Nationales Abwehrzentrum: Regierung beschließt "Cyber-Strategie"

Es klingt wie Science Fiction: Das "Nationale Cyber-Abwehrzentrum" soll künftig die Republik vor Computerwürmern und Hackern schützen. Das beschloss das Bundeskabinett am Mittwoch. Unter anderem sollen ein Bundesamt, Geheimdienste, Polizei und Militär zusammenarbeiten.

Innenminister de Maiziere (CDU): Angekommen im Cyberspace Zur Großansicht
dapd

Innenminister de Maiziere (CDU): Angekommen im Cyberspace

Berlin - Noch im April soll die neue Cyber-Abwehr stehen: Die Bundesregierung hat am Mittwoch ein Konzept zur Abwehr von Bedrohungen aus dem Internet beschlossen. Die im Kabinett gebilligte "Cyber-Sicherheitsstrategie für Deutschland" sieht nach Angaben des Bundesinnenministeriums die Gründung eines speziellen Zentrums vor, das im Fall eines Angriffs aus dem Netz die Situation analysieren und den zuständigen Behörden Empfehlungen geben soll. Federführend für dieses "Nationale Cyber-Abwehrzentrum" ist das Bundesamt für Sicherheit in der Informationspolitik (BSI).

"Wir alle brauchen das Netz wie die Luft zum Atmen", sagte die IT-Beauftragte des Bundes, Cornelia Rogall-Grothe zum Auftakt einer Veranstaltung zur Cyber-Sicherheit in Berlin. Deswegen seien besondere Maßnahmen erforderlich, um die IT-Systeme vor Cyber-Angriffen zu schützen.

Wie SPIEGEL ONLINE am Dienstag berichtet hatte, sollen in der Einrichtung in Bonn-Mehlem vorerst sechs Mitarbeiter des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), zwei Verfassungsschützer und zwei Mitarbeiter des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz tätig sein. Außerdem ist die Mitwirkung von Bundeskriminalamt, Bundespolizei, Zollkriminalamt, Bundesnachrichtendienst und der Bundeswehr geplant. Innerhalb der Regierungskoalition wurde die geplante Zusammenarbeit von Polizei, Nachrichtendiensten und der Bundeswehr im Vorfeld kritisiert.

In der am Mittwoch vorgestellten "Cyber-Sicherheitsstrategie" der Bundesregierung wird definiert: "Der Cyber-Raum umfasst alle durch das Internet über territoriale Grenzen hinweg weltweit erreichbaren Informationsinfrastrukturen." Schwerwiegende Angriffe in diesem Raum könnten zu erheblichen Beeinträchtigungen der gesellschaftlichen Lebensgrundlagen führen. Daher sei "die Verfügbarkeit des Cyber-Raums und die Integrität, Authentizität und Vertraulichkeit der darin vorhandenen Daten ... zu einer existentiellen Frage des 21. Jahrhunderts geworden".

Mit dem Cyber-Abwehrzentrum greift die Bundesregierung einen Begriff auf, dessen Wurzeln in die Gedankenwelten der Science-Fiction-Literatur zurückreichen. Erstmals verwendet wurde das Wort "Cyberspace" 1984 in dem Roman "Neuromancer" von William Gibson, einem führenden Vertreter der amerikanischen Cyberpunk-Literatur. Darin steht der Cyberspace für die von Milliarden Menschen ganz alltäglich geteilte Vorstellung eines von Computern erzeugten Raumes. Der zugrundeliegende Begriff der Kybernetik verweist in der griechischen Wortbedeutung auf die Tätigkeit eines Steuermanns.

In der Folgezeit wurde der Cyberspace vielfach synonym für die neuen Erfahrungswelten im Internet verwendet. 1996 verfasste der Netzaktivist John Perry Barlow eine "Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace", mit der Forderung an die Regierungen, diesen Raum sich selbst zu überlassen. Danach wurde es vor allem in Deutschland eher unüblich, den Begriff "Cyberspace" zu verwenden. Erhalten hat er sich aber vor allem in den sicherheitspolitischen Konzepten eines "Cyber-Wars", also einer Kriegführung mit Mitteln der Informationstechnik.

dpa/ore

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1. -/-
Kaworu 23.02.2011
Na DA bin ich mal gespannt was dabei rauskommt.
2. Kein Titelangriff
singlesylvia 23.02.2011
Zitat von KaworuNa DA bin ich mal gespannt was dabei rauskommt.
Ich auch. Nach dem, was Regierungsvorhaben und -stellen im Umgang mit IT in der Vergangenheit an peinlichem Dilettantismus hingelegt haben, erwarte ich da auch nix substanzielles. (Wie war das noch, Angriffe auf das Netz abwehren? Auch die vom Bundestrojaner?)
3. Cyberspace
3of5 16.06.2011
Wie der Cyberspace erfunden wurde (der Link wurde heute von William Gibson getwittert und passt da grad her...) http://www.theparisreview.org/interviews/6089/the-art-of-fiction-no-211-william-gibson
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