Um einen Grund sind die Unternehmen nie verlegen: WikiLeaks sei möglicherweise in Aktivitäten verwickelt, die nicht mit den Firmenrichtlinien für die Abwicklung von Finanztransaktionen übereinstimmten, teilte die Bank of America mit. Mit diesem Hinweis begründet die US-Großbank ihre Entscheidung, künftig keine Überweisungen an die Enthüllungsplattform mehr abzuwickeln.
Für WikiLeaks, das sich über Spendengelder finanziert, wird es zunehmend komplizierter, an Geld zu kommen - selbst wenn sich ausreichend Spender finden. Denn die Bank of America gesellt sich in einen wachsenden Kreis von Finanzdienstleistern, die WikiLeaks aktiv boykottieren. Mastercard, Visa und PayPal haben bereits jeglichen Zahlungsverkehr mit WikiLeaks eingestellt.
Im Internet provozierte diese Blockade-Haltung heftige Gegenwehr: Sympathisanten von WikiLeaks legten die Webseiten der Unternehmen mit sogenannten Distributed-Denial-of-Service-Attacken (DDoS) zeitweise lahm. Die Mitarbeiter der Enthüllungsplattform, die sich von den Cyber-Angriffen distanzierten, rächten sich auf ihre Weise an den zwei Kreditkartenunternehmen: Sie veröffentlichten eine US-Depesche aus der Moskauer Botschaft, die Visa und Mastercard gar nicht gut aussehen lässt.
Den US-Banken könnte Ähnliches drohen: WikiLeaks-Gründer Julian Assange hat angedeutet, dass er als nächstes Geheimdokumente einer US-Großbank veröffentlichen wolle. Die Dokumente offenbarten "ungeheuerliche Übertretungen" und "unethische Praktiken", sagte Assange in einem Interview mit dem US-Wirtschaftsmagazin "Forbes".
Als direkte Reaktion auf die Ankündigung der US-Bank forderte WikiLeaks per Twitter "alle Menschen, die die Freiheit lieben" auf, ihre Konten bei der Bank of America aufzulösen. Assange bezeichnete das Vorgehen der Bank als "neue Form des McCarthyismus" in den USA. Der 1957 gestorbene US-Republikaner Joseph McCarthy führte in den fünfziger Jahren einen unerbittlichen Feldzug gegen eine angebliche Unterwanderung von Staatsämtern durch Kommunisten und deren Anhänger.
Seine Organisation solle um die Geldmittel gebracht werden, die sie zum Überleben brauche, sagte Assange der Nachrichtenagentur AFP in der ost-englischen Kleinstadt Beccles. Auch er sei auf die an WikiLeaks überwiesenen Zahlungen angewiesen, damit seine Anwälte ihn vor einer Auslieferung in die USA oder nach Schweden schützen könnten.
Assange sieht sich nach seiner Freilassung aus der Haft in Lebensgefahr. "Es gibt eine Bedrohung für mein Leben. Es gibt Bedrohungen für meine Leute." Er bezichtigt die USA, hinter den Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihn zu stecken. Die schwedische Justiz will Assanges Auslieferung. In Schweden wird ihm sexueller Missbrauch zweier Frauen vorgeworfen. Assange bestreitet die Vorwürfe. "Das Verfahren in Schweden ist ein Hohn." Es gebe eine Aussage einer der Zeuginnen, dass sie hereingelegt worden sei, behauptete Assange.
wbr/dapd/AFP/dpa
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