Netz-Kontrolle: Facebook entschuldigt sich für nicht gelöschtes Hassfoto

Eine Facebook-Nutzerin hat sich mit einer Gruppe Frauenverachter angelegt. Die veröffentlichten daraufhin ein manipuliertes Foto von ihr. Sie informierte das Unternehmen, das zunächst jedoch nicht einschreiten wollte.

Facebook-Logo: Entscheidungen der Netzwerk-Polizei sorgen für Kritik Zur Großansicht
dapd

Facebook-Logo: Entscheidungen der Netzwerk-Polizei sorgen für Kritik

"Frauen sind wie Gras, man muss sie regelmäßig dreschen", so steht es auf isländisch auf dem Foto einer Facebook-Nutzerin, der mit einem Bildbearbeitungsprogramm Blut und blaue Flecken ins Gesicht gemalt worden sind. Thorlaug Agustsdottir ist zur Zielscheibe geworden, weil sie sich mit einem Teilnehmer einer frauenfeindlichen Facebook-Gruppe angelegt hatte. Die Gruppe trägt den Namen "Kontroverser Humor - Männer sind besser als Frauen".

Das Foto war die Rache des Trolls. Empört über die hässliche Attacke wandte sich Agustsdottir an Facebook: Weg mit dem manipulierten Bild! Ein paar Stunden später, berichtet "Wired", habe sie Rückmeldung bekommen: Das Foto bleibt, die Kriterien für eine Löschung seien nicht erfüllt. Was, vorsichtig gesagt, nicht stimmt: In den Nutzungsbedingungen steht deutlich, dass eine solche Belästigung gegen die Regeln verstößt.

Agustsdottir schaltete die Redaktion von "DV" ein, einer isländischen Zeitung. Die machte den Fall am 1. Januar öffentlich, zwei Tage, nachdem sie Facebook das erste Mal auf das verfremdete Foto hingewiesen hatte. Sie startete die "Operation Nifty Packet", sie landete mit ihrer Geschichte in internationalen Medien. In sehr ausführlichen Beiträgen schildert sie selbst ihren Fall. Von Menschenrechten ist da die Rede, von Kernwerten der Zivilisation, die durch Facebook bedroht seien.

Facebook-Polizei löscht schließlich doch

Die Entscheidungen von Facebook sorgen immer wieder für Unverständnis bei Nutzern. Mehr als 100.000 sähen es beispielsweise gerne, wenn der rechtsextremen Partei NPD die Seite geschlossen würde. Immer wieder sammeln sich Tausende Nutzer und beschweren sich über die Seite. Weil die Partei aber nicht verboten ist und auf ihren Facebook-Seiten nicht offen zu Straftaten aufruft, lässt Facebook die Rechtsextremen gewähren.

Mehrere Facebook-Seiten, die Witze über Vergewaltigungen machten, wurden Ende 2011 erst nach großem Protest geschlossen. Vorher hatte Facebook die angeblich satirischen Seiten wie "You know she's playing hard to get when your chasing her down an alleyway" gegenüber der BBC peinlicherweise noch verteidigt: Was einige als anstößig empfänden, sei für andere schlicht Entertainment. Ähnliche Seiten existieren allerdings weiterhin unbehelligt. Bei anderen Inhalten ist die Facebook-Polizei weniger zimperlich: Stillenden Müttern werden regelmäßig Fotos gelöscht - nackte Haut ist tabu.

Im Fall von Agustsdottir hat das Milliardennetzwerk Facebook schließlich doch noch reagiert und das Foto am 2. Januar endlich gelöscht. Nun, nach mehreren Tagen, entschuldigt sich das Unternehmen öffentlich: Das Foto hätte entfernt werden müssen, als es erstmals gemeldet wurde. Das sei ein Fehler, sagte ein Facebook-Sprecher gegenüber "Wired". Agustsdottir hält das für ungenügend. Facebook wollte auf Anfrage keine weitere Stellungnahme abgeben.

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1. tja... ein Grund mehr, sich KEINEN FB-account zuzulegen...
ijf 08.01.2013
...das FB-Gebaren ist ja hinlänglich bekannt, aber ich frage mich ernsthaft, was mit den isländischen Männern los ist? Wurden uns nicht letzte Woche noch im Spiegel die skandinavischen Rollenmuster und Familienmodelle als mustergültig beschrieben? Bei genauerer Prüfung sind wohl Regungen, die zu Verhaltensweisen a la Steubenville, betrunkenen indischen Bus-Fahrern und auf Mädchenköpfe schiessende Taliban-Milizen auch bei den nordischen Super-Familien-Männern nur einen Facebook-click weit weg?!
2. Facebook passiv nutzen.
xoxxxoooxo 08.01.2013
Man sollte in Facebook entweder einfach nur still sein und lesen oder sich mit einem Fakeaccount registrieren. Ich sehe genügend Leute die sie gegen rassistische Gruppen äußern und direkt von der gesamten Gruppe gemobbt werden. Man sollte aufpassen was man in Facebook sagt und macht.
3. so ist das halt
felisconcolor 08.01.2013
Zitat von sysopdapdEine Facebook-Nutzerin legte sich mit einer Gruppe Frauenverachter an. Die veröffentlichten daraufhin ein manipuliertes Foto von ihr. Sie informierte das Unternehmen, das zunächst jedoch nicht einschreiten wollte. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/netz-kontrolle-facebook-entschuldigt-sich-fuer-hassfoto-a-876323.html
wenn Alte Welt Vorstellungen auf Neue Welt Vorstellungen treffen. FB ist ein amerikanisches Unternehmen. Amerikaner haben eine absolut andere Grundwertwahrnehmung. Ist ihnen daraus ein Strick zu drehen? Nein! Denn es ist ihre Kultur. Die einzige Konsequenz kann nur sein, willst du dich nicht mit amerikanischen Moralwerten identifizieren lass die Finger davon. Ebenso gibt es sicher auch Dinge in Europa oder noch schlimmer in Deutschland, worüber sich Amerikaner absolut gruseln. Stillende Mütter zum Bleistift sind für Amerikaner absolutes no go, geschlagene Frauen finden sie witzig. So ist das nun mal. Hier aus Europa heraus den Empörten zu spielen greift wohl etwas zu kurz. Wie man sieht Multikulti funktioniert eben doch nicht
4.
Lütt_Matten 08.01.2013
Zitat von felisconcolorwenn Alte Welt Vorstellungen auf Neue Welt Vorstellungen treffen. FB ist ein amerikanisches Unternehmen. Amerikaner haben eine absolut andere Grundwertwahrnehmung. Ist ihnen daraus ein Strick zu drehen? Nein! Denn es ist ihre Kultur. Die einzige Konsequenz kann nur sein, willst du dich nicht mit amerikanischen Moralwerten identifizieren lass die Finger davon. Ebenso gibt es sicher auch Dinge in Europa oder noch schlimmer in Deutschland, worüber sich Amerikaner absolut gruseln. Stillende Mütter zum Bleistift sind für Amerikaner absolutes no go, geschlagene Frauen finden sie witzig. So ist das nun mal. Hier aus Europa heraus den Empörten zu spielen greift wohl etwas zu kurz. Wie man sieht Multikulti funktioniert eben doch nicht
Na - Soooooooooo schlimm scheinen Amerikaner Stillende Mütter nun auch wieder nicht zu finden...;-) "Time"-Titelbild mit nuckelndem Kleinkind steigert Abozahlen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/time-titelbild-mit-nuckelndem-kleinkind-steigert-abozahlen-a-832882.html)
5.
franko_potente 08.01.2013
Zitat von sysopdapdEine Facebook-Nutzerin legte sich mit einer Gruppe Frauenverachter an. Die veröffentlichten daraufhin ein manipuliertes Foto von ihr. Sie informierte das Unternehmen, das zunächst jedoch nicht einschreiten wollte. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/netz-kontrolle-facebook-entschuldigt-sich-fuer-hassfoto-a-876323.html
Tja, FB ist ja bekannt für allerlein seltsame Entscheidungen und Zenurgebaren. Analog Apple. Es versteht kein Mensch, wohl nicht mal US Amerikaner in Ihrer Prüderie. WAs allerdings die teilweise lächerlichen Forderungen nach Löschung bei "polit. Gruppen/ Willens und Meinsungsäußerungen" sollen, frage ich mcih. Wie undemokratisch auch hier die Forderung nach der Löschung von NPD / DIE LINKE Seiten. Antifa seiten usw usw.
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