National Security Letter So hat das FBI Firmen über ihre Kunden ausgefragt

Seit 14 Jahren versenden US-Ermittler sogenannte National Security Letter. Welche Kundendaten damit von Providern gefordert werden, ist meist geheim. Jetzt hat ein Betroffener einen Auszug eines FBI-Schreibens veröffentlicht.

US-Bundespolizei FBI: Tiefer Einblick ins Leben der betroffenen Nutzer
Getty Images

US-Bundespolizei FBI: Tiefer Einblick ins Leben der betroffenen Nutzer


Für Tech-Unternehmen ist es undankbar, einen National Security Letter (NSL) zu erhalten. Mit den Schreiben fordern US-Ermittler zum Beispiel Provider dazu auf, Kundendaten herauszugeben. Einen Richterbeschluss brauchen die Ermittler nicht zwingend. Dem NSL-Empfänger droht dagegen Ärger, wenn er über den Brief spricht - dafür sorgt in der Regel eine Anordnung zur Geheimhaltung. Wegen ihr dürfen die Empfänger oft nicht einmal erwähnen, dass sie den Brief bekommen haben.

Einen Eindruck davon, für welche Daten sich das FBI in der Vergangenheit interessiert hat, liefert jetzt Nicholas Merrill, der früher einen Webhosting-Dienst betrieb. Im September hatte ein New Yorker Gericht entschieden, dass die Geheimhaltungsanordnung für Merrills NSL aus dem Jahr 2004 nicht mehr gültig sei.

Nun, 90 Tage später, sobald klar war, dass die Regierung keine Beschwerde gegen das Urteil einlegt, hat Merrill einen Auszug aus dem Schreiben veröffentlicht. Der veröffentlichten Passage zufolge verlangte das FBI von Merrill eine ganze Reihe von Daten eines Kunden, sofern diese gespeichert wurden. In der Liste tauchen unter anderem folgende Punkte auf:

  • Name des Nutzers
  • Account-Nummer
  • Alle E-Mail-Adressen, die mit dem Account verbunden sind
  • Alle Postadressen, die mit dem Account verbunden sind
  • Telefonnummern des Nutzers
  • Datum der Eröffnung oder Schließung des Nutzerkontos
  • IP-Adresse
  • Rechnungsdetails

Insgesamt besteht die Anfrage aus 17 Punkten. Konkrete Kommunikationsinhalte werden nicht abgefragt, es geht in erster Linie um Account-Daten und Metadaten. Doch auch mit diesen Informationen könnten Ermittler einen tiefen Einblick in das Leben des betroffenen Nutzer bekommen.

National Security Letter von 2004: Jetzt im Internet einsehbar

National Security Letter von 2004: Jetzt im Internet einsehbar

Rund 300.000 Briefe in 14 Jahren

Um welchen Kunden es bei der Anfrage von 2004 ging, hat Nicholas Merrill aus Datenschutzgründen nicht offengelegt. Bei seinem Urteil im September betonte das Gericht, dass das FBI per NSL mittlerweile nicht mehr dieselben Informationen verlangt werden wie 2004, schreibt "The Intercept".

Die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) schätzt, dass US-Ermittler seit 2001 insgesamt mehr als 300.000 solcher Briefe verschickt haben. Allein 2004 sollen es 56.507 Stück gewesen sein.

Merrill hatte sich seinerzeit geweigert, dem FBI die gewünschten Daten zur Verfügung zu stellen. Die Bundespolizei hatte ihre Anfrage später zurückgezogen - jedoch ohne Merrill zu erlauben, über den Brief und seinen Inhalt öffentlich Auskunft zu geben. In seiner Klage gegen diesen Maulkorb tauchte Merrill daher zunächst unter dem Platzhalternamen "John Doe" auf.

2007 schrieb Merrill bereits in der "Washington Post" über seinen Fall. In dem Artikel ohne Autorennamen betonte er, dass der NSL ohne Richterbeschluss verschickt wurde und dass er nicht einmal den betroffenen Kunden über den Brief informieren dürfe. Das Leben mit der Geheimhaltungspflicht beschrieb er seinerzeit als "anstrengend und surreal". Im Jahr 2010 hielt Merrill auf dem Chaos Communication Congress des Chaos Computer Clubs (CCC) einen Vortrag über seine Erfahrungen.

mbö



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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
Rotauge 01.12.2015
1. nur eine Frage
wann kommt das bei uns,dass der BND solche Machenschaften durchführt.???Oder macht er das schon ???
chewbakka 01.12.2015
2. Naja,
wenn das, was hier im Bild gezeigt wird alles ist - das sind alles Informationen, die sich ohne großen Aufwand auch direkt im Netz erfahren lassen .............. Scheint so, als ab der Artikel schlampig recherchiert ist. Könnte mir aber sher gut vorstellen, daß dazu noch mehr abgefragt wird .......
Baal 01.12.2015
3. Natürlich machen die das,
ist aber total geheim. Selbst Frau Merkel weiß davon nichts. Will sie auch nicht wie die Vergangenheit zeigt!
kasam 01.12.2015
4. Und diese Leuten zetteln Kriege an,
und wollen ihre ::Demokratie :: anderen Menschen und Ländern aufzwingen. Grossartig---und wir glauben noch immer an deren freundliche, demokratischen Absichten --dann ist mir Putin richtig heimelig, denn von einem wie ihn erwartet man solche Dinge-- War wohl nix--
amdorf 01.12.2015
5. Wer ist das auf dem Bild?
Erst wird das Bild beim mauretanischen Machthaber verwendet und nun soll das ein FBI-Beamter sein? Naja Spon hat nicht so viele Bilder, dann muss schon mal eins für mehrere Berichte herhalten. Sparsam aber komisch.
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