New Yorker Nerd-Messe Comic Con verschickt Tweets im Namen ihrer Gäste

Die New Yorker Comic Con ist ein Mekka nicht nur für Comic-Fans. Freunde von Videospielen, Science-Fiction, Fantasy und Anime kommen hierher, oft spektakulär kostümiert. Dieses Jahr aber gibt es Ärger: Die Messe verschickte Tweets von den Accounts ihrer Besucher aus - ohne zu fragen.

AFP

New York - Der Journalist Brian Crecente ist in Nerd-Kreisen eine Institution. Er hat früher das Game-Blog "Kotaku" geleitet und arbeitet heute für das Netzmagazin "Polygon". Von der Videospielbranche wird Crecente hofiert, seine Einschätzung gilt vielen als wegweisend. Ausgerechnet er aber wurde nun zum Opfer einer Marketingaktion, mit der die New Yorker Fachtagung für Videospiele, Comics, Science-Fiction, Fantasy und andere Popkultur, die Comic Con, viele ihrer Besucher verärgert hat.

Am Donnerstag, kurz nach der Eröffnung der New Yorker Comic Con, twitterte Crecente scheinbar: "So viel Popkultur zu verdauen! Zu. Viel. Großartig.", gefolgt vom Comic-Con-Hashtag #NYCC und einem Link, der zum Facebook-Auftritt der Veranstaltung führt. Ein paar Stunden später verschickte Crecente den Tweet erneut, diesmal mit dem erstaunten Zusatz: "Das war nicht ich. Das war die NYCC, die für mich getwittert hat."

Crecente schrieb einen kurzen Artikel über die Tatsache, dass die Messe offenbar seinen Account missbrauchte, eine Kollegin schob kurz darauf einen weiteren Artikel nach, in dem IT-Sicherheitsfachleute das Vorgehen der NYCC "ungewöhnlich" nannten. Auch die "Mashable"-Reporterin Chelsea Stark gehörte zu den Opfern der Marketingaktion, auch ihr Twitter-Account verschickte ohne ihr Zutun Werbebotschaften, auch Stark schrieb einen Artikel über den Vorfall.

Diverse andere Comic-Con-Besucher meldeten sich bei "Mashable", "Polygon" und direkt via Twitter mit ähnlichen Beschwerden. Offenbar hatte die Messe Besuchern im Vorfeld die Möglichkeit gegeben, ihre mit RFID-Chips ausgestatteten Einlasskarten vorab auf ihren Namen zu registrieren - und dabei auch ihren Twitter-Account anzugeben. Die Twitter-App der Comic Con räumte sich dabei offenbar auch das Recht ein, vom Account des jeweiligen Besuchers selbständig und automatisiert Tweets zu verschicken.

Die NYCC hat die Berichte bislang nicht kommentiert. Eines steht fest: Mit der eigentümlichen Marketingaktion hat die Messe sich viel Negativ-PR beschert.

Der Begeisterung vieler Besucher über das Klassentreffen der Ostküsten-Nerds tat die Aktion aber offenbar keinen Abbruch. Die hübschesten Comic-Con-Kostüme sehen Sie in in unserer Fotostrecke.

cis

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