Abos im Ausland nutzen So klappt es mit dem Streaming im Urlaub

Netflix, SkyGo, Spotify: Wer sein Streaming-Abo auch im Urlaub nutzen will, hat es künftig leichter - zumindest auf Reisen innerhalb der EU. Alles Wichtige zur Abo-Mitnahme in die Ferien.

Logo vom Streaming-Dienst Netflix
DPA

Logo vom Streaming-Dienst Netflix


Grenzenloses Internet? Bei Online-Inhalten wie Serien, Filmen, Musik oder E-Books lange Fehlanzeige. Sobald man ins Ausland fuhr, waren die gewohnten Dienste häufig auf einmal nicht mehr erreichbar - Abo hin oder her. Der Grund ist das sogenannte Geoblocking.

Mit der neuen Portabilitätsverordnung in den EU-Mitgliedstaaten hat sich dasseit April grundlegend geändert. Anbieter von kostenpflichtigen Abos wie Netflix, SkyGo oder Spotify müssen ihren Kunden seitdem auf Reisen im EU-Ausland Zugriff auf die Inhalte ihres Heimatlandes gewähren. Was Nutzer darüber wissen sollten, erklärt die Juristin Karolina Wojtal vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland.

Welche Dienste und Inhalte werden von den neuen EU-Regeln berührt?

Wojtal: Die Verordnung gilt für alle zahlungspflichtigen Abonnements für digitale Produkte wie Streamingdienste, E-Books, Sendungen der privaten TV-Sender auf Abruf und Liveübertragungen von Sportveranstaltungen seit dem 1. April 2018. Eine Übergangsfrist gibt es nicht, da sie bereits neun Monate zuvor im Europäischen Amtsblatt veröffentlicht wurde und die Anbieter somit ausreichend Zeit hatten, ihre Dienste an die neuen Anforderungen anzupassen.

Warum waren viele Dienste im EU-Ausland nicht nutzbar?

Wojtal: Der Zugriff über ausländische IP-Adressen wurde von den Anbietern erkannt und bisher automatisch blockiert, ganz gleich, ob es sich um einen eigenen Kunden gehandelt hat oder einen neuen Interessenten. Hintergrund dieser technischen Sperre ist, dass die Rechte an Filmen, Serien und Sportveranstaltungen nicht europaweit vertrieben werden, sondern in jedes Land einzeln verkauft werden. Durch das Erkennen und Sperren der IP-Adresse wollte man verhindern, dass Nutzer auf Inhalte zugreifen, für die in ihrem Land keine hinreichenden Lizenzen erworben wurden. Dies ist auch der Grund, wieso sich die Inhalte der Streamingdienste von Land zu Land teilweise erheblich unterscheiden.

Was hat sich für den Verbraucher verändert?

Wojtal: Zukünftig wird der Zugriff über eine ausländische IP-Adresse nicht mehr automatisch blockiert. Die Konsumenten haben nun endlich die Möglichkeit, ihre im Inland erworbenen Abonnements auch im Ausland zu nutzen. Aber Achtung: Die Verordnung gibt den Verbrauchern nicht das Recht, Abonnements neu im Ausland abzuschließen. Dies wird weiterhin nur sehr eingeschränkt möglich sein.

Sind die Dienste nun verpflichtet, auch ins Ausland zu streamen? Und muss man dafür extra bezahlen?

Wojtal: Alle kostenpflichtigen Dienste müssen ins Ausland streamen, kostenlose Dienste wie beispielsweise die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender sind nicht dazu verpflichtet, können dies jedoch freiwillig tun. Das Streamen im Ausland darf dem Kunden nicht extra berechnet werden. Außerdem muss der Dienst unter denselben Bedingungen wie im Heimatland zur Verfügung stehen: selber Inhalt, selbe Produktauswahl, selbe Anzahl von Endgeräten und dieselben Funktionen. Auch Verträge, die schon vor dem 1. April 2018 abgeschlossen wurden, profitieren von der Neuregelung.

Ist das Auslandsangebot zeitlich begrenzt?

Wojtal: Die Verordnung enthält keine starre Zeitgrenze, sondern spricht von "vorübergehenden Aufenthalten". Hierunter versteht man Urlaubsaufenthalte, Geschäftsreisen oder aber auch Studienaufenthalte, wenn beabsichtigt ist, danach wieder ins Heimatland zurückzukehren. Dies ist vom Gesetzgeber absichtlich so gestaltet, damit die Anbieter jede Situation individuell bewerten können.

Drehen die Anbieter irgendwann einfach den Hahn ab oder gibt es Verlängerungsmöglichkeiten?

Wojtal: Die Anbieter können und müssen den Wohnsitz eines Nutzers bei Abschluss des Vertrags und jeder Verlängerung überprüfen. Außerdem immer dann, wenn es Anhaltspunkte dafür gibt, dass es sich nicht mehr um einen vorübergehenden Aufenthalt handeln könnte. Zu diesem Zweck können Meldebescheinigungen, Rechnungsadressen oder auch Betriebskostenabrechnungen angefordert werden. Die Anbieter sind aus datenschutzrechtlichen Gründen jedoch dazu verpflichtet, sich auf zwei unterschiedliche Nachweise zu beschränken, um nicht unnötig viele Daten von den Kunden zu erheben.

Volker Straßburg, dpa



insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
interessant......... 27.05.2018
1.
Und jetzt die Preisfrage: "Was läuft falsch, wenn man im Urlaub Streamingdienste braucht?" Es zählt ja nicht einmal das Argument etwas zu verpassen, wie es z.Bsp. bei Live-Übertragungen im TV der Fall wäre. Ich würde einfach einen spannenderen Urlaub empfehlen... ;-)
xpingus 27.05.2018
2.
Zitat von interessant.........Und jetzt die Preisfrage: "Was läuft falsch, wenn man im Urlaub Streamingdienste braucht?" Es zählt ja nicht einmal das Argument etwas zu verpassen, wie es z.Bsp. bei Live-Übertragungen im TV der Fall wäre. Ich würde einfach einen spannenderen Urlaub empfehlen... ;-)
Genau das habe ich mich auch gefragt. Warum bleibt man da nicht gleich zu Hause, wenn das alles nötig ist!
frank-bhv 27.05.2018
3. #1 Nichts
Streaming ist nicht nur Netflix und Co. Dazu gehört auch Musik wie Spotify oder andere Dienste. Zeitschriften und eBooks ebenso. Manche Menschen wollen eben auch lesen und lauschen, so kann man ja auch entspannen. EBooks sind dafür toll, sparen sie doch etliche Kg Gepäck ein ;-)
interessant......... 27.05.2018
4. @frank-bhv
E-Books haben nicht die Bohne etwas mit Streaming zu tun und auch ihr Download war früher schon problemlos vom Ausland aus möglich, es sei denn, man macht gern Urlaub in Diktaturen... Ich weiß, man kann sich auch ohne Urlaub zu machen im Ausland aufhalten, dazu möchte ich aber auf den Titel des Artikels verweisen.
fuvello 27.05.2018
5. Ein ordentliches ...
... VPN dann klappt das streamen auch ohne Regulierung. Ein aktueller Opera-Browser zum Beispiel kann da anfangs zum reinschnuppern in die VPN-Welt schon helfen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.