Bei Facebook sorgen rund 300 Mitarbeiter für die Sicherheit von Nutzern und Netzwerk. "Wir verbringen so viel Zeit in virtuellen Nachbarschaften - und Cyber-Kriminelle haben sich an unsere Fersen geheftet", heißt es auf den Seiten der Facebook-Polizei. Sie kümmert sich um mehr als 900 Millionen Mitglieder weltweit - und seit dem Börsengang schützt sie auch die Interessen der Aktionäre.
Um die Facebook-Mitglieder gegen Hacker und Spammer zu verteidigen, greifen die Ermittler des Konzerns zu Methoden der Rasterfahndung. "The Verge" hat mit einem Mitarbeiter des Facebook-Sicherheitsteams über die Maßnahmen gesprochen. Dazu gehören:
Neben den Kriminalern gibt es noch so etwas wie ein Sittendezernat bei der Facebook-Polizei. Zum einen werden die Mitglieder selbst angehalten, anstößige Inhalte mit einem Klick zu melden. Mit einem Heer externer Billigarbeiter setzt Facebook seine eigenen Werte durch - Schmutz und Scheußlichkeiten werden gelöscht, allzu explizite Fotos ebenfalls. Nach welchen Kriterien die Kontrolleure vorgehen, wurde erst im Februar bekannt, nachdem ein Mitarbeiter den Facebook-Knigge einem US-Blog zuspielte. Die offiziellen Regeln sind viel allgemeiner gehalten.
Facebook versucht, sein Netzwerk sauber zu halten - und schaut den Nutzern dabei genau in die Profile. Bald 15 Prozent der Weltbevölkerung ordnen sich somit den Hausregeln eines US-Konzern unter. In Ländern wie Deutschland oder den USA ist Facebook eine Erweiterung der Öffentlichkeit, ein Bonus - in autoritären Staaten kann das Netzwerk der einzige Bereich sein, an dem Kritik und Diskussion überhaupt möglich sind.
In Ländern wie Syrien seien Facebooks Regeln weitaus liberaler als die des Regimes - in den Vereinigten Staaten sei das aber nicht so klar, schreibt der US-Journalist Steve Coll. Er hat Facebook den Rücken gekehrt, weil der Konzern nach dem Börsengang nun noch mehr in den Nutzerdaten schnüffeln müsse, um Gewinn zu machen. Denn so sehr Facebook als Staat auftrete, die Regeln des Netzwerks nach Grundgesetz klinge - das einzige digitale Bürgerrecht sei der Austritt.
Findet Facebook die richtige Balance zwischen Sicherheit und Freiheit? Gibt es überhaupt Freiheit in dieser künstlichen Sauberwelt? Eine riesige Gemeinschaft wird von einem Konzern kontrolliert, Link für Link, Foto für Foto. "Wir akzeptieren alle, von einem Konzern überwacht und kontrolliert zu werden", schreibt "The Verge". Ohne die Facebook-Polizei würde die Plattform zu einer Spamhölle und Dreckschleuder verkommen.
Ihre Rolle als Online-Staatsherren wollen die Facebook-Manager kaum anerkennen. Firmengründer Mark Zuckerberg herrscht allein über das Netzwerk. Die Nutzer dürfen allenfalls ihre Meinung sagen, wenn wieder Mal eine Änderung der Regeln ansteht. (In Deutschland werden diese Aufrufe gerne am Freitagabend veröffentlicht.) Auf die Beteiligung der Nutzer wird aber offenbar kaum Wert gelegt. Die Ankündigung bekommen nur Nutzer zu sehen, die sich vorher dafür interessiert haben, auf fragende Kommentare gibt es wochenlang keine Antwort.
Facebook hat seine digitalen Bürger im Griff. Im Zweifel kommt die Polizei.
ore
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