - doch nicht einmal die Hälfte weiß, was die Cloud ist, oder was Cookies sind. Das zeigt der neue (N)Onliner-Atlas. Vor allem aber deuten die Daten auf gefährliche Selbstüberschätzung hin.

Die meisten Deutschen nutzen das Internet, aber nicht jeder kennt sich damit aus. Fast 77 Prozent der Bürger haben einen Internetzugang, im Vergleich zum Vorjahr hat sich da kaum etwas getan. Die Mehrheit geht nach eigenen Angaben online, um sich zu informieren, einzukaufen oder Videos anzusehen. Aber darüber hinaus wissen viele nur wenig bescheid. Grundlegende Begriffe und Funktionen sind vielen Bürgern gar nicht bekannt. Und viele sind offenbar der Meinung, sie verstünden weit mehr von Internetsicherheit, als dies tatsächlich der Fall ist.

Das zeigt der sogenannte (N)Onliner-Atlas der Initiative D21, der seit 2001 jährlich erscheint und ein aktuelles Bild davon geben soll, wie viele der Deutschen das Netz nutzen - und was sie dort tun. Laut der repräsentativen Umfrage gehen die meisten Menschen immer noch mit dem Desktop-PC ins Netz (62 Prozent), gefolgt vom Laptop (59 Prozent). Erst danach folgen mobile Geräte wie Smartphones (53 Prozent) und Tablets (28 Prozent). Bei Tablets ist der Zuwachs enorm: Der Prozentsatz ist mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr.

"Raum für eine künftige Steigerung"

Die Umfrage soll auch Aufschluss darüber geben, wie souverän sich die Deutschen im Netz bewegen. Dazu wurden unter anderem bestimmte Begriffe abgefragt, die Teilnehmer sollten sagen, welche sie davon erklären könnten. Mit Anti-Viren-Software konnten die meisten etwas anfangen (76 Prozent), auch die Wörter Homepage und soziale Netzwerke sind den meisten geläufig (jeweils mehr als 70 Prozent). Doch schon den Begriff Cloud konnten nach eigenen Angaben nur 43 Prozent der Befragten erklären. Was Cookies sind, wusste auch nicht einmal die Hälfte. Gerade einmal 30 Prozent der Deutschen wissen, was unter LTE zu verstehen ist, und mit dem Internet der Dinge können nur die wenigsten etwas anfangen (7 Prozent). Um diesen Wert zumindest ein bisschen zu verbessern, werden alle abgefragten Begriffe am Ende dieses Textes einmal kurz erklärt.

"Die Bürger sind zwar einerseits in der digitalen Welt angekommen, andererseits besteht sowohl die Notwendigkeit als auch der Raum für eine künftige Steigerung zum souveränen, verantwortungsvollen und kompetenten Agieren in der digitalen Welt", heißt es arg gestelzt in der Studie. Im Klartext: Es gibt noch viel Luft nach oben, was die Internetkenntnisse der Deutschen angeht.

Ein Viertel nutzt angeblich andere Suchmaschinen als Google

Umso mehr überraschen die Angaben der Befragten, wie sie sich denn im Netz schützen. Die meisten gaben an, einen Virenschutz zu nutzen (93 Prozent) und den auch regelmäßig zu aktualisieren (91 Prozent), eine Firewall eingerichtet zu haben (81 Prozent) und sich über Sicherheitstechnik auf dem Laufenden zu halten. Noch 2013 ergab eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung weit weniger erfreuliche Zahlen: Damals gaben 72 Prozent an, ein Virenschutzprogramm zu nutzen, nur 59 Prozent wussten von einer Firewall auf ihrem Rechner.

Die Hälfte der für den neuen (N)Onliner-Atlas Befragten gab nun sogar an, die eigene Webcam ausgeschaltet oder abgeklebt zu haben, 46 Prozent erklärten, sie verschlüsselten ihre E-Mails oder Chats. Das erstaunt, weil anderen Studien zufolge der komplizierte Prozess der E-Mail-Verschlüsselung nur von den wenigsten genutzt wird. So ergab erst kürzlich eine repräsentative Bitkom-Umfrage, dass selbst nach den Snowden-Enthüllungen nur neun Prozent der Internetnutzer eine Verschlüsselungssoftware nutzen.

Im (N)Onliner-Atlas geben zudem 28 Prozent an sie würden anonym surfen. Auch das sieht in den Resultaten Bitkom-Befragung ganz anders aus. Demnach nutzen nur 13 Prozent entsprechende Anonymisierungsdienste wie Tor. Und auch die Aussage von satten 24 Prozent der Befragten, sie würden anonyme Suchmaschinen nutzen, lässt doch zumindest stutzen: Das hieße nämlich, dass knapp ein Viertel der Deutschen für die Suche im Netz nicht googelt, sondern aus Datenschutzgründen auf alternative Suchmaschinen ausweicht. Das zu glauben, fällt schwer.

Vielleicht hat der ein oder andere Befragte ein wenig gemogelt mit seinen Angaben, vielleicht aber wusste auch mancher gar nicht, was unter Verschlüsselung von E-Mails, anonymisiertem Surfen und anonymen Suchmaschinen zu verstehen ist. Denn dass zwar nur 45 Prozent der Befragten wissen, was Cookies sind, andererseits aber fast die Hälfte komplexe Verschlüsselungsverfahren und Anonymisierungsdienste nutzt, ist doch zumindest fraglich.

Auf die Frage "Was ist Ihnen in der Nutzung von Internet oder digitalen Medien wichtiger? Einfachheit oder Sicherheit?" antworteten nur neun Prozent mit "Einfachheit". 91 Prozent gaben an, Sicherheit sei ihnen wichtiger, auch wenn das Benutzen von Computern dann etwas komplizierter wird. Auch das spricht gegen jede Erfahrung und gegen den unaufhaltsamen Siegszug einfacher Geräte und Programme, die jeder sofort bedienen kann, oft auch auf Kosten der Sicherheit.

Eins aber zeigen die Befunde des (N)Onliner-Atlas auf jeden Fall: Das Bewusstsein für Sicherheitsthemen wächst - auch wenn zu vermuten ist, dass das tatsächliche Wissen dem noch hinterherhinkt.

Nach diesen Begriffen wurde gefragt

LTE – Die Abkürzung steht für Long Term Evolution, aber das werden Sie außerhalb einer Quizshow wohl eher selten gefragt. Was man aber wissen muss: LTE ist ein Mobilfunkstandard, mit dem man schnell Daten übertragen kann. In manche ländliche Region ohne Glasfaseranschluss hat LTE endlich schnelles Internet gebracht – und auf modernen Smartphones ist der Funkstandard mittlerweile selbstverständlich. Gewusst haben das laut (N)Onliner-Atlas 30 Prozent der Befragten.

Cookies – Die sogenannten „Kekse“ sind kleine Textdateien, die automatisch auf Ihrem Computer gespeichert werden, wenn Sie bestimmte Seiten im Netz ansteuern. Mit Hilfe von Cookies können Unternehmen Sie als Nutzer wiederkennen, so dass Sie sich zum Beispiel beim nächsten Besuch eines bestimmten Dienstes nicht nochmal einloggen müssen. Cookies können aber auch Aufschluss über Ihr Surf-Verhalten geben. Das alles geschieht im Hintergrund, der Nutzer kann sich die Cookies nicht ansehen. Aber in den Einstellungen Ihres Browsers lässt sich einstellen, dass die ungefragt abgelegten Cookies nicht zugelassen werden sollen. Was Cookies sind, wussten laut (N)Onliner-Atlas 45 Prozent der Befragten.

Soziale Netzwerke – Das größte und berühmteste soziale Netzwerk ist wohl Facebook. Soziale Netzwerke oder auch Social Media verbinden Menschen im Netz miteinander, es sind Plattformen, auf denen sich Nutzer tummeln und miteinander kommunizieren. Weitere Beispiele für soziale Netzwerke sind Twitter oder Google+. Das wussten laut (N)Onliner-Atlas 72 Prozent der Befragten.

Homepage – Dieser Begriff bezeichnet eine Internetpräsenz beziehungsweise Webseite. Und zwar die Hauptseite oder Startseite – also zum Beispiel www.spiegel.de. Zur Homepage eines Internetauftritts gelangt man häufig, indem man auf ein kleines Häuschen-Symbol klickt, das Zeichen für „Zuhause“ oder „Home“. Den Begriff hätten laut Umfrage 75 Prozent der Befragten erklären.

Antivirensoftware – Das Wort spricht eigentlich für sich: Es handelt sich hierbei um ein Programm, das Schadsoftware, Viren, Würmer , Trojaner auf dem Computer finden soll – und sie unschädlich macht beziehungsweise entfernt. Derartige Programme gibt es in verschiedenen Ausführungen, manche sind kostenpflichtig. Das wussten in der Umfrage nach eigenen Angaben 76 Prozent.

Chat/Messenger – Plaudern, auf englisch „chatten“ geht im Netz mit verschiedenen Programmen. Anders als bei einer E-Mail unterhalten sich die Gesprächspartner hier in Echtzeit, zum Beispiel in einem Chatroom. Auch das heute viel verbreitetere „Instant Messaging“ ist ein Chat, aber über einen Messenger unterhalten sich nur die beiden Gesprächspartner direkt miteinander, ohne sich dafür in einen virtuellen Raum zu begeben. Bekannte Chatprogramme sind der Facebook-Messenger und WhatsApp oder die entsprechenden Dienste von Yahoo oder Google. Mit dem Wort Chat oder Messenger konnten laut Umfrage 59 Prozent der Befragten etwas anfangen.

Cloud – Was man nicht auf seinem Rechner hat, das hat man vielleicht in der Cloud, zu deutsch Wolke: Davon spricht man, wenn man Daten nicht auf dem eigenen Rechner, sondern in einem Rechenzentrum speichert. Zum Beispiel, weil die Datenmenge zu groß ist, oder weil man von überall darauf zugreifen möchte. Wer einen E-Mail-Dienst wie GMX oder Gmail benutzt, dessen gesamter Mailverkehr liegt zum Beispiel in der Cloud, und man kann die Nachrichten von jedem internetfähigen Rechner abrufen. Den Begriff Cloud hätten laut (N)Onliner-Atlas 43 Prozent der Befragten erklären können.

Internet der Dinge – Das sogenannte Internet of Things (IoT) bezeichnet eine Welt aus Geräten, die zwar miteinander vernetzt, aber keine klassischen Computer mehr sind – etwa Haushaltsgeräte wie Fernseher oder Kühlschränke. So soll das Haus eines Tages „intelligent“ oder englisch „smart“ werden. Bei Heizungssystemen zum Beispiel ist das Internet der Dinge längst angekommen, auch im logistischen Bereich können Waren mittlerweile etwa über Funk selbst sagen, wo sie gerade sind. Den Begriff Internet der Dinge hätten laut Umfrage nur sieben Prozent der Befragten erklären können.

Smart Grid – Das bedeutet „intelligentes Stromnetz“. Das Internet der Dinge ist in der Elektrizitätsversorgung nämlich schon Realität: Das Smart Grid vernetzt unter anderem Geräte bei Stromerzeugern, Stromanbietern und bei den Verbrauchern zu Hause. So soll die Stromversorgung effizienter werden. Der Begriff war laut (N)Onliner-Atlas nur sechs Prozent der Befragten geläufig.

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insgesamt 73 Beiträge
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    Seite 1    
1. tja
tarkurron 05.11.2014
das ist eben noch für uns alle Neuland...
2.
kdshp 05.11.2014
Und das ist in anderen ländern anders?
3. Fragen wohl irreführend
Telon 05.11.2014
Nach Lektüre des Artikels scheinen die Macher des Atlas die Befragten wohl schon mit der Formulierung des Fragenkatalogs überfordert haben. Punkte wie "Nutzen sie anonyme Suchmaschinen?" sind schnell mit JA beantwortet. Mir scheint allein zum genauen Verständnis der Fragen schon zu viel Fachwissen vorausgesetzt worden zu sein. Der Report ist damit eher was "für die Tonne"
4.
ralf_si 05.11.2014
Das ist doch keine Überraschung angesichts der Vielzahl von Android-, Whatsapp-, Facebook-, Google+-Nutzern
5.
ichsagemal 05.11.2014
... wir alle haben doch die Absolution vin unserer Frau Bundeskanzlerin. Das ist schließlich alternativlos Neuland für uns. Da braucht's doch keine Umfrage.
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