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Neue Blockade: Bank of America stoppt Geldfluss an WikiLeaks

Visa, Mastercard, PayPal - und jetzt die Bank of America: Die US-Großbank reiht sich bei den Unternehmen ein, die Zahlungen an WikiLeaks sperren. Die Plattform hat bereits angekündigt, dass die nächste Enthüllung eine US-Bank treffen wird.

Times Square, New York: Die Bank of America sperrt Zahlungen an WikiLeaks Zur Großansicht
REUTERS

Times Square, New York: Die Bank of America sperrt Zahlungen an WikiLeaks

Um einen Grund sind die Unternehmen nie verlegen: WikiLeaks sei möglicherweise in Aktivitäten verwickelt, die nicht mit den Firmenrichtlinien für die Abwicklung von Finanztransaktionen übereinstimmten, teilte die Bank of America mit. Mit diesem Hinweis begründet die US-Großbank ihre Entscheidung, künftig keine Überweisungen an die Enthüllungsplattform mehr abzuwickeln.

Für WikiLeaks, das sich über Spendengelder finanziert, wird es zunehmend komplizierter, an Geld zu kommen - selbst wenn sich ausreichend Spender finden. Denn die Bank of America gesellt sich in einen wachsenden Kreis von Finanzdienstleistern, die WikiLeaks aktiv boykottieren. Mastercard, Visa und PayPal haben bereits jeglichen Zahlungsverkehr mit WikiLeaks eingestellt.

Im Internet provozierte diese Blockade-Haltung heftige Gegenwehr: Sympathisanten von WikiLeaks legten die Webseiten der Unternehmen mit sogenannten Distributed-Denial-of-Service-Attacken (DDoS) zeitweise lahm. Die Mitarbeiter der Enthüllungsplattform, die sich von den Cyber-Angriffen distanzierten, rächten sich auf ihre Weise an den zwei Kreditkartenunternehmen: Sie veröffentlichten eine US-Depesche aus der Moskauer Botschaft, die Visa und Mastercard gar nicht gut aussehen lässt.

Den US-Banken könnte Ähnliches drohen: WikiLeaks-Gründer Julian Assange hat angedeutet, dass er als nächstes Geheimdokumente einer US-Großbank veröffentlichen wolle. Die Dokumente offenbarten "ungeheuerliche Übertretungen" und "unethische Praktiken", sagte Assange in einem Interview mit dem US-Wirtschaftsmagazin "Forbes".

Als direkte Reaktion auf die Ankündigung der US-Bank forderte WikiLeaks per Twitter "alle Menschen, die die Freiheit lieben" auf, ihre Konten bei der Bank of America aufzulösen. Assange bezeichnete das Vorgehen der Bank als "neue Form des McCarthyismus" in den USA. Der 1957 gestorbene US-Republikaner Joseph McCarthy führte in den fünfziger Jahren einen unerbittlichen Feldzug gegen eine angebliche Unterwanderung von Staatsämtern durch Kommunisten und deren Anhänger.

Seine Organisation solle um die Geldmittel gebracht werden, die sie zum Überleben brauche, sagte Assange der Nachrichtenagentur AFP in der ost-englischen Kleinstadt Beccles. Auch er sei auf die an WikiLeaks überwiesenen Zahlungen angewiesen, damit seine Anwälte ihn vor einer Auslieferung in die USA oder nach Schweden schützen könnten.

Assange sieht sich nach seiner Freilassung aus der Haft in Lebensgefahr. "Es gibt eine Bedrohung für mein Leben. Es gibt Bedrohungen für meine Leute." Er bezichtigt die USA, hinter den Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihn zu stecken. Die schwedische Justiz will Assanges Auslieferung. In Schweden wird ihm sexueller Missbrauch zweier Frauen vorgeworfen. Assange bestreitet die Vorwürfe. "Das Verfahren in Schweden ist ein Hohn." Es gebe eine Aussage einer der Zeuginnen, dass sie hereingelegt worden sei, behauptete Assange.

wbr/dapd/AFP/dpa

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1. Hätte Krise verhindern können
wahlossi_80 18.12.2010
Zitat von sysopVisa, Mastercard, Paypal - und jetzt die Bank of America: Die US-Großbank reiht sich bei den Unternehmen ein, die Zahlungen an WikiLeaks sperren. Die Plattform hat bereits angekündigt, dass die nächste Enthüllung eine US-Bank treffen wird. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,735485,00.html
Wie schön, dass sich Banken endlich als Feinde der Meinungsfreiheit outen. Man könnte nun entgegnen, das sei ja klar, wenn Wikileaks Enthüllungen über ebendiese Bank angedeutet hat. Wie aber, wenn nicht über solche Kanäle, sollten jemals kriminelle Machenschaften ans Tageslicht kommen? Der Feldzug der Banken gegen Wikileaks lässt erahnen, wieviel dort im Verborgenen geschieht, was wir alle potentiell bezahlen müssen. Möglicherweise hätte Wikileaks auch die Finanzkrise verhindern können.
2. Wikileaks
☺☺☺ 18.12.2010
Seit 2006 ist Wikileaks aktiv und keinen hat es gejuckt trotz aufsehenerregender Veröffentlichungen. Und jetzt auf einmal - rein zufällig - verstößt Wikileaks gegen sämtliche AGB ? Das glaube ich nicht. Entweder wird auf diese Firmen Druck ausgeübt, oder diese Firmen stellen den Support ein, weil als nächstes eine Bank an der Reihe sein soll. Eines von beiden.
3. "Um einen Grund ...
darth_vader_sein_nachbar 18.12.2010
... sind die Unternehmen nie verlegen." Wie kann man die Bank of America treffen? Ich habe Amazon, Visa und Mastercard mitgeteilt, was ich davon halte, und dass ich auf ihre Dienste fürs erste verzichte. Was ich auch tue. Dito ebay/Paypal. Ich hoffe, dass möglichst viele genauso handeln. Es gibt genug Alternativen, keiner braucht den Mist wirklich. Meine persönliche Meinung: die USA sind wohl nicht allzuweit von China entfernt. Freunde? Nein danke!
4. .
Kassian 18.12.2010
Das Land der Freiheit sind die USA schon lange nicht mehr, spätestens seit den Angriffen von Bin Laden haben sie ihre eigene Freiheit geopfert um eine sehr trügerische Sicherheit im Gegenzug zu erhalten, welche sie auch bei kommenden Angriffen nicht schütze wird. Ein solches Land und ein solches Handeln sollte nicht unseren Zorn, sondern unser Mitgefühl erregen.
5. Wo ist und bleibt denn der Messias?
Pinarello, 18.12.2010
Zitat von darth_vader_sein_nachbar... sind die Unternehmen nie verlegen." Wie kann man die Bank of America treffen? Ich habe Amazon, Visa und Mastercard mitgeteilt, was ich davon halte, und dass ich auf ihre Dienste fürs erste verzichte. Was ich auch tue. Dito ebay/Paypal. Ich hoffe, dass möglichst viele genauso handeln. Es gibt genug Alternativen, keiner braucht den Mist wirklich. Meine persönliche Meinung: die USA sind wohl nicht allzuweit von China entfernt. Freunde? Nein danke!
Bestätigung, bei Amazon dieses Weihnachten genau 0,00 Euro ausgeben und sämtliche Mitteilungen abbestellt. Übrigens, die USA sind nicht nur nicht mehr allzuweit von China entfernt, die bewegen sich mir Riesenschritten auf dieses übelste aller kommunistische Ausbeutersystem zu, jetzt können die korrupten und mafiösen Herrn im ZK der chinesischen KP sich gegenseitig auf die Schultern klopfen, sie haben in allen Bereichen den Westen besiegt und überflügelt. Vom vor Jahren zum Messias dieser Welt hochgejubelten Barak Obama hört und sieht man ja gar nix mehr, allerdings hatte ich dessen Messiasstatus ja zu 100% als reine Medienerfindung abgetan. In den USA, genauso wie in Europa, regieren andere und die stehen keinesfalls ganz vorne im Rampenlicht, sonst würden deren verbrecherischen Machenschaften ja auffliegen. Alleine schon dafür hat WikiLeaks den Nobelpreis verdient, jedenfalls um ein vielfaches eher als dieser vorgeschobene Schuhputzer aus Illinois..
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Der Fall Julian Assange
Mitte August 2011 - Die Vorfälle
dpa
Ein Aufenthalt von Julian Assange in Schweden hat gravierende Folgen. Der WikiLeaks-Gründer nimmt an mehreren Veranstaltungen teil. Dabei trifft er auf zwei Frauen: Pressesprecherin Anna A. und Künstlerin Sofia W. Mit beiden hat er nacheinander Sex.

Kurz darauf erfahren die Frauen von den parallelen Affären, tauschen ihre Erfahrungen aus und beschließen, gemeinsam zur Polizei zu gehen. Sie habe die jüngere Sofia eigentlich nur als Zeugin begleiten wollen, gibt Anna A. später zu Protokoll. Assange sei zwar nicht gewalttätig, habe aber eine verquere Einstellung gegenüber Frauen und könne kein Nein akzeptieren. Sie werfen ihm Vergewaltigung und sexuelle Nötigung vor.

20. August 2011 - Haftbefehl in Schweden
Gegen Assange ergeht nach den Aussagen der zwei Schwedinnen ein Haftbefehl. Der Australier weist gleich nach Bekanntwerden der Anschuldigungen alles zurück. Im offiziellen WikiLeaks-Blog stellen sich die Mitarbeiter hinter ihn. In einer Twitter-Mitteilung von WikiLeaks heißt es: "Wir sind vor schmutzigen Tricks gewarnt worden. Jetzt erleben wir den ersten."
21. August 2011 - Haftbefehl aufgehoben
AFP
Der Haftbefehl gegen Assange wird aufgehoben. Die Stockholmer Staatsanwältin Eva Finné sagt: "Es gibt für mich keinen Grund mehr für den Verdacht, dass er eine Vergewaltigung begangen hat." Die Staatsanwaltschaft ermittelt jedoch weiter gegen Assange - wegen des Verdachts auf sexuelle Belästigung.
1. September 2011 - Neue Ermittlungen
Die schwedischen Behörden machen eine Kehrtwende: Die Staatsanwaltschaft nimmt das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Vergewaltigung wieder auf. Die neuen Ermittlungen seien das Ergebnis einer weiteren Überprüfung des Falls, sagt Generalstaatsanwältin Marianne Ny. Es geht nun um den Verdacht auf Vergewaltigung in einem Fall sowie auf sexuelle Belästigung und Nötigung in einem zweiten Fall.
5. November 2011 - Assange will in die Schweiz
REUTERS
Julian Assange erwägt, sich in der Schweiz niederzulassen. Er sehe es als "reale Möglichkeit", samt seiner Web-Seite in die Schweiz umzuziehen, sagt er einem Schweizer TV-Sender. Neben Island sei die Schweiz das einzige westliche Land, in dem sich WikiLeaks sicher fühle. Mitarbeiter und Menschen aus dem Umfeld der Plattform fühlten sich vom Pentagon bedroht, sagt Assange.
18. November 2011 - Neuer Haftbefehl
Die schwedische Staatsanwaltschaft beantragt einen neuen Haftbefehl gegen Assange und die internationale Fahndung durch Interpol. Die Ermittler wollen ihn zu den Vergewaltigungsvorwürfen befragen. Interpol veröffentlicht später eine Red Notice: Diese "roten Mitteilungen" bedeuten, dass alle Mitgliedstaaten Interpols Schweden bei der Suche nach Assange "mit Blick auf seine Festnahme und Auslieferung" unterstützen sollen.
24. November 2011 - Haftbefehl bestätigt
DPA
Ein schwedisches Gericht bestätigt den Haftbefehl und die internationale Fahndung. Die Richter mildern die Vorwürfe aber etwas ab: Zwar werde Assange immer noch Vergewaltigung vorgeworfen, allerdings in einem minder schwerem Fall, teilt das Gericht mit. Zudem sei einer der drei Vorwürfe der sexuellen Belästigung fallengelassen worden.
30. November 2011 - Beschwerde von Assange
Julian Assange will in Schweden die Aufhebung des Haftbefehls gegen ihn wegen Vergewaltigungsverdachts durchsetzen. Dies soll vor dem Obersten Gericht in Stockholm erfolgen.
1. Dezember 2011 - Europäischer Haftbefehl
AFP
Der europäische Haftbefehl wird den britischen Behörden übermittelt, damit Assange an Schweden ausgeliefert werden kann. Der WikiLeaks-Chef hält sich mittlerweile in London auf.
2. Dezember 2011 - Schwedischer Formfehler
Der oberste Gerichtshof Schwedens bestätigt den Haftbefehl und die internationale Fahndung letztinstanzlich. Laut britischen Zeitungen verhindern formale Fehler im europäischen Haftbefehl den Zugriff auf Assange. Der Australier hält sich den Berichten zufolge seit Oktober im Südosten Großbritanniens auf und habe bei seiner Ankunft im Land Scotland Yard seine Kontaktdaten mitgeteilt. Die britische Polizei habe Assanges Verhaftung nicht in die Wege leiten können, weil bei der Übermittlung des Haftbefehls etwas falsch ausgefüllt worden sei. Scotland Yard kommentiert das offiziell nicht.
3. Dezember 2011 - Neuer Haftbefehl an London
dapd
Die schwedische Justiz lässt nicht locker. Sie hat einen neuen europäischen Haftbefehl für den WikiLeaks-Chef an die Behörden in Großbritannien geschickt. Dieses Mal ohne Formfehler.

7. Dezember 2011 - Assange festgenommen
Assange wird um 9.30 Uhr in Großbritannien festgenommen. Er hatte sich zuvor selbst gestellt. Assanges Anwälte wollen erreichen, dass ihr Mandant vorerst nicht nach Schweden ausgeliefert wird.
16. Dezember 2011 - Freilassung auf Kaution
Gegen Kaution wird Assange in Großbritannien auf freien Fuß gesetzt. Er muss jedoch einige Auflagen erfüllen, sich zum Beispiel täglich bei der britischen Polizei melden.
11. Januar 2012 - Auslieferungsverfahren beginnt
Bis Anfang Februar soll ein Londoner Gericht über Assanges Auslieferung nach Schweden entscheiden, wo ihm ein Verfahren wegen Vergewaltigung und bis zu vier Jahren Haft drohen.
3. Februar 2012 - Ermittlungsakten tauchen im Web auf
Die Ermittlungsakten zu den Vergewaltigungsvorwürfen gegen Julian Assange tauchen laut dem US-Magazin "Wired" im Internet auf. Das Magazin beschreibt auf seiner Web-Seite Details aus der mehrere hundert Seiten umfassenden Akte.
7./8. Februar 2012 - Anhörung vor Gericht
Assange und seine Anwälte stemmen sich gegen die Auslieferung nach Schweden. Seine Verteidiger stellen zum Auftakt der Anhörung ein 35-seitiges Dokument mit ihrer Verteidigungsstrategie ins Internet gestellt, in dem die Eckpunkte ihrer Argumentation aufgeführt sind. Das Gericht hat bis zu zehn Tage Zeit, seine Entscheidung zu verkünden.
24. Februar 2012 - Erste Instanz: Auslieferung an Schweden rechtens
Ein britischer Richter entscheidet: Die Auslieferung Julian Assanges nach Schweden ist rechtens. Richter Howard Riddle gibt einem entsprechenden Antrag der schwedischen Justiz statt.
3. März 2012 - Assange legt Berufung ein
Die Anwälte von Julian Assange legen Berufung gegen seine Auslieferung an Schweden ein. Ein Gericht muss in zweiter Instanz in 40 Tagen entscheiden, ob es die Berufung annimmt.
30. Mai 2012 - Auslieferung rechtmäßg
Der Oberste Gerichtshof erkennt das Auslieferungsgesuch als rechtmäßig an. Mit einer Fünf-zu-Zwei-Entscheidung weisen die Richter Assanges Einspruch ab.
14. Juni 2012 - Oberster Gerichtshof will kein weiteres Verfahren
Eine Wiederaufahme des Auslieferungsverfahren lehnen die obersten Richter ab. Assange und seine Anwälte können nun nicht weiter gegen das Auslieferungsverfahren vorgehen.
14. Juni 2012 - Flucht in die Botschaft
Assange flieht in die Botschaft von Ecuador in London und beantragt politisches Asyl in dem südamerikanischen Land.
16. August 2012 - Assange wird politisches Asyl gewährt
Ecuador gewährt Assange politisches Asyl. Die britischen Behörden kündigen an, ihn dennoch zu verhaften, sobald er die Botschaft verlässt. Assange hat zu diesem Zeitpunkt die ecuadorianische Botschaft für fast zwei Monate nicht verlassen.


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