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Bevorzugte Dienste: Telekom bremst Spotify-Konkurrenz aus

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Telekom-Kunden können demnächst den Musikdienst Spotify dazubuchen - die anfallenden Daten werden nicht zum sonstigen Datenverbrauch des Nutzers hinzugezählt. Wer ein Musikabo der Konkurrenz wählt, muss aufpassen.

Telekom-Stand auf der Ifa in Berlin: Spotify kostet nicht extra Zur Großansicht
dapd

Telekom-Stand auf der Ifa in Berlin: Spotify kostet nicht extra

Kennen Sie das Kleingedruckte Ihres Mobilfunkvertrags? Die angepriesene Internet-Flatrate entpuppt sich beim näheren Hinsehen meist als Mogelpackung. Erreicht man im Monat ein bestimmtes Datenvolumen, zum Beispiel 200 MB, wird die Geschwindigkeit reduziert. E-Mails lassen sich dann nur noch im Schneckentempo abrufen, alles mit Multimedia können Sie praktisch vergessen.

Bei intensiver Nutzung sind 200 MB im Monat schnell verbraucht. Das weiß auch die Telekom, die nun auf der Ifa eine Kooperation mit dem Musikdienst Spotify vorgestellt hat. Spotify bietet Zugriff auf Millionen von Musiktiteln, die auf das Telefon gestreamt oder heruntergeladen werden. Würde man nur Spotify nutzen, würden 200 MB Datenvolumen für nicht einmal drei Stunden Musikhören ausreichen.

Selbst mit einem großzügigen Vertrag, bei dem 2 GB Daten im Monat frei sind, ist nach etwas mehr als einem Tag Musik-Streamen Schluss mit der annehmbaren Surfgeschwindigkeit, wenn man nur im Mobilfunknetz Musik hört und keinen der Titel speichert. Beim Telekom-Angebot wird der Datenverbrauch von Spotify einfach nicht mitgezählt. Das ist für Spotify-Nutzer ungeheuer praktisch.

Konkurrenz hält still

Wer aber ein anderes Streaming-Angebot nutzen will, zum Beispiel Rdio, Simfy, Deezer, Napster oder Juke, ist im Nachteil. Für die Spotify-Konkurrenz gilt die Daten-Ausnahme nicht. Zwar lassen sich Musikstücke herunterladen, wenn man etwa gerade eine W-Lan-Verbindung hat. Das zufällige Streamen und spontane Herunterladen will dann aber gut überlegt sein.

Gegen die Ungleichbehandlung mag aber Rdio zum Beispiel nicht protestieren. Der Dienst verhandelt selbst mit Providern über privilegierten Zugang zu Mobilfunknutzern, in Brasilien und Kanada gibt es entsprechende Abkommen. Überhaupt sei mehr Aufmerksamkeit für Musik-Streaming für alle gut, teilt das Unternehmen mit. Die Konkurrenz hält still - und hofft selbst auf Sonderzugänge. Spotify hat ähnliche Deals in acht Ländern.

Die Nutzer-Lobby kritisiert den Spotify-Deal: "Die Telekom sollte ihre Services insgesamt netzneutral anbieten, so dass jeder Spotify oder einen beliebigen anderen Dienst mit maximaler Qualität nutzen kann", sagt Markus Beckedahl vom Verein Digitale Gesellschaft.

Zwei-Klassen-Gesellschaft

Bereits in der Vergangenheit hatten Mobilfunk-Provider ihren Smartphone-Kunden bestimmte Dienste vorenthalten, so zum Beispiel den Sprach- und Videochat-Dienst Skype. Schließlich können damit Telefonkosten umgangen werden. Ebenso haben Apps für kostenlose Kurznachrichten die SMS-Umsätze schrumpfen lassen. Gleichzeitig bedeutet die Zunahme von Smartphones eine höhere Datenbelastung für die Netze: Die Provider müssen ausbauen, und das kostet.

So sieht die Mobilfunk-Zukunft also aus: Bestimmte Internet-Dienste schließen Abkommen mit Providern und werden bevorzugt. Entweder, indem ihre Daten mit garantierter Geschwindigkeit übertragen werden - oder eben, indem der Kunde nicht extra für die Datenübertragung zahlen muss. Kleinere Angebote mit weniger finanziellem Verhandlungsspielraum haben das Nachsehen. Markus Beckedahl nennt das den Abschied von der Idee eines Internets, das alles könne, und das gleich gut. Genau diesen Abschied verkündet Telekom-Chef René Obermann allerdings seit Jahren.

Streamingdienste im Überblick
Angebot Spotify Simfy Napster Deezer Rdio Juke
Titel im Katalog 16 Mio. 16 Mio. 15 Mio. 13 Mio. 15 Mio. 15 Mio.
Browser nein ja ja ja ja ja
Player Desktop Windows, MacOS, Linux, iOS, Android, Blackberry Windows, MacOS, Linux, iOS, Android, Blackberry Windows / MacOS nein Windows / MacOS nein
Player Mobil iOS, Android, Blackberry, WP 7 iOS, Android, Blackberry iOS, Android iOS, Android, Blackberry iOS, Android, Blackberry, WP 7 iOS, Android
Offline-
Modus (Desktop)
ja (9,99 Euro) ja (9,99 Euro) ja ja (9,99 Euro im Monat, 1 Rechner) nein ja
Offline-
Modus (mobil)
ja (9,99 Euro) ja (9,99 Euro) ja (9,95 Euro) ja (9,99 Euro im Monat, 1 Gerät) ja (9,99 Euro im Monat) ja
Eigene Daten (Desktop) ja ja nein ja ja nein
Eigene Daten (mobil) ja (9,99 Euro im Monat) nein nein ja ja (9,99 Euro im Monat) nein
App-
Plattform
ja nein nein nein nein nein
Künstler-
Radio
ja ja ja ja ja nein
Bitrate 160 Kbit/s Dektop, 320 Kbit/s (99 % 9,99 Euro) 192 - 320 Kbit/s 128 Kbit/s (Streaming Dekstop), 192 Kbit/s AAC offline bis zu 320 Kbit/s bis zu 320 Kbit/s keine Information
Gratis werbe-
finanziert (sechs Monate unbegrenzt auf dem Desktop, welt-
weit begrenzt auf 10 Stunden nach sechs Monaten)
werbe-
finanziert (20 Stunden Streaming auf Desktop / per Browser, 5 Stunden nach zwei Monaten)
Testversion 7 Tage 30 Sekunden zum Reinhören / Testversion 15 Tage Premium Testversion 7 Tage Unlimited nein
Bezahl-Angebot 1 4,99 Euro (unbe-
grenztes Streaming Desktop)
4,99 (unbe-
grenztes Streaming auf Desktop / per Browser)
7,95 (Streaming Desktop) 4,99 (Browser / Desktop), 9,99 (Mobil, Offline-Funktion) 4,99 (Browser / Desktop), 9,99 (Mobil, Offline-Funktion) -
Bezahl-Angebot 2 9,99 Euro / Monat 9,99 Euro / Monat 9,95 (Desktop und Mobil) 9,99 (Mobil, Offline-Funktion) 9,99 (Mobil, Offline-Funktion) 9,99
Stand: 10.8.2012

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insgesamt 5 Beiträge
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    Seite 1    
1. -.-
bingo` 31.08.2012
Und am Ende wird sich der Verbraucher aufregen, weil er mit der Telekom zwar Spotify nutzen kann, aber für einen anderen Dienst auf einen anderen Provider angewiesen wäre. Hurra, da kann man sich ja jetzt schon drauf freuen.
2. Und wir wundern uns
4qfghei3pers 31.08.2012
über immer langsamere Datenverbindungen. Wenn jeder Musik oder Videos downloadet, bremst das insgesamt die Kapazität aus. Eine unheilvolle Entwicklung....
3. Falsche Überschrift, falsche Inhalte
NeoVG 04.09.2012
Die Überschrift in schlicht und einfach unwahr. Spotify-Konkurrenten werden mitnichten ausgebremst, sondern funktionieren genau so wie zuvor und wie Spotify bisher auch. Neu ist nur, dass die Telekom Spotify mit dem Bonus des freien Datentransfers selbst anbietet. Das wäre theoretisch auch mit anderen Streaming-Diensten machbar, sofern diese ebenfalls auf eine Zusammenarbeit mit der Telekom eingehen und dafür auf einen Teil ihrer Abogebühren verzichten (Spotify Telekom kostet inkl. Traffic genau so viel wie Spotify Premium).
4. optional
antonerdnusscreme 11.09.2012
Ja, ich finde auch, man sollte solch selbstbestimmte Entscheidungen zweier Unternehmen zur Zusammenarbeit einfach per Gesetz verbieten. Oder nein, man lässt den Netmob darüber entscheiden, wer mit wem und wie zusammenarbeiten muss.
5. 75GB oder 200GB nicht MB
elektronengehirn 26.04.2013
Bitte genau hinschauen oder bitte jemanden schreiben lassen der etwas von der Materie versteht! Danke.
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Fotostrecke
"Chip"-Netztest 2012: So wurden die Mobilfunknetze getestet

Netzneutralität - Gleiches Recht für alle Daten
Wofür steht Netzneutralität?

Ob YouTube-Video oder Nachrichten von SPIEGEL ONLINE, ob World of Warcraft oder BitTorrent: Neutrale Netze leiten alle Inhalte durch, ohne nach der Herkunft der Datenpakete zu fragen. Die Netzbetreiber, darunter vor allem die großen Telekommunikationsunternehmen, kontrollieren nicht, welche Inhalte unterwegs sind. Ebenso wenig bremsen sie bestimmte Daten aus - etwa Filme aus Tauschbörsen, die oft mehrere Gigabyte groß sind.

dpa
Was spricht für Netzneutralität?

Befürworter sehen in neutralen Netzen eine Voraussetzung für den Wettbewerb - und der dient dem Verbraucher. Das wird an einem Negativ-Szenario deutlich: Was wäre etwa, wenn ein Provider mit einem Online-Kaufhaus kooperiert und dessen Konkurrenten ausbremst? Oder wenn nur eine Suchmaschine zugelassen wäre? Außerdem gilt das Prinzip als Garant für Innovationen. Weil die Kosten für ein digitales Kaufhaus, Blog oder Web-2.0-Portal vergleichsweise niedrig sind, versuchen Jahr für Jahr Tausende Unternehmer ihr Glück. Viele scheitern, einige schaffen es. Auch heutige Größen wie Google, Amazon und Facebook fingen klein an.

dpa
Warum gibt es Bedenken?

Der Verkehr auf der Datenautobahn wächst durch Videos, Internet-TV und das Telefonieren im Netz (VoIP) rasant - so sehr, dass es ohne Regulierung bald einen Mega-Stau geben könnte. Schon heute betreiben Telekom, Vodafone und andere daher ein Netzwerkmanagement, um die verfügbare Bandbreite sinnvoll zu nutzen.

dpa
Wer ist gegen Netzneutralität?

Vor allem die Netzbetreiber fordern eine Abkehr vom Prinzip in seiner Reinform. Ihr Argument: Wer die Leitungen besonders stark in Anspruch nimmt, soll auch mehr zahlen. Bei der Deutschen Telekom und dem spanischen Pendant Telefónica ist etwa zu hören, dass sie beispielsweise den Internet-Giganten Google gerne zur Kasse bitten würden. Darüber hinaus böten sich ihnen neue Geschäftsmodelle, etwa durch differenzierte Tarife: Nutzer, die große Datenmengen saugen, zahlen mehr als Gelegenheitssurfer.

dpa
Gibt es schon nicht-neutrale Netze?

Aber sicher: Das Paradebeispiel sind die Mobilfunknetze. So blockieren etliche Anbieter den Dienst Skype oder verlangen dafür einen Zuschlag - die Software für Internet-Telefonie schadet dem eigenen Geschäftsmodell.

dpa

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