Die US-Bürgerrechtsorganisation EFF (Electronic Frontier Foundation) warnt vor weitreichenden Plänen der Bundespolizei FBI zur Gesichtserkennung. In von der EFF veröffentlichten FBI-Unterlagen heißt es, dass bis 2014 in einer zentralen FBI-Datenbank zur Gesichtserkennung mindestens zwölf Millionen Porträts gespeichert werden sollen.
Die Datenbank zur Gesichtserkennung ist Teil des FBI-Projekts "Next Generation Identification" (NGI). NGI soll den zentralen Zugriff auf biometrische Informationen ermöglichen, darunter Porträtfotos, Iris-Scans, Finger- und Handabdrücke. Laut EFF arbeiten seit Ende 2011 mindestens vier US-Bundesstaaten auf Basis von Verträgen mit dem FBI an diesem Projekt: Michigan, Hawaii, Maryland und wahrscheinlich Oregon.
Der Vertrag zwischen Hawaii und dem FBI sieht unter anderem vor, dass "Fotos unabhängig von Verhaftungen" in eine zentrale Datenbank zur Gesichtserkennung eingestellt werden dürfen. Die EFF kritisiert diese weitreichenden Pläne. Die Bürgerrechtler fürchten, dass auf Basis derart umfassender Genehmigungen auch Fotos aus öffentlich zugänglichen Quellen in die Datenbank aufgenommen werden könnten.
Diesen Verdacht stützt die EFF auf Details aus einem Vortrag, den ein FBI-Forensiker 2010 hielt. In der Präsentation ist auch dieser Anwendungsfall für Gesichtserkennung beim FBI aufgeführt: "Personen in öffentlich zugänglichen Datensätzen identifizieren".
Welche Datensätze damit gemeint sind, führt der FBI-Forensiker nicht aus. Eine der größten öffentlich zugänglichen Datenbanken, in der echte Namen in Verbindung mit Porträtfotos (und Kontaktnetzwerken) gespeichert sind, dürfte Facebook verwalten. Facebook deklariert diese Informationen generell als öffentlich, ohne Widerspruchsmöglichkeit: Name, Profilbild, Geschlecht, Angaben zu Netzwerken (Schule, Arbeitsplatz), Nutzername und Nutzerkennnummer. Forscher haben in Experimenten gezeigt, dass sich mit Hilfe der von Facebook veröffentlichten Informationen unbekannte Personen per Gesichtserkennung und Profilabgleich identifizieren lassen.
In einem US-Regierungsbericht zur Biometrieforschung aus dem Jahr 2011 wird Facebooks Gesichtserkennung explizit als förderlich für den Fortschritt auf dem Gebiet genannt: "Biometrische Gesichtserkennung hat seit 2006 eine Reihe von Fortschritten zu verzeichnen, angetrieben wir die Entwicklung durch die Beliebtheit von Social Networks. ( ) Medienkonzerne wie Google, Apple und Facebook haben nun alle Gesichtserkennung in ihren Produkten integriert."
lis
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