Fall Redtube Chefwechsel bei Abmahnfirma

Tausende Internetnutzer bekamen Abmahnungen von einer Regensburger Kanzlei, weil sie angeblich auf einem Pornoportal Sexclips angesehen hatten. Nun gibt es Bewegungen bei der Firma hinter der Aktion: Sie ist umgezogen - und der neue Chef kommt aus Benin in Westafrika.

Redtube-Website (Screenshot): Landgericht zweifelt an Auskunftsbeschlüssen

Redtube-Website (Screenshot): Landgericht zweifelt an Auskunftsbeschlüssen


Hamburg - Über eines besteht im Fall Redtube mittlerweile weitgehende Einigkeit: Irgendetwas stimmt nicht mit den Abmahnungen wegen angeblich illegaler Porno-Streams von der Website. Das Bundesjustizministerium hatte sich in der Sache zu Wort gemeldet und erklärt, das reine Betrachten eines Videostreams halte man nicht für eine Urheberrechtsverletzung.

Nun folgt die nächste Volte: Bei der Schweizer The Archive AG, in deren Auftrag die Abmahnungen verschickt wurden, gibt es einen Wechsel an der Führungsspitze. Der neue Chef ist beninischer Staatsangehöriger und wohnt im Schweizerischen Weisslingen, wo The Archive AG seinen neuen Hauptsitz hat.

Der Fall Redtube hatte zuletzt für Aufsehen gesorgt. Und immer noch wird über die Hintermänner gerätselt. Zehntausende deutsche Internetnutzer hatten Abmahnungen erhalten, weil sie angeblich mit dem Ansehen eines Porno-Streams auf Redtube Urheberrechte verletzt hatten. Doch eigentümlich ist daran nicht nur die Tatsache, dass solche Streams nach Meinung renommierter Juristen unproblematisch sind.

Die Hinweise häufen sich, dass auch bei der Erstellung der Abmahnungen etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Da ist zum Beispiel die Frage, wie die Firma The Archive AG, in deren Auftrag die Kanzlei Urmann und Kollegen die Anwaltsbriefe verschickt hatte, überhaupt an die IP-Adressen der Nutzer kam. Es könnte sein, dass die vermeintlich geschädigte The Archive AG und womöglich auch ihre Rechtsvertreter selbst zum Ziel von Ermittlungen werden.

Zwei deutsche Rechtsanwälte haben bereits Strafanzeige gegen Anwalt Urmann und zwei der Beteiligten gestellt. Sie vermuten einen Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz. Die Staatsanwaltschaft Köln geht der Frage nach, ob jemand gegenüber dem Landgericht Köln falsche eidesstattliche Versicherungen abgegeben habe, um an Nutzerdaten heranzukommen. Sie hat ein Verfahren gegen Unbekannt eröffnet. Heise.de berichtete schon 2010, die automatisierte Erfassung von IP-Adressen verstoße gegen Schweizer Recht.

Bei der Archive AG selbst gibt es nun Bewegung. Statt des Deutschen Philipp Wiik ist dem Schweizer Handelsregister zufolge ein Mann aus dem westafrikanischen Benin neuer Direktor der Aktiengesellschaft. Der neue Chef heißt Djengue Nounagnon Sedjro Crespin. Die spannende Frage lautet, ob er jemals persönlich in Erscheinung treten wird. Parallel wurde der Unternehmenssitz geändert: Statt im Schweizerischen Bassersdorf ist The Archive AG demnach im 3000-Einwohner-Örtchen Weisslingen ansässig. Im Verwaltungsrat sitzt weiterhin der deutsche Musikmanager Ralf Reichert. Wer die Besitzer von The Archive AG sind, ist derzeit unbekannt.

cis

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insgesamt 71 Beiträge
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Seite 1
horstmoik 16.01.2014
1. Langsam wird's blamabel
für Urmann und Kollegen, nachdem Urmann noch vor Tagen großkotzig herum getönt hat, keiner könne ihm was, was die Bundesregierung zum Thema Streaming sagt sei irrelevant und einer von den Anwälten, die ihn angezeigt hatten hätte einen "schwierigen Charakter"! Es scheint als sei Urmann selber Opfer dieses Bluffs geworden! Zeit wird's, dass dieser Abmahnsumpf endlich trocken gelegt wird! Aber spannend wie ein guter Krimi ist es trotzdem!
reifenexperte 16.01.2014
2. Wann kommen Urmann
und Konsorten endlich in den Knast? Das war von vornherein ein geplanter Betrug in tausenden Fällen.
fort-perfect 16.01.2014
3. Solange
Zitat von sysopTausende Internetnutzer bekamen Abmahnungen von einer Regensburger Kanzlei, weil sie angeblich auf einem Pornoportal Sexclips angesehen hatten. Nun gibt es Bewegungen bei der Firma hinter der Aktion: Sie ist umgezogen - und der neue Chef kommt aus Benin in Westafrika. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/neuer-chef-von-abmahn-firma-the-archive-ag-kommt-aus-benin-a-943804.html
Solange die Abmahnanwälte selbst nicht endlich zur Verantwortung gezogen werden, wird dieses typisch deutsche Elend der Massenabmahnungen kein Ende finden. Das ganze "technische" Konstrukt dieser angesprochenen Abmahnwelle ist hinlänglich dokumentiert und läuft unter dem Oberbegriff "gewerblicher Betrug" und daran sind neben einigen merkwürdigen Firmen auch diverse deutsche Rechtsanwaltskanzleien in einem abgekarteten Spiel beteiligt und das unter Duldung deutscher Staatsanwaltschaften....
huberwin 16.01.2014
4. Diese Betrüger haben es doch leicht
wenn Gerichte einfach auf eine Behauptung hin die Telefonanbieter zwingen die Nutzerdaten und Adressen herauszugeben. Einen Strohmann aus Afrika findet man immer! Das Abmahnunwesen muß gebändigt werden!
AugustQ 16.01.2014
5. Zahlung
möglicherweise geht das aus wie das Hornberger Schiessen. Dumm nur, wenn jemand bereits gezahlt hat. Der darf dann nach seine Rückforderung in Benin eintreiben.
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