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Neue Zahlen: Berlin fragt millionenfach Handydaten ab

Die umstrittene Funkzellenabfrage kommt in Mode: Mehr als 6,6 Millionen Datensätze hat die Berliner Polizei zwischen 2009 und 2012 von Mobilfunkprovidern bekommen. Doch nur in 116 Fällen gab es brauchbare Hinweise.

Hamburg - Die Berliner Polizei greift bei ihren Ermittlungen auch nach Kritik weiter zu der umstrittenen Funkzellenabfrage. Von 2009 bis Juli 2012 wurden in 1408 Fällen Daten von den Mobilfunkprovidern gesammelt. Das teilte der Berliner Senat auf einer Sitzung des Innenausschusses am Montag mit. Anfang des Jahres waren erstmals Zahlen bekannt geworden, seitdem sind 128 Verfahren mit insgesamt 200 Funkzellenabfragen hinzugekommen.

302 Verfahren im Zeitraum 2009 bis April 2012 wurden genauer aufgeschlüsselt. Dabei sind mehr als 6,6 Millionen Datensätze ausgewertet worden. Bei der nicht-individualisierten Funkzellenabfrage wird ausgewertet, welches Handy zu welchem Zeitpunkt in einem bestimmten Gebiet war. 5383 Mal wurde demnach der Anschlussinhaber ermittelt, woraus sich schließlich 116 "neue Ermittlungsinhalte" ergaben.

Christopher Lauer, Chef der Berliner Piratenfraktion, kritisierte die Datenabfrage als unverhältnismäßig. Mehrere tausend Unschuldige seien so in den Fokus von Ermittlungen geraten, "nur weil sie sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Nähe einer Straftat aufgehalten haben", sagte er SPIEGEL ONLINE. Die Berliner Piraten fordern einen restriktiveren Einsatz sowie dass Betroffene nach der Abfrage informiert werden müssen.

Die Polizei setzte die massenhafte Abfrage unter anderem ein, um Autobrandstiftern auf die Spur zu kommen. Der Senat hat 302 Verfahren im Zeitraum von 2009 bis April 2012 genauer aufgeschlüsselt. Dabei handelt es sich in 33 Verfahren um Ermittlungen in Zusammenhang mit Brandstiftung. In 215 Verfahren ging es um bestimmte Bandendelikte, in 15 um Mord oder Totschlag, in 31 um Raub oder Erpressung, in 4 um Vergewaltigung und in 3 um Betäubungsmitteldelikte.

Anmerkung: In der nun veröffentlichten Version wird klarer, dass die 6,6 Millionen Datensätze sich auf die 302 Abfragen zwischen 2009 und April 2012 beziehen.

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1. ...
smokeonit 27.08.2012
Zitat von sysopDie umstrittene Funkzellenabfrage kommt in Mode: Mehr als 6,6 Millionen Datensätze hat die Berliner Polizei zwischen 2009 und Juli 2012 von Mobilfunkprovidern bekommen. Doch nur in 116 Fällen gab es brauchbare Hinweise. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,852325,00.html
Es scheint das Berliner Richter sich ohne Probleme vor den Karren spannen lassen... Good-bye Rechtstaat...
2. optional
TeslaTraX 27.08.2012
wir sind alle verloren, demokratie und menschrechte ade
3. Handy
hanfiey 27.08.2012
Wer es jetzt noch nicht gemerkt hat, dem ist alles egal. Schnüffelstaat und Abzocke. Warum haben wir die Mauer eigentlich nicht behalten?. Ach ja, die war nicht so schön mit anzusehen, es geht auch dezenter und das weiß Mutti auch. Die wirklich bösen gehen in die (Telefon) Zelle oder ins Internet Kaffee um in Ruhe ihrem tun nachzugehen. Wer die Dummen sind ist hier auch klar. Handy abschaffen, ich komme auch ohne aus. Die Handylobby wird Angela dann schon sagen was zu tun ist!.
4. .
Methados 27.08.2012
Zitat von sysopDie umstrittene Funkzellenabfrage kommt in Mode: Mehr als 6,6 Millionen Datensätze hat die Berliner Polizei zwischen 2009 und Juli 2012 von Mobilfunkprovidern bekommen. Doch nur in 116 Fällen gab es brauchbare Hinweise. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,852325,00.html
an alle motzer: wurde ihnen schonmal das handy "abgezockt" ? nein ? dann fahren sie mal nach berlin. die chancen stehen in vielen vierteln recht gut, dass sie auch einmal diese erfahrung machen dürfen. und dann verbieten sie bitte der polizei gleich auch, das handy zu orten - per funkzellen abfrage. effekt: sie bekommen ihr handy nicht wieder, aber der datenschutz wurde gewahrt. tolles ding.
5. ....
toledo 27.08.2012
Zitat von Methadosan alle motzer: wurde ihnen schonmal das handy "abgezockt" ? nein ? dann fahren sie mal nach berlin. die chancen stehen in vielen vierteln recht gut, dass sie auch einmal diese erfahrung machen dürfen. und dann verbieten sie bitte der polizei gleich auch, das handy zu orten - per funkzellen abfrage. effekt: sie bekommen ihr handy nicht wieder, aber der datenschutz wurde gewahrt. tolles ding.
Ich glaube kaum, dass die Polizei Abfragen nach gestohlenen oder verlorenen Handys durchführt. Dies können Sie auch im letzten Absatz des Artikels nachlesen.
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