Neue Direktive: EU will hart gegen Hacker vorgehen

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Laptop-Nutzer (Symbolbild): EU plant einheitlich hohe Strafen für Hacker

Mindestens zwei Jahre sollen kriminelle Hacker ins Gefängnis kommen. Das sieht eine neue Richtlinie vor, die in der Europäische Union einheitliche und hohe Strafen für Cyberangriffe fordert. Auch das Entwickeln von Angriffswerkzeugen soll bestraft werden.

Ein Cyberkrimineller kann sich in den Niederlanden aufhalten, über einen Server in Deutschland arbeiten, Computer in der Ukraine übernehmen und mit denen eine Bank in Großbritannien angreifen. Mit diesem Beispiel will ein Ausschuss des europäischen Parlaments klar machen, warum für die Bestrafung krimineller Hacker einheitliche Regelungen getroffen werden sollen.

Am Donnerstag hat der Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres eine entsprechende Richtlinie verabschiedet, im Juli soll das Parlament zustimmen. Die CSU-Politikerin Monika Hohlmeier, seit 2009 Europa-Abgeordnete, hat den nun vorliegenden Kompromiss zwischen Parlament, Ministerrat und Kommission ausgehandelt. "In Europa gibt es künftig ein einheitliches Strafmaß für großangelegte Angriffe auf IT-Systeme", so Hohlmeier.

Mindestens zwei Jahre sollen Hacker demnach ins Gefängnis, wenn sie illegal in ein Computersystem eingebrochen sind oder dieses gestört haben. Ebenso soll das Abhören von Kommunikation und das Bereitstellen und Verkaufen von Hacker-Werkzeugen bestraft werden. Deutschland dürfte dabei als Vorbild gelten: Hier stellt der sogenannte Hackerparagraf im Strafgesetzbuch das Entwickeln solcher Programme unter Strafe.

Damit zum Beispiel ein Unternehmen IT-Experten mit dem Hacken des eigenen Netzwerks zu Testzwecken beauftragen kann, soll dann keine Straftat vorliegen, wenn keine kriminelle Absicht hinter dem Hacken steht.

"Harte strafrechtliche Sanktionen"

Das Aufbauen von Botnets, also ferngesteuerten Netzwerken, soll in der EU mit mindestens drei Jahren Gefängnis bestraft werden. Richten sich Hackerangriffe gegen sogenannte "kritische Infrastruktur", beispielsweise Energieversorger, soll die Mindeststrafe fünf Jahre betragen. Neben technischen Abwehrmaßnahmen, die laut der neuen Richtlinie verbessert werden müssen, soll der Schutz der kritischen Infrastruktur durch "harte strafrechtliche Sanktionen" ergänzt werden.

Die EU-Mitgliedstaaten sollen außerdem Informationen über Cyberangriffe austauschen, um den Betrieb der Netze sicherzustellen. Binnen acht Stunden sollen diese Stellen auf dringende Anfragen reagieren. Informationen über Fälle sollen untereinander ausgetauscht werden, über Europol und das Europäische Zentrum zur Bekämpfung der Cyberkriminalität (EC3).

Angesichts dessen Ausstattung zeigte sich Hohlmeier besorgt: "Allein von Deutschland gehen genauso viele Angriffe aus, wie von den Vereinigten Staaten. Dabei ist die Tatsache, dass das FBI Cyberkriminelle mit mehreren hundert Mann bekämpft, jedoch das europäische EC3 lediglich aus knapp 40 Personen besteht, erschreckend."

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insgesamt 10 Beiträge
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1.
citizengun 06.06.2013
Pauschalstrafen sind der völlig falsche Ansatz. Bereits heute kann ein Hacker so verborgen arbeiten, dass er überhaupt gar nicht mehr ausgespäht werden kann. (Indem er sich einfach als Opfer im zugehörigen Netzwerk ausweist.) Man verschärft damit gezielt professionelles Verhalten, vertraut darauf und verliert in Folge die Konditionierung zum Schutz der IT. Effektiv wird also eine Schwächung eintreten.
2. Mindestens zwei Jahre sollen kriminelle Hacker ins Gefängnis kommen
fragel 06.06.2013
Müssen da die Mitarbeiter der Geheimdienste und der Polizei auch ins Gefängnis? Der Bundestrojaner ist auch ein kriminelles Programm, denn nicht immer ist der Einsatz berechtigt. Gleiches Recht für alle !!!
3. citizengun - Meine Zustimmung
fragel 06.06.2013
Doch leider reden da Blinde von der Farblehre. Die sich da solche Sachen einfallen lassen , es zeigt deren Bezeichnung, haben von Computern fast keine Ahnung. Es sind solche Experten , die den Techniker rufen , der Getränkehalter sei am Rechner abgebrochen, der bei uns als Schublade für die einzulegende CD dient.
4. optional
joblack 06.06.2013
Willkommen in der EU-DSSR. Schöne neue Welt ...
5. Ausgerechnet Monika Hohlmeier ...
.freedom. 06.06.2013
Die Frau hatte schon mehrfach mit dem Staatsanwalt zu tun. Man schaue Wikipedia: Monika Hohlmeier (http://de.wikipedia.org/wiki/Monika_Hohlmeier)
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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