Netzneutralität: Provider am Pranger

Der eigene Anbieter sperrt Internet-Telefonie auf dem Handy oder drosselt Messenger-Dienste? Solche Sünden kann man jetzt öffentlich melden: Auf der Plattform Respect My Net werden Provider aus ganz Europa denunziert - im Dienste der Netzneutralität.

"Respect my Net": Denunziation erwünscht Zur Großansicht

"Respect my Net": Denunziation erwünscht

Hier ist Petzen ausdrücklich erwünscht: Seit letzter Woche gibt es die Seite Respect My Net, auf der jeder Verstöße gegen die Netzneutralität durch Provider melden kann. Nach dem Prinzip "Naming and Shaming" (benennen und beschämen) schreiben hier unzufriedene Handy- und Computernutzer auf, welche Dienste ihr eigener Anbieter sperrt oder künstlich drosselt.

Hinter der schmucklosen Seite im deutsch-englischen Sprachmischmasch steckt die französische Netzaktivistengruppe La Quadrature du Net und die niederländischen Bürgerrechtler von Bits of Freedom sowie ein paar Einzelkämpfer.

Knapp 100 Vorwürfe sind in der ersten Woche eingegangen, die überwältigende Mehrheit kommt aus Frankreich. Mit dabei sind aber beispielsweise auch Meldungen aus Großbritannien, den Niederlanden, Italien, Schweden oder Zypern.

Auch in Deutschland wird angeschwärzt: Kunden von T-Mobile, Vodafone und O2 beschweren sich, dass sie für die Nutzung von Voice-over-IP-Diensten auf dem Handy extra zahlen müssen und zitieren dazu aus ihren Verträgen. Doch nicht immer steht im Kleingedruckten, was nicht läuft; mancher Nutzer merkt einfach, dass ein bestimmter Dienst nicht richtig funktioniert. So behauptet ein E-Plus-Kunde, dass die Nachrichten des Messengers WhatsApp bei ihm verspätet ankommen - selbst, wenn ein Speedtest ihm die volle Bandbreite anzeigt.

Was tatsächlich meldenswert ist und was nicht, erklärt die Seite auch. Demnach gehören kurzfristige Verbindungsstörungen oder eine schlechte Netzabdeckung nicht auf die Liste. Außerdem gibt es eine Anleitung und eine Liste von Werkzeugen zum selbständigen Messen der Netzneutralität wie Neubot oder Netalyzr.

Die veröffentlichten Meldungen können von anderen Nutzern bestätigt werden. Die Seitenbetreiber sammeln zunächst mal und wollen dann "die Europäischen Kommission und nationale Regierungen über diese Verletzungen informieren und verlangen, dass darauf reagiert wird".

dsm

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