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18. November 2010, 16:45 Uhr

Nach US-Vorwürfen

China dementiert Datenumleitung

Der Staatskonzern China Telecom hat Berichte zurückgewiesen, wonach im April 2010 für 18 Minunten rund 15 Prozent des weltweiten Internetverkehrs über China geroutet worden sein soll - möglicherweise um zu versuchen, sensible Kommunikation abzuhören.

Peking - Der Staatskonzern China Telecom hat Vorwürfe einer US-Untersuchungskommission zurückgewiesen, hochsensible Internetdaten aus den USA auf chinesische Server umgeleitet zu haben. In einer der Nachrichtenagentur AFP übermittelten Erklärung wies das Unternehmen am Donnerstag "jede Entführung von Internetkommunikation zurück".

Auch die chinesische Presse wandte sich gegen die Vorwürfe. In Wirklichkeit seien die USA "ein globaler Webmaster", hieß es in einem Kommentar der Staatszeitung "Global Times". "Wenn sie wollen, können sie in einer Sekunde die Internetserver in China lahmlegen."

Die Behauptung spielt auf die zentrale Rolle amerikanisch geprägter Internet-Verwaltungsorganisationen wie der Icann an sowie auf die Zugriffsmöglichkeiten der Amerikaner auf die Rootserverstruktur des Internet und auf das DNS-System. Die Administration des Adressraums macht es theoretisch denkbar, ganze definierbare Bereiche des Internets unerreichbar zu machen oder vom restlichen Internet abzukoppeln. Anders als noch Mitte der Neunziger gibt es aber keine staatliche US-Stelle mehr, die direkt administrierend Kontrolle über das Internet ausüben würde.

Icann selbst ist eine privatwirtschaftlich organisierte Nonprofit-Gesellschaft nach kalifornischem Recht und untersteht so mittelbar zumindest der Kontrolle des US-Handelsministeriums. Seit Herbst 2009 räumt Icann im Rahmen des Basisvertrags "Affirmation of Commitments" Vertretern anderer Regierungen sowie großer Wirtschaftsunternehmen erweiterte Mitsprache- und Kontrollrechte ein.

Eine für Wirtschafts- und Sicherheitsfragen zwischen Washington und Peking zuständige Kommission hatte am Mittwoch dem US-Kongress einen Bericht vorgelegt, wonach China Telecom am 8. April für einen Zeitraum von 18 Minuten den E-Mail-Verkehr von Internetseiten des US-Senats, des Verteidigungsministeriums und weiterer Behörden auf Server in der Volksrepublik umgeleitet hatte. Während dieser Zeitspanne seien rund 15 Prozent des gesamten weltweiten Internetverkehrs nach China umgeleitet worden.

pat/AFP

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