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Umgang mit den Medien: Indiens Premier spricht lieber auf Facebook als im Interview

Statt sich kritischen Fragen von Journalisten zu stellen, behält Indiens Premier Modi gern selbst die Kontrolle: Seit seinem Amtsantritt im Mai hat er den klassischen Medien kein Interview gegeben - aber viel gepostet und getwittert.

Narendra Modi: Er betreibt gleich zwei Twitter-Accounts Zur Großansicht
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Narendra Modi: Er betreibt gleich zwei Twitter-Accounts

Indiens Regierungschef Narendra Modi ist im Netz besonders präsent: Er gilt als Facebook-Guru, aktualisiert ständig seine Homepage, twittert und schreibt ein Blog. Außerdem fasziniert er Menschen bei pompösen Auftritten als Redner, wöchentlich spricht er im Radio, und für Fotos und Nachrichten-Videos setzt er sich mit Designer-Kleidung in Szene. Narendra Modi bringt seine Botschaften auf allen verfügbaren Kanälen direkt zum Volk. Der Clou dabei: Kritischen Fragen von Journalisten muss er sich so nicht stellen.

Seit seinem Amtsantritt im Mai hat Modi nicht einer einzigen indischen Zeitung oder Zeitschrift, einem TV- oder Radiosender ein Interview gegeben. Stattdessen lädt er diejenigen Menschen zu sich, die ihm bei seinem einseitigen Informationsfluss unterstützen können: Nach Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg wollte er am Freitag auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in Neu Delhi treffen. IT-Minister Ravi Shankar Prasad meint, die Zusammenarbeit habe "enormes Ausbaupotenzial".

"Modi ist ein riesiger Fan der sozialen Medien", sagt die politische Kommentatorin Arati Radhika Jerath. "Er ist daran interessiert, die Macht und den Nutzen der verschiedenen Plattformen noch besser zu verstehen." Modi wisse um den Effekt, den eine einzige, ganz von ihm kontrollierte Nachricht über Facebook oder Twitter haben könne. Schon jetzt hat Modi mehr als 22 Millionen Facebook-Anhänger, fast zehn Millionen Nutzer folgen seinen zwei Twitter-Accounts.

Modi fühlte sich dämonisiert

Den klassischen Medien hingegen misstraue Modi, sagt Nilanjan Mukhopadhyay, der die Biografie "Narendra Modi: The Man. The Times" geschrieben hat. Die Feindseligkeit sei auf das Jahr 2002 zurückzuführen, als Modi Regierungschef im indischen Bundesstaat Gujarat war und unter seinen Augen Massaker mit Hunderten Toten verübt wurden. Journalisten zahlreicher Medienhäuser machten Modi dafür mitverantwortlich - und er fühlte sich dämonisiert. Bis heute weist er jede Schuld von sich.

"Modi umgeht die Medien und baut sich alternative Kommunikationswege zu den Menschen", sagt Mukhopadhyay. Diese könnten ihrerseits Ideen und Anmerkungen auf Websites loswerden. Die Medien hingegen hätten nach Ansicht des Premierministers lediglich die Aufgabe, Nachrichten von ihm anzunehmen und in die Welt zu tragen: "Die Presse ist für ihn ein Instrument, mit dem er für sich werben kann - und nicht eines, das ihn kontrolliert und prüft."

Folgerichtig beschneidet Modi den Zugang zur Regierung. Journalisten in der Hauptstadt erzählen, sie dürften nicht mehr mit dem Flugzeug des Premierministers mitfliegen, und es gebe auch keine Hintergrundgespräche mehr mit Ministern. Pressekonferenzen sind rar geworden, erlaubte Fragen eine Seltenheit. Hinzu kommt, dass die meisten Medienhäuser in Indien Großunternehmern gehören, die auf ein gutes Verhältnis mit der politischen Führung angewiesen sind.

"Die Medien sind eine zentrale Säule der Demokratie, die Brücke zwischen der Regierung und den Menschen, ja sogar die vierte Macht im Staat", sagt Kommentatorin Jerath. Gerade in Indien - der größten Demokratie der Welt - hätten Journalisten immer wieder eine wichtige Rolle gespielt, wenn es um das Aufdecken von Korruption ging. "Es ist verstörend, dass Modi uns jetzt alle auf Abstand hält." Jerath glaubt aber, dass sich die Journalisten nicht so einfach geschlagen geben werden: "Wir wissen, wie Medien eine Person hochjubeln, aber auch dann genauso schnell wieder stürzen können."

Doreen Fiedler, dpa

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Fläche: 3.166.414 km²

Bevölkerung: 1213,370 Mio.

Hauptstadt: Neu-Delhi

Staatsoberhaupt:
Pranab Mukherjee

Regierungschef: Narendra Modi

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