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Netzneutralität: US-Aufsicht will Regeln zur Daten-Überholspur korrigieren

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Die US-Aufsichtsbehörde FCC lenkt ein: Daten-Überholspuren im Netz sollen nun doch strenger reglementiert werden. Ein neutrales Internet, wie es Verbraucher und Internetfirmen fordern, soll immerhin diskutiert werden.

Washington - Nach Protesten aus der Internetbranche will die US-Telekommunikationsbehörde FCC laut einem Zeitungsbericht ihre Pläne für eine bezahlte Überholspur im Netz abschwächen. So solle es die Zusicherung geben, dass Daten, für die nicht zusätzlich bezahlt wird, von den Netzbetreibern nicht abgebremst werden, berichtet das "Wall Street Journal" am Montag.

Die FCC (Federal Communications Commission) wolle auch eine Diskussion darüber beginnen, ob solche Deals für Vorfahrt gegen Entgelt nicht grundsätzlich untersagt werden sollten, schrieb die Zeitung unter Berufung auf informierte Personen. Außerdem wolle sie eine Debatte darüber, ob Breitbandinternet als öffentlich relevante Infrastruktur betrachtet werden solle. Das würde eine strengere Regulierung bedeuten. Die Netzbetreiber dürften aber gegen eine solche Neuordnung vor Gericht ziehen, schätzen Branchenexperten.

Das Prinzip der Netzneutralität besagt, dass alle Daten im Netz grundsätzlich gleich behandelt werden müssen. In der Europäischen Union ist die Netzneutralität mittlerweile politisch festgeschrieben - im Gegensatz zu den USA.

Vor allem die Telekom-Unternehmen fordern Ausnahmen, um zum Beispiel für medizinische Dienste oder Videoübertragungen eine bessere Leitung anbieten zu können. Internetkonzerne wie Facebook, Google oder die Online-Videothek Netflix befürchten aber, sie könnten von den Telekom-Firmen wegen ihres hohen Datenaufkommens grundsätzlich für die Qualitätsabsicherung zur Kasse gebeten werden.

Vergangene Woche hatten mehr als 150 amerikanische Online-Unternehmen von der US-Regierung gleiche Bedingungen für alle im Internet gefordert. Sie wurden von Netz-Giganten wie Google, Facebook, Microsoft, Netflix und Amazon angeführt.

Für diesen Donnerstag ist eine Abstimmung der fünfköpfigen FCC über die Vorschläge angesetzt. Zwei der Kommissionsmitglieder sprachen sich bereits dafür aus, sie angesichts der öffentlichen Kritik zu verschieben. Es gibt auch Gegenentwürfe, unter anderem von der Mozilla-Stiftung, die hinter dem populären Webbrowser Firefox steht.

ore/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Wenn nicht verlangsamt werden darf,
wpstier 12.05.2014
dann wird eben der eine oder andere bevorzugt. Wozu das Jammern wegen der Neutralität?
2. Die FCC als
felisconcolor 12.05.2014
nationale Behörde kann für ihren Geltungsbereich natürlich beschliessen was sie mag. Wenn z.B. Google in Amerika dadurch ein paar Nanosekunden schneller beim Kunden ist weil Google dort bezahlt ist das nicht mehr als legitim. Sobald das Kabel aber das amerikanische Festland verlässt in nach Europa geht haben halt wieder alle Daten die gleiche Geschwindigkeit zu haben. Insofern sollten Entscheidungen der FCC erst einmal nicht sonderlich von Belang sein.
3. Hüben wie Drüben
yshitake 12.05.2014
Die Verwalter der Infrastruktur wollen gerne eine Maut, Express- und Schleichspur einführen um weitere Umsatzfelder zu generieren. Interessant nur, das in den USA schon die Unternehmen die Aktivistenrolle übernehmen, die hier im allgemeinen als kriminelle Datenkraken verschrien sind. Leider ist der einzige nennenswerte Internetgigant in Deutschland die Telekom. Diese Firma muss sich aber nicht auf einem freien Markt um Kunden bemühen, sondern sorgt sich nur darum an welchen Stellen sie immer mehr Schranken für Wegzölle installieren kann. Das die Netzneutralität in Europa bereits gesichert ist, halte ich für sehr optimisstisch. Es wird sicher noch mal zur Verhandlungsmasse, spätestens wenn es auf dem Telekom-Markt wieder zu großen Übernahmen und Fusion auf europaweiter Ebene kommt. Das Thema wird uns noch Jahre begleiten. Denn Bandbreite ist ein nimmersatter Wachstumsmarkt, auf dem es früher oder später zum Klassenkampf kommen muss.
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Netzneutralität - Gleiches Recht für alle Daten
Wofür steht Netzneutralität?

Ob YouTube-Video oder Nachrichten von SPIEGEL ONLINE, ob World of Warcraft oder BitTorrent: Neutrale Netze leiten alle Inhalte durch, ohne nach der Herkunft der Datenpakete zu fragen. Die Netzbetreiber, darunter vor allem die großen Telekommunikationsunternehmen, kontrollieren nicht, welche Inhalte unterwegs sind. Ebenso wenig bremsen sie bestimmte Daten aus - etwa Filme aus Tauschbörsen, die oft mehrere Gigabyte groß sind.

dpa
Was spricht für Netzneutralität?

Befürworter sehen in neutralen Netzen eine Voraussetzung für den Wettbewerb - und der dient dem Verbraucher. Das wird an einem Negativ-Szenario deutlich: Was wäre etwa, wenn ein Provider mit einem Online-Kaufhaus kooperiert und dessen Konkurrenten ausbremst? Oder wenn nur eine Suchmaschine zugelassen wäre? Außerdem gilt das Prinzip als Garant für Innovationen. Weil die Kosten für ein digitales Kaufhaus, Blog oder Web-2.0-Portal vergleichsweise niedrig sind, versuchen Jahr für Jahr Tausende Unternehmer ihr Glück. Viele scheitern, einige schaffen es. Auch heutige Größen wie Google, Amazon und Facebook fingen klein an.

dpa
Warum gibt es Bedenken?

Der Verkehr auf der Datenautobahn wächst durch Videos, Internet-TV und das Telefonieren im Netz (VoIP) rasant - so sehr, dass es ohne Regulierung bald einen Mega-Stau geben könnte. Schon heute betreiben Telekom, Vodafone und andere daher ein Netzwerkmanagement, um die verfügbare Bandbreite sinnvoll zu nutzen.

dpa
Wer ist gegen Netzneutralität?

Vor allem die Netzbetreiber fordern eine Abkehr vom Prinzip in seiner Reinform. Ihr Argument: Wer die Leitungen besonders stark in Anspruch nimmt, soll auch mehr zahlen. Bei der Deutschen Telekom und dem spanischen Pendant Telefónica ist etwa zu hören, dass sie beispielsweise den Internet-Giganten Google gerne zur Kasse bitten würden. Darüber hinaus böten sich ihnen neue Geschäftsmodelle, etwa durch differenzierte Tarife: Nutzer, die große Datenmengen saugen, zahlen mehr als Gelegenheitssurfer.

dpa
Gibt es schon nicht-neutrale Netze?

Aber sicher: Das Paradebeispiel sind die Mobilfunknetze. So blockieren etliche Anbieter den Dienst Skype oder verlangen dafür einen Zuschlag - die Software für Internet-Telefonie schadet dem eigenen Geschäftsmodell.

dpa


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